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Wirecard meldet Insolvenz an - Ein Scherbenhaufen für die Anleger

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In Folge des milliardenschweren Bilanzskandals beschließt der Vorstand von Wirecard, Insolvenz anzumelden. Es ist ein historischer Absturz eines Überfliegers an der Börse.

Wirecard-Logo
Wirecard-Logo
Quelle: Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Der Krimi um den Zahlungsdienstleister Wirecard hat ein jähes und bitteres Ende gefunden: Das Unternehmen in Aschheim bei München hat jetzt einen Insolvenzantrag gestellt. Um 10:28 Uhr lief die kurze Börsen-Pflichtmitteilung des Konzerns über die Nachrichtenticker.

"Der Vorstand der Wirecard AG hat heute entschieden, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen", heißt es in dem kurzen Text.

Wirecard-Absturz: Historisch einmaliger Vorgang im Dax

Damit ist der Überflieger an der Börse abgestürzt und hat das Vermögen zahlreicher Anleger, auch Kleinanleger, mit sich in den Abgrund gerissen. "Das war ja die Lieblingsaktie von vielen Kleinaktionären, die damals auch die T-Aktie gekauft haben", sagt Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Und die hat man jetzt wie die Ochsen durch die Manege geführt."

In nur einer Woche hat sich der Börsenwert von Wirecard mit dem Insolvenzantrag pulverisiert. Rund 13 Milliarden Euro an Börsenwert haben sich in wenigen Tagen praktisch in Luft aufgelöst. Nach der Insolvenzmeldung wurde die Aktie am Donnerstag vom Handel ausgesetzt, dann sackten die Papiere in Frankfurt auf unter drei Euro ab.

Das ist in dieser Form einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Dax-Unternehmen sich in dieser Weise in kürzester Zeit selbst demontiert.
Klaus Nieding, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Wirecard-Skandal: Kontrollen haben versagt

Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht immerhin noch für Wirecard-Töchter-Unternehmen. Denn es werde noch geprüft, ob auch für sie ein Insolvenzantrag gestellt werden muss oder nicht. "Wenn das Geschäftsmodell von Wirecard grundsätzlich tragbar ist und so gut ist wie vor kurzem noch behauptet, wird sich natürlich jemand für die Reste interessieren", meint Robert Halver.

Kurz: In der Insolvenz könne man auch versuchen, überlebenswerte Teile zu erhalten oder an Konkurrenten zu verkaufen. "Da sollte sich dann aber vielleicht auch der Bund einschalten, um zukunftsfähige Technologie in Deutschland halten", sagte Robert Halver.

Archiv: Wirecard Logo am Firmengebäude in Aschheim bei München.

Zwielichtige Hintergründe - Wirecard im Sog eines Milliardenbetrugs 

Im Zwielicht steht der Konzern schon länger. Doch nun geht es ums Überleben.

von Mischa Ehrhardt

Für Anleger, deren Aktien des Unternehmens nun in den Depots gegen Null tendieren, ist das ein schwacher Trost. Ihnen bleibt zunächst nur die Erkenntnis, dass Investitionen am Aktienmarkt immer mit dem Risiko des Totalausfalls behaftet sind.

Gleichzeitig wird sich wohl die Frage stellen, warum den Milliardenbetrug so lange niemand bemerkt hat. Die internen Kontrollen haben versagt - ebenso, wie die Börsenaufsicht und die Bilanzprüfer von EY. Die hatten jahrelang die Bilanzen von Wirecard testiert und erst vor wenigen Tagen ihren Stempel verweigert.

Es gibt einen, der betrügt und den anderen, der das nicht bemerkt. It takes two for Tango.
Robert Halver, Aktienstratege Baader Bank

Anwälte von Wirecard-Aktionären nehmen jetzt die Wirtschaftsprüfer in den Blick - es könnte zu Schadensersatzklagen kommen. Für Aktionäre bedeutet das eine Resthoffnung, einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.

Verdacht auf Bilanzfälschung und Marktmanipulation

Wirecard hatte zu Beginn der Woche eingestehen müssen, dass 1,9 Milliarden Euro nicht existieren. Sie standen quasi als Luftbuchungen in der Bilanz. Die Zertifikate, die das Geld auf Konten philippinischer Banken verorteten, bezeichneten die dortigen Geldhäuser als "plumpe Fälschungen".

Im Zuge des Skandals war der langjährige Wirecard-Chef Markus Braun zurückgetreten und kam eine Nacht in Untersuchungshaft, wurde gegen Kaution am Dienstag aber wieder freigelassen.

Die Staatsanwaltschaft in München wirft Braun und anderen mutmaßlichen Tätern vor, Bilanzsumme und Umsatzvolumen des Konzerns durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben. Der Verdacht besteht auf Bilanzfälschung und Marktmanipulation.

Einen Haftbefehl gibt es laut Medienberichten auch gegen Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Der soll sich in der philippinischen Hauptstadt Manila aufhalten.

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