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U-Ausschuss tagt zu Wirecard - EY-Wirtschaftsprüfer unter Druck

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EY-Wirtschaftsprüfer haben die Bücher der insolventen Firma Wirecard gebilligt, ohne dass der Betrug aufgefallen wäre. Die Verantwortlichen wollen aber offenbar nicht kooperieren.

Frontal 21: Wirecard-Skandal vor U-Ausschuss

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Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (früher Ernst & Young) hat über Jahre hinweg die Bilanzen von Wirecard abgesegnet, bevor das Unternehmen wegen eines milliardenschweren Bilanzskandals in die Insolvenz rutschte. Nun hat die Firma angekündigt, ihre Angestellten nicht umfassend aussagen zu lassen.

Ein Unding, meint Gerhard Schick, geschäftsführender Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende. Eingangs des Gesprächs mit ZDFheute sagt er:

Gerhard Schick: Jetzt zeigt sich, wer an Aufklärung interessiert ist und wer die Aufklärung fürchtet. Und offensichtlich gehört EY zu denen, die eine Aufklärung blockieren. Das an sich ist ja auch schon ein Zeichen, dass EY selber weiß: Da sind vielleicht einige Sachen richtig schiefgelaufen. Das zu klären ist ganz wichtig, um die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

ZDFheute: Der Insolvenzverwalter von Wirecard, Michael Jaffé, hat vier Vertreter von EY von der Schweigepflicht entbunden, das haben auch die beiden verbliebenen Vorstände von Wirecard getan. EY hält das nicht für ausreichend. Welche Mittel hat der Untersuchungsausschuss denn, um die Verantwortlichen bei EY zur Aussage zu verpflichten?

Schick: Es kann ein Zwangsgeld erhoben werden, EY kann aber darauf bestehen, das juristisch klären zu lassen. Das kann eine längere rechtliche Auseinandersetzung nach sich ziehen, die vor dem Hintergrund der knappen zeitlichen Frist dieses Untersuchungsausschusses dann die Aufklärung massiv behindert.

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von Brigitte Scholtes

ZDFheute: Warum ist die Frist so knapp?

Schick: Der Untersuchungsausschuss endet mit der Wahlperiode, also im September nächsten Jahres. Und je mehr Zeit man für solche meiner Ansicht nach unnötigen Auseinandersetzungen braucht, desto weniger Zeit bleibt, um zu klären, warum alle Sicherungslinien bei Wirtschaftsprüfern und bei der Finanzaufsicht versagt haben.

Warum hat auch die Staatsanwaltschaft in die falsche Richtung ermittelt? Und was ist der Zusammenhang mit den Geheimdiensten?

ZDFheute: Nun drohen einzelne Abgeordnete ja schon damit, man könne EY die staatlichen Aufträge entziehen. Was hat es damit auf sich?

Schick: Wirtschaftsprüfer sind ja im großen Maße auch Beratungsgesellschaften. Und der Staat verlässt sich viel zu häufig auf sie, anstatt eigene Expertise aufzubauen.

ZDFheute: Könnte eine solche Drohung denn Wirkung zeigen bei EY?

Schick: Die Wirtschaftsprüfer und Berater sind stark an öffentlichen Aufträgen interessiert. Ich halte das für richtig und wirksam, einem solchen Unternehmen auch zu zeigen, dass man nicht nur die Hand aufhalten kann beim Staat. Man muss dann auch seiner öffentlichen Rechenschaftspflicht gerecht werden.

ZDFheute: Welche Funktion haben die Wirtschaftsprüfer denn im Finanzsystem?

Schick: Sie sollen eigentlich als verlässliche Prüfinstanz fungieren. Doch wenn man sich nicht auf eine Bilanz verlassen kann, sondern da mal 1,9 Milliarden Euro fehlen können, dann verunsichert das alle anderen Wirtschaftsakteure, und deswegen muss in dem Fall aufgeräumt werden. Und das Gleiche gilt für die Finanzaufsichtsbehörde BaFin.

Wenn man nicht darauf vertrauen kann, dass eine Finanzaufsichtsbehörde ihren Job macht, dann haben wir Wildwest auf dem Finanzmarkt, und das darf nicht passieren.

Und deswegen ist dieser Untersuchungsausschuss extrem wichtig. Der Schaden für viele Anleger und auch für den Steuerzahler ist ja schon groß genug.

ZDFheute: Wird der Untersuchungsausschuss da hart bleiben? Was erwarten Sie?

Schick: Die Abgeordneten müssen jetzt zeigen, dass sie Biss haben. Ich habe aber den Eindruck, dass dies der Fall ist. Dass die demokratischen Parteien jetzt fraktionsübergreifend zusammenarbeiten - das ist gut und das stimmt mich optimistisch für die nächsten Schritte. Sie wollen EY unter Druck setzen. Ich hoffe, sie haben damit Erfolg.

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