Berlins größte Suppenschüssel

Die Granitschale vor dem Alten Museum in Berlin

Granit war Anfang des 19. Jahrhunderts in Preußen sehr beliebt, da es ein Baustoff war, der in der eigenen Heimat abgebaut werden konnte. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. war besonders vernarrt in große Schalen aus Granit. Sein Hofsteinmetz Christian Gottlieb Cantian hatte ihm bereits ein stattliches Prunkstück für das Schloss geliefert.

Zum Verdruss des Königs bestellte jedoch der englische Gesandte, der Herzog von Devonshire, daraufhin ein Exemplar, das noch größer war. Dies wollte Friedrich Wilhelm III. nicht auf sich sitzen lassen und verlangte von Cantian eine weitere Steigerung für Preußen.

Sprengung vor Ort

Der Steinmetz sollte eine ganz besondere Granitschale von bisher ungeahnten Dimensionen herstellen. Ein passender Stein war schnell gefunden. Denn in den Rauener Bergen, unweit von Berlin, gab es riesige Findlinge.

Aus einem der Kolosse sollte die monumentale Schale entstehen. Da der Findling jedoch zu groß war, musste noch vor Ort ein Teil abgesprengt werden. Der immer noch ungefähr 80 Tonnen wiegende Brocken wurde verladen und auf der Spree nach Berlin verschifft.

Zu groß für die Rotunde

Dort wurde er in einer Werkstatt nahe des Museums zwei Jahre lang bearbeitet und mit Hilfe einer Dampfmaschine geschliffen und poliert. Ursprünglich sollte die fertige Schale in der Rotunde im Alten Museum stehen, war dafür aber zu groß geraten. Ihren Platz fand sie deshalb im Lustgarten direkt vor dem Alten Museum.

Auch die Gestaltung des Unterbaus warf Probleme auf. Cantians Entwurf wurde ebenso verworfen wie der des Architekten Karl Friedrich Schinkel. Schließlich wurde die Schale auf drei schlichte Granitblöcke montiert.

Weltwunder Suppenschüssel

Im Jahr 1834 wurde das Kunstwerk feierlich eingeweiht. Mit stolzen sieben Metern Durchmesser erregte die Granitschale Aufsehen in der ganzen Stadt. Viele Schaulustige kamen und bald war vom "Biedermeierweltwunder" die Rede. Ein so getragener Name hatte bei den Berliner Bürgern nicht lange Bestand, schon bald war von der "Suppenschüssel" die Rede.

Auch der Maler Johann Erdmann Hummel war begeistert und verewigte den Aufwand während des Baus und die fertige Schale in Gemälden. Dass schnöde Technik als Motiv für ein Gemälde dient, war damals genauso eine Besonderheit wie die raffinierten Spiegelungen in Hummels Bildern, die heute in der Alten Nationalgalerie ausgestellt sind.

Immer noch beliebt

Mehr als hundert Jahre später musste die Granitschale hinter den Berliner Dom umziehen, da die Nationalsozialisten den Lustgarten für ihre Aufmärsche nutzen wollten. Erst 1980 wurde die Schale aufgrund des nahenden 200. Geburtstags von Schinkel zurück an ihren Platz gestellt. Dort steht sie bis heute und obwohl sie im Laufe der Zeit ein paar Blessuren abbekommen hat, ist die "Suppenschüssel" beim Publikum immer noch sehr beliebt.

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