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Wirecard-Skandal: Finanzaufsicht unter Druck

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Vertrag mit Prüfstelle gekündigt - Wirecard-Skandal: Finanzaufsicht unter Druck

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Die meisten werden noch nie von ihr gehört haben, der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung. Dabei spielt sie im Wirecard-Skandal eine zentrale Rolle.

Security-Mitarbeiter vor Wirecard-Firmenzentrale
Erste Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandel sind nun bekannt.
Quelle: epa

Die Zocker haben übernommen. Etwa 200 Prozent legte die Aktie des Unternehmens Wirecard heute zeitweise zu. Allerdings beträgt der Kurswert nur noch etwa 3 Euro. Vor zwei Jahren waren es noch knapp 200 Euro.

Während an der Börse also nur noch die Hartgesottenen unterwegs sind, werden erste Konsequenzen aus dem Skandal bekannt. Das Bundesjustizministerium wird den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung aufkündigen.

Wer ist die DPR?

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung ist ein eingetragener Verein und wurde 2005 als Reaktion auf diverse Finanzskandale gegründet. In Deutschland hatte damals vor allem die Posse um das Unternehmen Flowtex dafür gesorgt, dass man etwas verändern wollte. Niemand kam Flowtex damals auf die Schliche, obwohl dessen Geschäfte reine Luftnummern waren. So etwas sollte in Deutschland nie mehr passieren.

Die DPR sollte fortan als eine Art "Bilanzpolizei" fungieren. Unterstützt wurde sie von vielen Industrieverbänden. Sozusagen ein Versuch der Wirtschaft zur Selbstreinigung und -kontrolle beizutragen. Allerdings ist die DPR privatwirtschaftlich organisiert, hat nur 15 Mitarbeiter und prüft wahrscheinlich auch deshalb nur stichprobenartig. Zudem ist die Mitarbeit der kontrollierten Unternehmen freiwillig.

Im Bilanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard stehen auch die Aufsichtsbehörden in der Kritik. Börsenexperte Frank Bethmann erklärt die Hintergründe.

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Versagen bei Wirecard

Zudem war mit dem Thema Wirecard über Monate hinweg nur eine einzige Person mit der Prüfung der Bilanz betraut und diese erfüllte ihre Pflichten offenbar aus der Ferne und nur schriftlich, obwohl es Hinweise auf Ungereimtheiten gab. Spätestens hier hätte die Finanzaufsicht BaFin einschreiten müssen, denn die DPR ist ihr nur vorgeschaltet. Aber sie wartete 15 Monate auf einen Bericht der Prüfer. Wie sich herausstellte, zu lange.

Mit der Insolvenz von Wirecard ist dieses zweistufige Kontroll-System krachend gescheitert, hat auf der ganzen Linie versagt und muss sich dringend neu aufstellen. Die Finanzaufsicht reiht sich damit neben Aktionären, Aktienkultur, Mitarbeitern und vielen anderen ein in die Phalanx der vielen Verlierer des Wirecard-Desasters.

Der Schriftzug von Wirecard an der Firmenzentrale. Symbolbild

Rechtsanwalt Jaffé übernimmt -
Wirecard jetzt unter Insolvenzverwaltung
 

Der nächste Schritt im Skandal um Finanzdienstleister Wirecard: Das Münchner Amtsgericht hat den Rechtsanwalt Michael Jaffé mit der Abwicklung des Insolvenzverfahrens beauftragt.

Möglicherweise wird es sogar einen Untersuchungsausschuss zu dem Skandal geben und vielleicht werden am Ende auch personelle Konsequenzen gezogen. Wichtig wird auf jeden Fall sein, dass die richtigen Schlüsse gezogen werden. Und die können nur lauten in Zukunft eine echte "Bilanzpolizei" zu haben und nicht nur einen Tiger ohne Zähne.

Klaus Weber ist Redakteur in der Wirtschafts-Redaktion des ZDF.

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