Formel 1: Die "Eau Rouge" in Spa

50. Grand Prix in Spa – zwischen Faszination und Wahnsinn

Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin - Formel 1: Die "Eau Rouge" in Spa

Die "Eau Rouge" ist eine der schwierigsten Kurven in der Formel 1. In dieser Passage beim Großen Preis von Belgien in Spa wirken bis zu 4G auf den Fahrer ein - die Mutkurve im 1:1-Modell.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.08.2018, 14:42

Der Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps ist eines der Lieblingsrennen von Fahrern und Fans. Das liegt vor allem an den besonderen Herausforderungen, die die Strecke bietet. Am Sonntag wird dort das 50. Formel-1-Rennen gestartet gestartet.

Formel-1-Kurs Spa-Francorchamps mit Nico Rosberg im Mercedes 2016
Spa-Francorchamps mit Vorjahressiger Nico Rosberg im Mercedes Quelle: imago

Traditionskurs in den Ardennen

Der Traditionskurs in den belgischen Ardennen, mit 7,004 Kilometern der längste der kompletten Saison, übt auf alle eine ganz besondere Faszination aus. Auch die Fans mögen den Kurs, den Michael Schumacher, der hier insgesamt sechsmal gewann, auf dem er vor 25 Jahren, 1992, seinen ersten Grand-Prix-Sieg überhaupt feierte, gerne mal als sein „Wohnzimmer“ bezeichnete – in Anlehnung an Boris Becker und Wimbledon.

„Eine Runde in Spa ist wie 20 Runden auf einem anderen Kurs, was den Spaß und die Adrenalinausschüttung angeht“, beschreibt Fernando Alonso die Faszination Spa. Die spektakuläre Eau Rouge-Kurve, bei der eine 300 km/h-Links-Rechts-Kombination mit einer Senke und einem anschließenden Bergaufstück kombiniert ist, gilt als eine der aufregendsten Passage im ganzen Kalender. Sie ist aber nicht die einzige große Herausforderung der Ardennen-Achterbahn, wie Spa oft auch genannt wird. Da ist noch Blanchimont, ein ganz schneller leichter Linksknick, der bei über Tempo 300 keinen Fehler verzeiht, weil durch die natürlichen Gegebenheiten nicht viel Platz neben der Strecke ist. Und die extrem anspruchsvolle Kurve „Pouhon“ - ein abschüssige Linksbogen mit zwei Scheitelpunkten. Im letzten Jahr, mit den  Autos der alten Generation, wurde sie  mit mehr als 270 km/h genommen – jetzt mit den neuen, die ja  noch eine ganze Menge mehr Abtrieb produzieren, dürfte sie noch schneller und schwieriger werden. 

Eau Rouge – inzwischen sicherer geworden 

Trotzdem – kommt das Thema auf die Herausforderung Spa, dann ist meistens doch erst einmal Eau Rouge gemeint. 1985 starb in dieser Senke der große deutsche Hoffnungsträger Bellof – allerdings nicht in einem Formel-1-Auto, sondern in einem Gruppe-C-Sportwagen. Der technische Fortschritt der Autos und inzwischen deutlich verbesserte Sicherheitsmaßnahmen mit wesentlich  breiteren  Auslaufzonen und mehr und besser verankerten Reifenstapeln haben der Kurve allerdings etwas den Schrecken genommen.

Selbst wenn ein spektakulärer Crash passiert – wie letztes Jahr der des Dänen Kevin Magnussen  - geht es doch in den allermeisten Fällen mit glimpflichen Folgen ab. Dort, wo Magnussen von der Strecke flog, oben, am Ausgang von Eau Rouge, wo die Kurve schon Raidillon heißt, verlieren die Autos besonders schnell an Grip – denn zu den hohen Querbeschleunigungen von bisher etwa 4g – mit den diesjährigen neuen Autos werden sogar bis zu 5g erwartet – kommt noch ein weiterer physikalischer Effekt.

Fast schwerelos

Wenn die Fahrer unten in der Senke von Eau Rouge ankommen, werden die Autos zunächst einmal quasi „in den Boden“ gepresst, die Reifen und die Aufhängung werden von einer vertikalen Beschleunigung von 2,5g zusammengedrückt. Auf dem Bergauf-Stück bis zur Kuppe fällt die vertikale Beschleunigung dann auf bis zu 0,5g ab – für die Fahrer ein Gefühl, als würden sie allmählich fast schwerelos. Bis zu einer halben Sekunde merken sie dabei, wie die Sicherheitsgurte sie im Auto nach unten ziehen. Und nicht nur die Fahrer, auch die Autos werden eben „leicht“ - daher des Risiko des Grip-Verlustes.

Aber trotz der enormen auftretenden Kräfte ist die frühere Mutprobe, „kann ich durch Eau Rouge wirklich durchfahren, ohne auch nur kurz zu lupfen, vom Gas zu gehen“, so heute nicht mehr vorhanden – zumindest nicht auf  trockener Strecke. „Eau Rouge“ geht inzwischen im Trockenen immer voll, sowohl im Qualifying wie im Rennen“, bestätigt Sebastian Vettel – das heißt mit über 300 km/h. „Im Nassen ist das freilich noch einmal etwas ganz anderes.“ 

Regen gehört zu Spa

Regen gehört in Spa ja fast dazu. Kaum einmal ein Wochenende in den belgischen Ardennen, das komplett trocken blieb, heftige Schauer, tiefhängende Wolken oder Nebel, so dass Trainings verschoben werden müssen, weil der Rettungs-Helikopter nicht fliegen kann, sind nicht selten. Auch bei der 50. Auflage sind gerade am Rennsonntag laut Wetter-Vorhersage Schauer und Gewitter möglich.

Freilich gibt es auch immer die Ausnahme von der Regel: 1985, als das Rennen eigentlich Anfang Juni hätte stattfinden sollen, musste es abgesagt und in den September verschoben werden – weil bei extremer Hitze von über 30 Grad der kurz vorher neu aufgetragene Asphalt aufbrach.

Mick Schumacher fährt Ehrenrunde

Mick Schumacher
Mick Schumacher Quelle: dpa

Besondere Geste von Sohn zu Vater: Formel-3-Pilot Mick Schumacher (18) steigt am Sonntag im Vorprogramm in das erste Weltmeisterauto von Rekordchampion Michael Schumacher aus dem Jahr 1994, den Benetton-Ford B 194. Das steht im Programmheft für den 12. Saisonlauf. Anlass der Aktion ist das 25. Jubiläum von Michael Schumachers erstem Formel- 1-Sieg am 30.8.1992 auf dem Ardennen- Kurs. Mick Schumacher wird laut Programm für rund zehn Minuten auf die Strecke gehen, auf der sein Vater mit sechs Erfolgen der Rekordsieger ist.

Mehr zur Rennstrecke von Spa: spa-francorchamps.be/de

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