Komplettes Olympia-Aus oder Geldstrafe?

Am Dienstag entscheidet das IOC über Russland

Nachrichten | ZDF-Morgenmagazin - Komplettes Olympia-Aus oder Geldstrafe?

Wie hart wird Russland für seine offenkundige Doping-Systematik bestraft? Am Dienstag blickt die Sportwelt gebannt nach Lausanne, wenn das IOC über die Teilnahme Russlands an den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) entscheidet.

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2 min
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Video verfügbar bis 04.12.2018, 05:30

IOC-Präsident Thomas Bach steht vor der wichtigsten Entscheidung seiner Amtszeit: Setzt er ein klares Zeichen der Abschreckung, oder knickt er vor der olympischen Großmacht Russland ein? Egal, wie das Pendel ausschlägt, eine Seite wird Bach am Ende mit Schimpf- und Schande überschütten, ein goldener Mittelweg zeichnet sich nicht ab.

Putins Nein zur neutralen Flagge

Seit Wochen wird wild über das Ausmaß der Sanktionen spekuliert, selbst der Komplett-Ausschluss von Pyeongchang ist möglich. Auch eine Geldstrafe über 100 Millionen US-Dollar oder der Start unter neutraler Flagge mit dem Verbot russischer Embleme werden diskutiert. Das Letztere bezeichnet Staatschef Wladimir Putin als "Erniedrigung des Landes", NOK-Präsident Alexander Schukow schließt eine Teilnahme Russlands unter diesen Bedingungen bereits aus.

Die enorme Anspannung im Vorfeld der Entscheidung ist quasi greifbar. Nichts soll nach außen dringen. Die 14 Mitglieder der Exekutive werden hermetisch abgeschirmt.

Am Tag der Entscheidung tagen sie im Palace Hotel der olympischen Hauptstadt Lausanne, während Hunderte Medienvertreter an einem anderen Ort, im Palais de Beaulieu, einquartiert werden. Am Abend, gegen 19.30 Uhr, wird Bach zur Verkündung im Beaulieu erwartet.

Zuvor werden sich die Exekutivmitglieder die Ergebnisse der IOC-Kommission von Samuel Schmid anhören. Der frühere Schweizer Bundesrat hat ermittelt, inwieweit russische Behörden und Geheimdienste am Dopingsystem während Olympia 2014 in Sotschi beteiligt waren.

Vorwurf: Systematisches Doping

Kommt er zu dem Ergebnis, dass es so war wie es auch WADA-Chefermittler Richard McLaren und Kronzeuge Grigorij Rodtschenkow behauptet hatten, ist ein Komplett-Ausschluss Russlands zum Greifen nah. Der Vorwurf lautet: Systematischer Doping-Betrug. Rund 1000 russische Athleten sollen laut McLaren in der Zeit von 2011 bis 2015 von dem System profitiert haben.

Welchen Einfluss die überraschend harten Urteile der Oswald-Kommission haben, die schon 25 russische Athleten lebenslang für Olympia sperrte, ist fraglich. Die Kommission hatte die Proben der russischen Sotschi-Athleten untersucht – und ihr Vorsitzender stufte Whistleblower Rodtschenkow als glaubwürdig ein.

"Konzessionsentscheidung?"

Doch wer Bach kennt, sollte vorschnelle Schlüsse unterlassen. "Die lebenslangen Olympiastrafen für einige russische Athleten sind ja nicht ohne", sagte Dagmar Freitag, bisherige Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag und äußerte eine Vermutung: "Vielleicht sollen sie auch nur Kompensation dafür sein, dass man am Ende auf den Gesamtausschluss Russlands verzichtet."

Der Verzicht auf den Gesamtausschluss als Konzessionsentscheidung? Ein Gedanke, der sich für den Rechtsexperten Michael Lehner verbietet. "Wenn der Athlet lebenslang gesperrt wird, dann muss die Schuld des Systems mindestens genauso groß sein", erklärte der Heidelberger Wissenschaftler. Er fordert den Kollektiv-Bann - den ersten seiner Art in der olympischen Historie.

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