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Rücktritt des Chefs: Richtig und überfällig

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Kommentar zur Wirecard-Krise - Rücktritt des Chefs: Richtig und überfällig

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Der Chef des Finanzdienstleisters Wirecard ist zurückgetreten. Düster ist die Lage für Wirecard und unschön für den Finanzplatz Deutschland, meint ZDF-Börsenexperte Bethmann.

Kommentar: Frank Bethmann zu Wirecard
Kommentar: ZDF-Börsenexperte Bethmann zum Wirecard-Skandal.
Quelle: ZDF/Klaus Weddig/epa

Irgendetwas stimmte da nicht von Anfang an. Kaum ein Unternehmen ist so still und leise groß geworden wie Wirecard. Als der Konzern 2018 die Commerzbank aus dem Dax verdrängte, sagte sich manch einer: Wer ist da neu im Dax? Wirecard? Was machen die denn?

Hoffnungsträger Wirecard

Der Online-Zahlungsdienstleister hatte sich auf leisen Sohlen in die deutsche Eliteklasse geschlichen und punktete dann aber Monat für Monat mit tollen Geschäftszahlen. Es sah endlich mal wieder aus nach einer deutschen Erfolgsgeschichte.

Endlich wieder ein großer deutscher Player, der da punktet, wo die Musik spielt: Beim bargeldlosen Bezahlen, beim Online-Shopping. Na also, wir können es ja doch, wir Deutschen, war der Tenor.

Gutes Unternehmen, da ist nichts dran?

Und wir wollten es gar nicht glauben, als erste Zweifel aufkamen, dachten zunächst, da wollen doch nur Nestbeschmutzer von der "Financial Times" unseren neuen Shootingstar schlecht reden.

Als dann auch noch die Staatsanwaltschaft München zunächst gegen das britische Pressehaus ermittelte, ob es da etwa Absprachen zwischen einem Journalisten und Spekulanten zum Schaden von Wirecard gegeben habe, schien klar: Gutes Unternehmen, da ist nichts dran.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat die Räume des Finanzdienstleisters Wirecard durchsucht. Der Verdacht: Marktmanipulation. Vorstandschef Braun ist zurückgetreten. Es geht um die Existenz von Wirecard. Die Aktie ist heute noch weiter abgestürzt.

Beitragslänge:
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Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro kamen auf

Doch dafür, dass nichts dran war, hielt sich die Geschichte einfach zu lange. Zwar behauptete Wirecard-Chef Braun stets, es würde sich alles klären. Doch immer neue Ungereimtheiten kamen hoch, bis die Bombe gestern platzte.

Die große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young rückte von Wirecard ab. Für Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden gebe es Hinweise auf Täuschung. Ein Hammer! 1,9 Milliarden, die in etwa ein Viertel der Wirecard-Konzernbilanz ausmachen, könnten nur erfunden, Luftbuchungen sein.

Ach was, ein Hammer, viel zu wenig, ein Erdbeben ist das.

Kurs der Wirecard-Aktie stürzte ab

Ein Tag, mit den Kursrutschen der Aktie gestern und heute, der in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen wird. Ein Tag aber auch, der mit dem längst fälligen Rücktritt des Konzernchefs Fragen aufwirft.

Wie konnte es sein, dass ein Konzern wie Wirecard, der in Deutschlands Königsklasse spielt, ein ums andere Mal die Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen hinauszögern konnte? Wie kann es sein, dass es bis heute nicht gelungen ist, Licht in die potentiellen Bilanz-Mauscheleien des Unternehmens zu bringen?

BaFin hätte genauer hinschauen müssen

Die Causa Wirecard wirft kein gutes Licht auf den Finanzplatz Deutschland. Auch nicht auf seine Aufseher. Weder der eigene Aufsichtsrat noch die Finanzaufsicht BaFin haben sich mit Ruhm bekleckert. Gerade die BaFin – als unabhängige Kontrollinstanz - hätte viel früher und genauer hinschauen müssen.

Der Rücktritt von Markus Braun war überfällig und ist richtig. Schließlich muss sich bei Wirecard einiges ändern und die Erfahrung zeigt, dass man Syteme, vor allem die, die künftig hoffentlich für mehr Transparenz sorgen werden, nicht mit Leuten ändern kann, die das System jahrelang aufgebaut und mitgestaltet haben.

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