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Finnlands Skisprung-Ikone Nykänen ist tot

Viermaliger Olympiasieger stirbt im Alter von nur 55 Jahren

Matti Nykänen bei den Olympischen Winterspielen 1984

Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin - Finnlands Skisprung-Ikone Nykänen ist tot

Finnland trauert um Matti Nykänen. Der viermalige Olympiasieger starb im Alter von 55 Jahren, wie die Sportabteilung des finnischen Ministeriums für Bildung und Kultur bestätigte.

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Zuvor hatte das finnische Magazin «Seiska» darüber berichtet. Dem Magazin zufolge starb Nykänen in der Nacht zum Montag. Der ehemalige Sportler sei seit einiger Zeit krank gewesen, sagte der Chef des Finnischen Skisprungverbandes Mika Kulmala der Deutschen Presse-Agentur.

Drei Mal Gold in Calgary

Matti Nykänen 2003
Matti Nykänen 2003
Quelle: imago

Nykänen zählt zu den größten Skispringern aller Zeiten. Bei Olympia in Sarajewo 1984 und Calgary 1988 gewann er insgesamt viermal Gold und einmal Silber. Viermal holte er sich den Gesamt-Weltcup - das schaffte bislang sonst nur der Pole Adam Malysz. Die Vierschanzentournee gewann er zweimal. In Finnland wurde er 1985 und 1988 zum Sportler des Jahres gewählt. Den ersten seiner 46 Weltcup-Siege sicherte er sich am 30. Dezember 1981 in Oberstdorf, seinen letzten am 1. Januar 1989 in Garmisch-Partenkirchen.

Nach Ende seiner Karriere nahm sein Leben eine tragische Wende. Der Ausnahmesportler wurde wegen wiederholter häuslicher Gewalt und einer Messer-Attacke auf einen Freund verurteilt, außerdem prägten Alkoholexzesse, gescheiterte Ehen und Geldprobleme sein Leben. Die Hölle sei nicht so schlimm "wie mein Leben jahrelang war", sagte der gefallene Held 2012 in einem Welt-Interview: "Die Hölle muss ein besserer Ort sein."

Absturz im richtigen Leben

"Nykänen hatte diese Genialität leider nur auf der Schanze, im Leben war er etwas verloren", sagte Bundestrainer Werner Schuster einmal. Da hatte der Finne gerade seinen Uralt-Rekord von 46 Weltcup-Siegen an Gregor Schlierenzauer verloren. Nykänen reiste daraufhin zum Springen nach Kuopio, um dem Österreicher persönlich zu gratulieren: "Gregor, du bist jetzt ein ganz großer Skispringer. Für mich der größte aller Zeiten."

Das war höflich, aber nicht unbedingt richtig. Vier Olympiasiege wie Nykänen hat Schlierenzauer (noch) nicht zu bieten. Vier Triumphe im Gesamtweltcup auch nicht. "Matti war zu seiner Zeit einzigartig", sagte auch Jens Weißflog, der sich mit dem finnischen Leichtgewicht viele Jahre lang einen erbitterten Zweikampf um die großen Titel lieferte: "Das war eine gesunde Rivalität. Nykänen war für mich eine Art Vorbild." Doch all die Titel, all die Medaillen, sie halfen Nykänen im richtigen Leben nicht weiter. In seinem Wikipedia-Eintrag finden sich heute mehr Zeilen über die Zeit nach der Karriere als über die Jahre als Sportler. Die meisten handeln von Skandalen. Von seinen drei Scheidungen. Von einer Vorstrafe wegen Körperverletzung, weil er seine Frau mit einem Messer attackierte. Von seiner Zeit als Stripper und als Darsteller in Erotikvideos. Von einem Herzinfarkt im Jahr 2004.

Alkohol wurde zum Begleiter

Und immer wieder von Alkohol. "Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn", sagte Nykänen der Welt und versuchte sich an einer Erklärung: "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum - ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte." Zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2013 sagte Nykänen, er habe sein Leben im Griff. Nun ist er gestorben.

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