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Müll im Kreislauf: "Das neue Normal"

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Schweden macht's vor - Müll im Kreislauf: "Das neue Normal"

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Endstation Müllverbrennung: Typisch für viele schwedische Städte, schlecht für die Umwelt. Das schwedische Eskilstuna zeigt, dass es anders geht und setzt auf Kreislaufwirtschaft.

Kaufen, öffnen, wegschmeißen. Verpackungen verursachen gigantische Mengen Plastikmüll. Jeder Deutsche produziert 220 Kilo Verpackungsmüll im Jahr. Damit sind wir Spitzenreiter in Europa.

Beitragslänge:
30 min
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Eskilstuna liegt in der schwedischen Provinz: eine Industriestadt. 65.000 Einwohner mit unterdurchschnittlichem Einkommen und überdurchschnittlicher Einwanderungsrate; gut zwei Autostunden westlich von Stockholm. Warum blicken plötzlich so viele auf diese Stadt in der Mitte Schwedens ?

Eskilstuna setzt auf Kreislauf

Lange bevor Greta Thunberg Schweden als Keimzelle der Klimaretter berühmt gemacht hat, kümmerte man sich in Eskilstuna schon um die Fragen: Wie kann man Müll vermeiden, und wie hält man Rohstoffe lange im Kreislauf ohne sie wegzuwerfen? Kurzum: Wie funktioniert Kreislaufwirtschaft?

Das Schwierige ist, die Menschen dazu zu bringen, den Müll zu Hause richtig zu sortieren.
Vesa Hiltula, Chef der Abfallbehörde von Eskilstuna

Anderswo streiten Politiker über Klimaziele und Subventionen, in Eskilstuna packten es ein paar tatkräftige Lokalpolitiker einfach an. Wie Vesa Hiltula, Chef der Abfallbehörde von Eskilstuna. Er ist Überzeugungstäter: "Wir wollen den Planeten retten." Mit diesem Motto wird er nicht müde, die Menschen über alle Kanäle zum Sammeln, Sortieren und Wiederverwerten zu motivieren. "Denn das Schwierige ist nicht die Technik, sondern die Menschen dazu zu bringen, den Müll zu Hause richtig zu sortieren."

Säcke in sieben Farben - und es klappt

In sieben verschiedenfarbige Beutel muss jeder Privathaushalt Müll trennen: Plastik, Papier, Zeitungen, Metall, Biomüll, Textilien und Restmüll. Dazu gibt es Sammelstellen für Elektronik und Sperrmüll. All das landet in Lilla Nyby, früher die Mülldeponie, jetzt das Zentrum der Kreislaufwirtschaft. Eine optische Sortieranlage trennt dort die Beutel nach Farben. Nachkontrolliert wird immer noch per Hand: neun von zehn Stücken Müll sind richtig sortiert. Beim deutschen "Gelben Sack" landet ungefähr die Hälfte in der falschen Tonne. Jetzt beginnen viele verschiedene Kreisläufe. Das sortierte Papier, Plastik und Co. wird in Recyclinganlagen transportiert. Ziel ist es aber, direkt vor Ort die Kreisläufe zu schließen.

Genau das ist Kreislaufwirtschaft: Wir nehmen Bio-Müll füttern damit die Mini-Larven, damit die Fische, schließlich isst man den Fisch.
Benny Björk

Beim Biomüll ist das schon fast gelungen, auch dank eines Forschungsprojekts der Universität Uppsala. Vesa Hiltula und Benny Björk präsentieren ihren ganzen Stolz: die Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Sie ernähren sich von ausgewähltem Biomüll und verzehnfachen so ihr Gewicht pro Tag. Eine reiche Proteinquelle mit dem die Schweden Zuchtlachse füttern wollen. Benny Björk bringt es auf den Punkt: "Genau das ist Kreislaufwirtschaft: Wir nehmen Bio-Müll füttern damit die Mini-Larven, damit die Fische, schließlich isst man den Fisch." Idealerweise landen die Fischreste wieder auf dem Biomüll und der Kreislauf beginnt von Neuem. Daran arbeiten Björk und Hiltula noch. Bis dahin wird aus Biomüll - und den Abwässern von Toiletten - Biogas erzeugt. Damit fahren schon zwei Drittel der Stadtbusse.

Mit diesen Bussen kommt man auch zu ReTuna - dem ersten Recycling-Einkaufszentrum der Welt und Herzensprojekt von Anna Bergström, seiner Leiterin. Seit 2015 können nicht mehr gebrauchte Gegenstände hier abgegeben werden. Die Besitzer der 14 Läden bedienen sich aus diesem Fundus, putzen Möbel und Lampen heraus, designen aus alten Textilien neue Mode oder auch stylische Blumentöpfe und reparieren alles - vom Fahrrad bis hin zu Stereoanlagen und Computern. All das wird wiederverkauft. ReTuna ist auch wirtschaftlich erfolgreich und schreibt mit über einer Million Euro Umsatz im Jahr 2018 schwarze Zahlen. "Niemand wird in Zukunft mehr neue Produkte kaufen, außer sie sind nachhaltig produziert. Das hier wird das neue Normal sein", davon ist Bergström überzeugt und deshalb wird das Know-How in ReTuna weitergegeben; in Kursen zum Upcycling-Designer, in Vorträgen und an Besucher aus aller Welt, sogar aus Indien oder China. "Jeder kann uns kopieren. Wir wollen sogar, dass man uns kopiert. Denn jeder kann Kreislaufwirtschaft", sagt auch Vesa Hiltula. Hauptsache man handelt, damit es rund läuft.

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