Sie sind hier:

Klare Ansagen statt Wischi-Waschi

Frauenfußball | Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg

Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin - Klare Ansagen statt Wischi-Waschi

Mit Martina Voss-Tecklenburg bekommen die DFB-Frauen eine durchsetzungs- und meinungsstarke Führungsfigur, die ihr Metier von der Pike auf erlernt hat. Heute ist die neue Frauenfußball-Bundestrainerin offiziell vorgestellt worden.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:

Wer Martina Voss-Tecklenburg fragt, wer ihr wichtigster Förderer war, erhält eine bemerkenswerte Antwort: Gero Bisanz. Der erste Trainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft war derjenige, der in der jungen Fußballerin aus Duisburg früh  das Trainertalent erkannte und sie schon in der aktiven Zeit aufforderte, den Trainerschein zu machen und in diesem Metier Verantwortung zu übernehmen.

Nun ist die 50-Jährige - mit einiger Verzögerung - auf jenem Posten angekommen, den der 2014 verstorbene Pionier aus Overath zuerst besetzte. Heute wird Voss-Tecklenburg in der Zentrale des DFB als Bundestrainerin vorgestellt.  Als ihre Verpflichtung im Frühjahr publik wurde - und sowohl die Schweiz als auch Deutschland noch um die WM-Qualifikation kämpften - hatten viele gedacht, Voss-Tecklenburg würde ihr Mission in der Alpenrepublik vorzeitig aufgeben.

Zweite WM mit der Schweiz verfehlt

Aber dieser Gedanken kam ihr gar nicht. "Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Und es war für mich gar nie ein Thema, das Schweizer Team während der laufenden WM-Qualifikation zu verlassen", sagte sie damals. Es hätte auch nicht zur ihrem geradlinigen Charakter gepasst. Was sie beginnt, will sie durchziehen. Doch letztlich gelang es bei den Eidgenossen nicht, das Ticket für die WM 2019 in Frankreich zu lösen.

Während Horst Hrubesch als Interimstrainer mit den DFB-Frauen von Sieg zu Sieg eilte, verspielte das Team von Voss-Tecklenburg noch die gute Ausgangsposition als Gruppenerster. Es ging notgedrungen in die Playoffs, wo sich die Schweiz zwar zuerst mühsam gegen Belgien (2:2, 1:1), nicht aber in den Finals gegen den Europameister Niederlande (0:2, 1:1) durchsetzte. Eine bittere Enttäuschung für die deutsche Trainerin, die danach sagte: "Ich bin ein bisschen leer und traurig, es überwiegt aber die Dankbarkeit für eine wunderbare Zeit."

Viele Talente

Martina Voss: Fussballerin des Jahres 1996
Martina Voss: Fussballerin des Jahres 1996
Quelle: dpa

Sie war nach dem Amtsantritt im Februar 2012 in der Schweiz ja auch Projekt- und Talententwicklerin. Alles ordnete das so genannte Pflichtenheft des Schweizer Fußball-Verbandes, der im Frauen- und Mädchenbereich damals zwar eine Basis und Infrastruktur geschaffen, aber die deutsche Hilfe benötigte, um alles mit Überzeugung zu füllen. Mitunter fünf Tage die Woche, erinnert sie sich, habe sie in den Anfangszeiten bei der Akademie auf dem Platz gestanden. Heutige Nationalspielerinnen wie Géraldine Reuteler (1. FFC Frankfurt) erzählen stolz, wie sich Voss-Tecklenburg bereits in jungen Jahren ihrer Förderung angenommen hat.

Hervorgehoben wird dabei ihr Einfühlungsvermögen und ihre Hartnäckigkeit. Sie gilt als ausgesprochen meinungs- und durchsetzungsstark, aber nur weil ihre Nationalmannschaftskarriere nach 125 Einsätzen (27 Tore) vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney nach einem Streit mit Inka Grings unter der damaligen Bundestrainerin Tina Theune abrupt zu Ende ging, war ihr Verhältnis zum DFB nie zerrüttet, betont Voss-Tecklenburg. Sie hat auf Vereinsebene - sie gewann mit dem FCR Duisburg 2009 den UEFA Women’s-Cup - wie in der Verbandsarbeit ihre Erfahrungen gesammelt.

Nachwuchsarbeit im Fokus

Über Fachfragen kann die Frau, die als Chefredakteurin des Frauenfußball-Magazins FF gearbeitet hat und in den Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf berufen wurde, voller Leidenschaft diskutieren. Einen Wischi-Waschi-Kurs wie unter Steffi Jones, die in personellen und taktischen Fragen, aber auch in Sachen Mannschaftsführung keine klare Linie hatte, wird es bei ihr nicht geben. Sie steht für klare Ansagen und nachhaltige Konzepte.

Beim DFB werden ihre Befugnisse nicht so weit gehen, dass sie den gesamten Jugendbereich durchdringen muss. Doch Verbesserungen sind immer möglich, wo doch die U17-Juniorinnen gerade bei der WM in Uruguay im Viertelfinale an Kanada gescheitert sind und auf europäischer Bühne sich vermehrt der talentierte Nachwuchs aus Spanien die Titel sichert.

WM 2019 im Blick

Voss-Tecklenburg schaut gerne über den Tellerrand hinaus. Für ihren Schweizer Verbandsjob nahm sie sich eine Wohnung in Aargau, die sie kürzlich erst aufgelöst hat. Ihr neuer (und alter) Lebensmittelpunkt wird Straelen am Niederrhein sein, nahe an der Grenze zu den Niederlanden. Seit einigen Tagen hält sie sich in Frankfurt auf, um sich den DFB-Mitarbeitern vorzustellen. Auch an der internen Trainertagung mit Verantwortlichen aus dem Männer- und Frauen-, Junioren und Juniorinnenbereich nahm sie teil.

Wenn die administrativen Dinge erledigt sind, geht es darum, sich der eigentlichen Aufgabe zu widmen: einen schlagkräftigen Kader für die WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli 2019) zu formen. Das erste direkte Zusammentreffen mit ihren Spielerinnen soll es dann vom 14. bis 22. Januar 2019 geben, wenn ein Trainingslager in Marbella anberaumt ist. Der weitere Fahrplan für die WM muss dann in Details noch festgezurrt werden.

DFB-Frauen auf dem Weg zur WM 2019

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.