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Wirecard-Affäre: Eine Mail wirft Fragen auf

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Kukies und Ex-Chef Braun - Wirecard-Affäre: Eine Mail wirft Fragen auf

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Ex-Wirecard-Chef Markus Braun sagt an diesem Donnerstag vor dem U-Ausschuss aus. Eine Mail wirft ein neues Schlaglicht auf ein Treffen von ihm mit Staatssekretär Kukies.

Der Betrug von Wirecard habe deswegen funktioniert, "weil sich alle im Glanz eines deutschen Weltmarktführers gesonnt haben", sagt der Journalist Volker ter Haseborg.

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Als das Treffen im Sommer erstmals zur Sprache kam, wurden viele in Berlin bereits hellhörig. Ein persönliches Gespräch von Finanzstaatssekretär Jörg Kukies (SPD) mit dem damaligen Chef der Wirecard AG, Markus Braun, an dessen 50. Geburtstag im November 2019. Wozu? Was besprachen die beiden?

Warum wollte sich Kukies - wie sich später herausstellte auf eigene Initiative - mit Braun treffen? Schon damals war Wirecard massiv unter Druck, kurz zuvor hatte die "Financial Times" erneut über mutmaßliche Bilanzfälschungen berichtet.

Doch was genau Jörg Kukies, der zugleich den Verwaltungsrat der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin leitet, mit Braun besprochen haben will, blieb offen. Gegenstand sei "auch der Marktmanipulationsverdacht" gewesen, heißt es in einem Sachstandsbericht des Bundesfinanzministeriums. Und: "Das Gespräch betraf eine Vielzahl von Themen." Reine Routine also?

Vorbereitungen nur zu einem Thema

Die Frage ist, ob der Eindruck so korrekt ist. Denn eine Mail aus dem Finanzministerium, die dem ZDF vorliegt, spricht eine andere Sprache.

Fünf Tage vor dem Gespräch bat Kukies‘ persönlicher Referent demnach - Betreff: "Eilt sehr" - die zuständige Abteilung im Finanzministerium um eine Gesprächsvorbereitung.

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Interessant daran ist, wozu der Staatssekretär vorbereitet werden sollte - nämlich nur zu einem einzigen Punkt: "Zum Thema Kurs- und Marktmanipulationen bei Wirecard, insb. zu den Ermittlungen und der Sonderprüfung der Bafin hierzu".

FDP-Obmann: Keine Erklärung für Kukies-Braun-Treffen

"Statt dass man Wirecard Polizeibeamte ins Haus schickt, lädt sich der Staatssekretär selbst bei Wirecard ein, um über die Vorwürfe zu sprechen. Ich habe dafür überhaupt keine vernünftige Erklärung", sagt der FDP-Finanzpolitiker und Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss, Florian Toncar, dem ZDF.

Wahrscheinlich sei das Gespräch, vermutet Toncar, für den Wirecard-Chef viel wichtiger gewesen als für den Staatssekretär:

Bei Wirecard gab es damals schon die Sorge, dass man dem Betrug auf die Schliche kommt. Da war es für das Unternehmen wichtig zu wissen, wie der Aufseher denkt.

Er hofft, dass Braun - der seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt und von der Staatsanwaltschaft München als Kopf des Betrugs angesehen wird - bei seinem Auftritt im Untersuchungsausschuss zumindest über dieses Treffen Auskunft gibt.

SPD-Obmann: "Treffen nichts Ungewöhnliches"

Fragen danach hält auch der SPD-Obmann im Untersuchungsausschuss, Jens Zimmermann, für plausibel. Er aber bleibt gegenüber dem ZDF dabei:

Dass sich Staatssekretäre aus dem Finanzministerium mit Vorständen von Dax-Unternehmen treffen, ist nichts Ungewöhnliches. Mir scheint, dass dieses Treffen im Rahmen der üblichen Tätigkeit abgelaufen ist.

Was zumindest fraglich sein dürfte. Der Auftritt von Markus Braun am Donnerstag verspricht, spannend zu werden.

Dem Autor auf Twitter folgen: @fneuhann

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hatten wir berichtet, die Inhalte des Gesprächs blieben geheim. Richtig ist, dass das Finanzministerium in einem Sachstandsbericht von Juli referiert hatte, dass man neben einer Vielzahl von Themen auch über den Marktmanipulationsverdacht gesprochen hatte. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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