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Olympia 2026: Bewerber dringend gesucht

Die Bürger von Calgary haben sich gegen die Austragung der Winterspiele 2026 entschieden und damit dem IOC einen weiteren Rückschlag verpasst. Mit Stockholm und Mailand sind nur noch zwei mögliche Kandidaten im Rennen. Und auch die wackeln.

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Beim Referendum in der kanadischen Millionen-Metropole, die 1988 schon Gastgeber von Olympischen Winterspielen war, sprachen sich 56,4 Prozent gegen die Ausrichtung aus, 43,6 Prozent waren dafür. 304.774 Bürger stimmten ab.

Wohl keine zweite Chance

Volksabstimmung über mögliche Olympischen Winterspiele 2026 in Calgary am 13.11.2018
Rund 300.000 Bürger beteiligten sich an der Volksabstimmung
Quelle: ap

Die Abstimmung ist zwar rechtlich nicht bindend, doch im Vorfeld hatten alle Beteiligten signalisiert: Bekommt die Nein-Seite auch nur eine Stimme mehr, ist die Bewerbung tot. "Das Ergebnis ist enttäuschend, aber ich respektiere den demokratischen Prozess", sagte Scott Hutcheson, Vorstandsvorsitzender des städtischen Bewerbungskomitees.

Das IOC hat mit Bedauern reagiert. "Es ist enttäuschend, dass die Argumente bezüglich der sportlichen, sozialen und langfristigen Vorteile einer Austragung der Olympischen Spiele die Abstimmung nicht beeinflusst haben", teilte das IOC mit. Es sei aber nach den politischen Diskussionen und den Unsicherheiten in den vergangenen Tagen "keine Überraschung" mehr gewesen.

Vergabe im Juni 2019

Die Winterspiele 2026 bleiben damit für das IOC ein Sorgenkind. In Stockholm hat sich der neugewählte Stadtrat gegen eine Bewerbung ausgesprochen. Und für Mailand/Cortina d’Ampezzo fehlen bislang jegliche staatliche Zusagen. Zuvor waren Sapporo (Japan), Graz mit Schladming (Österreich) und Sion (Schweiz) aus dem Kreis der Bewerber ausgeschieden. Gut möglich, dass am Ende kein Bewerber für die Spiele 2026 da ist, wenn die Olympische Vollversammlung im Juni 2019 über die Vergabe entscheiden will.

"Wenn Kommunen in westlichen Demokratien eine Volksabstimmung brauchen, sieht es besonders mau aus", sagt Professor Wolfgang Maennig. Der Ökonom von der Universität Hamburg, ein Experte olympischer Finanzierung, verweist auf die Voten für die Olympischen Spiele 2022 (München und Oslo).

Maennig: Runter vom hohen Ross

Nun waren gute Kandidaten für Winterspiele schon immer rar gesät. "Winterspiele haben ja ohnehin einen begrenzten Bewerberkreis, schon aufgrund der klimatischen Voraussetzungen", sagt Maennig. Auch sei die Finanzierung im Vergleich zu den Sommerspielen, da die Aufmerksamkeit nicht so hoch und die zu erbauende Infrastruktur deutlich teurer sei, wesentlich komplizierter.

Da die Bereitschaft möglicher Bewerber abnehme (für 2022 waren nur Peking und Almaty am Start), müsse das IOC nun völlig neue Wege gehen. "Das IOC kann nicht mehr wie eine Braut auf dem hohen Ross sitzen und auf den besten Bewerber warten", sagt Maennig, Ruder-Olympiasieger von 1988: "Das IOC wird auf die Städte, die in Frage kommen, aktiv zugehen müssen."

Enorme Kosten für Infrastruktur schrecken ab

Einerseits habe das IOC schon reagiert, indem es die Kosten für die Bewerbungsverfahren eindämme, indem es Agenturen wie ProProjekt (Frankfurt) damit beauftragt. "Damit hat der Wahnsinn ein Ende, dass irgendwelche Berater damit Unsummen verdienen", sagt Maennig. Allein die Bewerbung Tokios für die Sommerspiele 2020 soll über 100 Millionen US-Dollar verschlungen haben.

Andererseits werde das nicht genügen. "Das operative Budget der Organisationskomitees schrieb ja in den vergangenen Jahren nie Verluste", erklärt Maennig. Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang lag der IOC-Zuschuss bei rund 800 Millionen Dollar. Das Hauptproblem des IOC liege woanders: "Das, was die Öffentlichkeit stark abschreckt, sind die enormen Kosten für die Infrastruktur, die der Gastgeber im Vorwege Olympischer Spiele zu leisten hat."

Kostenbeteiligung des IOC?

Der Ökonom ist fest überzeugt davon, dass die IOC-Administration, die diese exorbitanten Kosten bislang kategorisch abwälzte, sich in Zukunft auch hier bewegen wird. "Der nächste Schritt wird sein, dass sich das IOC auch an diesen Kosten für die Infrastruktur beteiligen wird", prophezeit Maennig.: "Auch wenn das IOC sicher keinen Flughafen bauen wird - im Grundsatz wird das so kommen."

Wann und wie, wird sicher auch von dem aktuellen Verfahren abhängen. Für den Fall eines negativen Referendums in Calgary hatte Buenos Aires eine mögliche Bewerbung angekündigt: Während die Hallensportarten wie Eishockey oder Eiskunstlauf in der Hauptstadt vorgesehen sind, sollen die anderen Wettbewerbe im winterfesten Feuerland stattfinden.

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