Buchtipp März 2015

Diese Romane sind ein Muss!

Demnächst stehen ja die Osterferien an, Zeit genug für ein paar spannende  Stunden mit einem packenden Buch. moma-Buchexperte Peter Twiehaus empfiehlt eine essfreudige Frau, eine Wasserleiche und einen Marinefunker auf geheimer Mission. Soll sich lohnen!

Risiko-Buchcover
731 Seiten, gebunden. Erschienen bei Klett-Cotta: 24,95 Euro.

Bei historischen Romanen denkt man ja oft an Triviales aus dem Mittelalter. Wohltuend anders ist da das Abenteuerepos von Steffen Kopetzky: Risiko.

Marinefunker Sebastian Stichnote liegt mit seinem Schiff vor der albanischen Küste. Es ist der Vorabend des Ersten Weltkriegs, noch dreht sich Stichnotes Welt allerdings um Alltägliches: er hat Zahnschmerzen und schwärmt für seine Albanisch-Lehrerin.

Dann bricht der Krieg aus. Für den Funker beginnt eine Fahrt kreuz und quer übers Mittelmeer. Sein Schiff wird von den Briten gejagt, am Ende landet Stichnote in Konstantinopel.
Dort hat er genug von Seegefechten und wird für eine geheimen Mission angeworben. Das Ziel: Der Hindukusch. Der Emir von Afghanistan soll helfen, die englische Vormachtstellung zu schwächen.
Diese Expedition hat es wirklich gegeben. Steffen Kopetzky schmückt sie mit fiktiven Details aus und entwirft auf 700 Seiten ein spannendes Epos, bei dem man viel lernt über den Islam als Spielball der Weltpolitik und – ja wirklich – die Biene Maja.

Kopetzky ist ein großartiger Erzähler. Seine Figuren sind glaubwürdig, er verliert nie die vielen Fäden aus dem Auge. RISIKO – für mich einer der besten historischen Romane seit langer Zeit.

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Gebunden: 384 Seiten. Erscheint 11. März 2015, Hoffmann und Campe: 20 Euro.

Vom Afghanistan nach Amsterdam und zur Frage: wer ist eigentlich für anonyme Leichen in den Grachten zuständig?

Darum kümmert sich „Das Büro der Einsamen Toten“ – so nennen die Amsterdamer die Behörde für Bestattungen im gleichnamigen Krimidebüt von Britta Bolt.

Pieter Posthumus Aufgabe ist es, Angehörige der unbekannten Toten zu finden. Während seine Kollegen alles tun, um die Fälle schnell zu den Akten zu legen, taucht Pieter oft tief ein in das Leben der Toten, wenn er ihre Wohnungen inspiziert.

So auch als in einer Gracht ein Marokkaner gefunden wird. Außer einer Visitenkarte findet man nichts bei der Leiche. Mit seiner Nichte beginnt Pieter beginnt zu ermitteln. Bald weiß er: der Tote hatte Kontakt zu einer Gruppe von Muslimen, die vom Staatsschutz beobachtet wird. Doch was hat das mit der anderen Leiche zu tun, dem Mann mit den vielen Tattoos und den depressiven Gedichten?
„Das Büro der einsamen Toten“ hat einen ungewöhnlichen und gewitzten Ermittler, und Amsterdam ist eine klasse Kulisse für diesen spannenden Krimi über eine Gesellschaft, die aus Angst vor Terror allzu schnell über andere urteilt. Den Krimi von Britta Bolt werden sie nicht mehr aus der Hand legen.

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Gebunden: 264 Seiten. Erschienen bei Schöffling & Co.: 21,95 Euro.

Packend ist auch das Porträt einer chaotischen Familie: Die Middelsteins von Jami Attenberg.

30 Jahre sind die Middelsteins eine glückliche jüdische Familie in Chicago. Die Zwillinge sind gut geraten, Mutter Edie ist erfolgreiche Anwältin, Vater Richard gehören drei Apotheken. Als aber die Kinder ausziehen, bekommt die heile Welt Risse. Edie zelebriert hemmungslos ihre Lust am Essen – und zankt sich mit ihrem Mann.

Am Ende trennt sich Richard von seiner Frau. Verzweifelt versuchen nun die Kinder, die Mutter mit Sport und Gemüse von ihren Fressattacken zu kurieren. Ohne Erfolg. Denn Edie ist bald wieder verliebt: In einen chinesischen Koch.
Schonungslos seziert Jami Attenberg in ihrem bissig-liebevollen Buch menschliche Schwächen. Ein Kosmos voll neurotischer Typen, als ob Wes Anderson sich mit Woody Allen zusammengetan hätte!
Das Porträt einer seltsamen Sippschaft, ein originelles Krimidebüt aus Holland und ein großartiger Historienschinken. Viel Spaß beim Lesen!

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