Buchtipps von Peter Twiehaus

Spionage, DDR und schräge Omas

Ein spannender Spionagethriller aus der Zeit des Kalten Krieges, ein persönliches Familienepos und eine kratzbürstige, schräge Oma aus Island - diese Geschichten gehören unbedingt ins Bücherregal.

Teaser Peter Twiehaus mit Buch
Teaser Peter Twiehaus mit Buch Quelle: ZDF
Buchtipp Agent 6
BildBuchtipp Agent6 Quelle: ZDF


Mit "Kind 44" ist dem Briten Tom Rob Smith ein Welterfolg gelungen. Nun kommt sein dritter Thriller um Leo Demidow: "Agent 6". Sowjetunion, 1965. Für seine Frau Raisa hat Leo den Geheimdienst verlassen. Es ist eine Zeit der leichten Annäherung zwischen den Weltmächten. Deswegen darf Raisa ein Jugendorchester nach New York begleiten. Von dieser Reise kommt Raisa nicht zurück. Ist sie Opfer eines Komplotts geworden? Für Leo beginnt eine jahrzehntelange Suche nach der Wahrheit.

Eindringlich beschreibt Smith ein System der ständigen Bespitzelung, in der Menschen zum Spielball von Staaten werden und Tagebücher schreiben tödlich sein kann.

Buchtipp In Zeiten des abnehmenden Lichts
BildBuchtipp DDR Quelle: ZDF


"In Zeiten des abnehmenden Lichts" hat einige Chancen auf den Deutschen Buchpreis und wird von der Kritik bereits als DDR-Buddenbrook-Roman gefeiert. Für Eugen Ruge ist es sein Debüt als Schriftsteller. Er verarbeitet darin auch die eigene Familiengeschichte. Im Mittelpunkt steht eine Vorzeigefamilie in der DDR - in einem Zeitraum von fast 50 Jahren. Charlotte und Wilhelm kehren in den 50er Jahren aus dem Exil in Mexiko zurück. Die überzeugten Kommunisten wollen die Republik aufbauen. Die Begeisterung für den Sozialismus nimmt mit den Generationen jedoch ab. Ein zentraler Tag im Roman ist Wilhelms 90. Geburtstag kurz vor dem Mauerfall. Aus verschiedenen Sichtweisen entwirft Ruge den Widerspruch in der Familie und damit der Gesellschaft: die einen, die immer noch am Sozialismus festhalten, die anderen, die längst mit der DDR abgeschlossen haben. Am selben Tag flieht Wilhelms Enkel in den Westen.

In einer klaren Sprache erzählt Eugen Ruge vom schleichenden Niedergang einer politischen Utopie. Ein großer Deutschlandroman.

Buchtipp Eine Frau bei 1000 Grad
BildBuchtipp 1000Grad Quelle: ZDF


Hallgrimur Helgason genießt in Island Kultstatus. Ein kluger Kopf, dessen Romane mit schrägem Witz und skurrilen Figuren auf sein kleines Land blickt. Ungewöhnlich ist auch seine neue Hauptfigur. Herbjörg ist eine kauzige alte Schachtel, schwer krank, aber immerzu rauchend und geistig hellwach. Alleine lebt sie in einer Garage; ihre besten Freunde: eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg und ihr Laptop. Mit falschem Profil surft sie auf Facebook und bezirzt als Miss World die Männerherzen bis Australien. Dazwischen organisiert sie am Telefon ihre Einäscherung und erinnert sich an ihr Leben: den Kuss von John Lennon, ihre missratenen Söhne - und den Krieg. Schon früh muss Herbjörg erkennen: sie passt in keine Schublade.

"In Island galt ich als zu welterfahren, auf Reisen als zu isländisch. Frauen trank ich zu sehr wie ein Mann, Männern wie ein Weibsstück. In der Liebe war ich zu hungrig, in der Ehe hatte ich keinen Appetit."

"Eine Frau bei 1000 Grad" erzählt von einer kratzbürstigen Isländerin, deren tragisches Leben kaum auszuhalten wäre - ohne ihren herrlich zynischen Humor. Klasse!

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