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Schadenersatzforderungen - Chancen für Wirecard-Anleger?

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Viele Privatanleger haben mit der Insolvenz von Wirecard viel Geld verloren - Geld, das sie gern zurückholen möchten. Wie, das beschäftigt inzwischen die Juristen.

Der Schriftzug von Wirecard an einer Hauswand. Symbolbild
Auch viele Privatanleger verloren mit der Insolvenz von Wirecard Geld.
Quelle: Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Eines macht Klaus Nieding direkt klar: Zeitdruck besteht nicht für Anleger des früheren DAX-Unternehmens. Die Verjährung trete frühestens Ende 2023 ein, sagt der Anlegeranwalt und Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).: "Man hat drei Jahre Zeit ab Kenntnis der gesamten Umstände."

Ansprüche in Höhe von 14,3 Milliarden Euro gestellt

Doch ob die Forderungen vor allem der Aktionäre befriedigt werden können, das ist fraglich. Denn sie sind nicht Gläubiger, sondern Eigentümer des Unternehmens. Und damit werden ihre Forderungen nachrangig behandelt.

Bis Mai allein hatten, so der Wirecard-Insolvenzverwalter, schon rund 12.700 Gläubiger Ansprüche in Höhe von 14,3 Milliarden Euro gestellt – inklusive der Schadenersatzforderungen der Anteilseigner. Ob da aus der Insolvenzmasse am Ende noch viel zu verteilen ist, das ist fraglich.

Möglicher Schadenersatz für bestimmte Anleger

Eine Möglichkeit auf Schadenersatz aber gibt es, wenn auch nur für eine bestimmte Gruppe von Anlegern, sagt Jan Henning Ahrens. Er ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht der Bremer Kanzlei KWAG.

Vor einem Jahr flogen die gefälschten Bilanzen des Finanzdienstleisters Wirecard auf. Der Wirecard-Untersuchungsausschuss stellte nun seinen Abschlussbericht zu dem Fall vor.

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Eine Chance darauf hat vielleicht, wer Aktien oder Zertifikate von Wirecard erst von Anfang 2019 an gekauft hat. Denn der Bundesgerichtshof habe schon vor vielen Jahren die Banken verpflichtet, ihre Kunden auf negative Presse-Berichterstattung über bestimmte Anlageformen hinzuweisen.

Und davon gab es 2019 reichlich über Wirecard. Seit Ende Januar 2019 berichtete etwa die "Financial Times" immer wieder über Unregelmäßigkeiten, wies sogar auf die Möglichkeit von Bilanzmanipulationen oder sogar Bilanzfälschung hin.

Zeitpunkt des Kaufs kann entscheidend sein

"Anleger sollten jetzt auf jeden Fall zunächst einmal prüfen, zu welchem Zeitpunkt sie die Aktie erworben haben", sagt Ahrens. Habe die Bank den Anleger beraten und nicht nur den Kaufauftrag weitergeleitet, dann bestünden gute Chancen, die Ansprüche durchzusetzen.

Denn die Berater müssten die Aktien oder Derivate eines Unternehmens auf wirtschaftliche Plausibilität prüfen, dabei müsse man eben auch die negative Presseberichterstattung berücksichtigen. Die einfache Ausführung eines Anlegerauftrags ohne Beratung reiche nicht. In mehreren Fällen hätten die Banken den Anlegern hohe Vergleichssummen angeboten, um einen Rechtsstreit zu vermeiden, sagt der Anlegeranwalt.

FAQ

Aussage im U-Ausschuss - Wirecard-Skandal: Schaute Scholz zu viel weg? 

Im Wirtschaftsthriller um Wirecard rückt diese Woche die Regierung ins Rampenlicht. Im U-Ausschuss muss heute SPD-Kanzlerkandidat Scholz Rede und Antwort stehen.

Stiftung will Anlegergeld von EY zurückholen

Ihre Ansprüche aufgeben sollten aber auch die übrigen Anleger nicht. Die DSW hat inzwischen eine Stiftung nach holländischem Recht gegründet, zusammen mit einer internationalen Anwaltskooperation. "Bis jetzt haben sich mehr als 20.000 Wirecard-Anleger registriert mit einem durchschnittlichen Schadensvolumen pro Anleger von 40.000 Euro", erzählt DSW-Vizepräsident Nieding.

Diese Stiftung möchte das Anlegergeld von EY zurückholen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine der großen vier weltweit, hatte jahrelang die Bilanzen von Wirecard geprüft und ohne Einschränkungen attestiert. Man sei schon im Gespräch mit EY, sagt Nieding. Ziel ist ein Vergleich.

Früherer Fall als Erfolgsaussicht

Die Erfolgsaussichten schätzt der Anlegeranwalt als gut ein. Denn es gehe um den Ruf des Wirtschaftsprüfers, dem die Kunden davonzulaufen drohen. Das könne sich der Wirtschaftsprüfer nicht leisten, ist Nieding überzeugt und erinnert an den Flow Tex-Skandal.

Prüfer des Betrugsunternehmens war damals EY-Konkurrent KPMG: "Seinerzeit hat KPMG den Anlegern eine dreistellige Millionensumme bezahlt, um deren Schäden zu kompensieren". So könnte das vielleicht auch bei EY laufen.

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