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Untersuchungsausschuss - Prüfer: Wirecard hat Ermittlungen behindert

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Im Skandal um Wirecard sagte heute ein KPMG-Sonderprüfer vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag aus. Wirecard habe die Ermittlungen massiv behindert.

Teilnehmer kommen zur Sitzung des Bundestags-Untersuchungsausschusses zum Bilanzskandal Wirecard am 26.11.2020 in Berlin zusammen
Wirecard-Sonderprüfer erheben schwere Vorwürfe im U-Ausschuss.
Quelle: dpa

Der Wirtschaftsprüfer, der für die Sonderprüfung zum Bilanzbetrug beim früheren Dax-Unternehmen Wirecard verantwortlich war, hat deutliche Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sagte:

Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestoßen.
Alexander Geschonneck, KPMG

Diese lägen in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet, sagte Geschonneck am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Keine ausreichenden Nachweise zu Kundenbeziehungen

Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden.

Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Im untersuchten Zeitraum von 2016 bis 2018 seien keine angemessenen Nachweise des in Aschheim bei München ansässigen Unternehmens zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen im Asiengeschäft erbracht worden.

Gewinn aus Geschäften mit Drittpartnern in Asien

Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

Dafür habe er keine speziellen Methoden anwenden müssen, sagte der Wirtschaftsinformatiker aus. Es habe sich um Standardprüfmethoden gehandelt, die auch das Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer vorsehe.

"Wir haben nicht weiter gemacht, als uns nach unseren Standards zu verhalten", sagte Geschonneck. Die konkrete Arbeit der Wirecard-Prüfer der Prüfungsgesellschaft EY wollte er nicht bewerten. Diese Prüfer hatten die Abschlüsse des Skandalkonzerns jahrelang als ordnungsgemäß bestätigt.

Bayaz: "Desaströses Zeugnis" für EY

Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, wertete Geschonnecks Aussage als "desaströses Zeugnis" für die Abschlussprüfer von EY. Die Bilanz-Kontrolleure stehen derzeit in mehrerlei Hinsicht unter Druck. So erhebt nach einem Bericht des "Handelsblatts", der der dpa bestätigt wurde, auch die Wirtschaftsprüferaufsicht Apas Vorwürfe gegen sie.

Es soll Hinweise auf Straftaten der beteiligten Akteure geben, die Aufsichtsbehörde habe deshalb die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ein EY-Sprecher erklärte dazu: "EY sieht keinerlei Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten von Abschlussprüfern von EY im Fall Wirecard." Der Finanzpolitiker der Linken, Fabio De Masi, kommentierte: "Bei EY brennt der Dachstuhl!"

Mehrere Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sollten am späteren Abend im Ausschuss noch aussagen, beriefen sich aber bereits zuvor auf ihre Schweigepflicht als Wirtschaftsprüfer.

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