Honig-Bienen in der Großstadt

Das MoMa wird zum Hobby-Imker

Bienen auf dem Dach des ZDF Hauptstadtstudios? Vertragen sich die Honigsammler mit den Nachrichtensammlern? Als ein Kollege diesen Vorschlag machte, erntete er viel Stirnrunzeln. Pollen vermischt mit städtischem Feinstaub, ist das gesund? Und wenn ja, kann das klappen?

Auf dem ZDF-Dach: Die MoMa Bienen
Auf dem ZDF-Dach: Die MoMa Bienen Quelle: ZDF

Wie immer stand eine Nachricht am Anfang: Deutschland hat zu wenig Honigbienen. Der Imkernachwuchs ist rar. Die Artenvielfalt durch die mangelnde Bestäubung von Pflanzen in Gefahr.

Es sollte ein Experiment werden: Haben Natur und Umwelt auch in der Stadt ihren Platz haben? Was kann der Großstadtmensch zur Artenvielfalt beitragen? Können wir etwas von den Bienen lernen?

Überzeugt!

Die Redaktion ging´s an - schuf eigens einen "Bienenbeauftragten".

Dank der Hilfe und Unterstützung durch Bienenkisten-Erfinder Erhard Maria Klein wurde ohne großen Aufwand nach Anleitung ein passables Heim gezimmert. Dazu eine Imker - Grundausstattung: Den schützenden Schleier, ein Smoker (ein Rauchtopf) und ein paar Handschuhe.

Das Völkchen musste erst gefunden werden. Berliner Imker stifteten einen Schwarm für uns .

50 000 Bienen fanden im Sommer des vergangenen Jahres ein neues Zuhause zwischen Parabolantennen und Abluftschächten aber mit einem formidablen Blick über Berlin.

Auf dem ZDF-Dach: Die MoMa Bienen
MoMa-Bienen Quelle: ZDF


Futter, so stellte sich heraus, gibt es zu genüge: Die ZDF-Adresse "Unter den Linden" wird in diesem Sommer die Gläser mit der Honigausbeute schmücken. "Mittlerweile haben Bienen in der Großstadt ein reichhaltigeres Pollenangebot, als in der ländlichen Monokultur", so Erhard Maria Klein.

Hauptdarsteller auf dem Dach

Mehrfach wurde schon aus der Sendung heraus aufs Dach geschaltet. Die Bienen als Hauptdarstellerinnen im Morgenprogramm. Trotz des großen Auftriebs mit Scheinwerfern und Kamera zeigten sich die Tierchen von ihrer Honigseite, ließen sich in den Stock schauen, ihre Waben herausnehmen und zur Kontrolle vor Milbebefall auch mal schütteln. Den Stachel hat noch keine ausprobiert.

Jeder, der bislang in die Höhe stieg, kam als bekennender Bienenfreund zurück. So nah waren sie den tausendfach summenden Schwärmen bislang nicht gekommen. Und manch eine über die Hand krabbelnde Biene wurden nun mit anderen Augen gesehen: "Die stechen ganz bestimmt nicht. Ein Angriff erfolgt fast immer im Flug", klärte Erhard Maria Klein auf. "Gestochen wird nur, wenn sie sich verteidigen."

Eine erste Honig-"Verkostung" verzückte die Moderatoren. Das Großstadt - Produkt hat ein sehr feines Aroma: "Tatsächlich ist der Honig rückstandsfrei, die Pollen gehen durch den Magen der Bienen und filtern mögliche Schadstoffe", so unser Fachmann.

Warm halten im Winter

Die letzten warmen Herbstage nutzte unser Schwarm noch einmal um auszufliegen: Mit gelben Hosen kamen sie zurück, das Futter für den Winter. Damit es ihnen aber an nichts mangelt, haben wir noch ein paar Liter Zuckerwasser eingestellt.

Im Oktober wurde der Stock winterfest gemacht, die Einflugschneise verkleinert, damit keine Mäuse wildern können. Denn während der kalten Jahreszeit scharen sich die Bienen um die Königin und wärmen sie - sich mit dem Stachel verteidigen, das fiele ihnen dann schwer.

Frühlingserwachen

Nach den langen Eistagen zum Jahresbeginn kontrollierten wir unsere Dachbewohner: Hunderte toter Bienen lagen vor dem Eingang - uns schwante Böses: Mäuse, Kälte, die Varoa-Milbe...
Doch unsere betreuenden Imker gaben Entwarnung. Schwund in der Größenordnung gibt es immer, die Tiere hatten die wärmeren Tage genutzt, um die während des Winters gestorbenen Artgenossen aus der Bienenkiste zu entfernen.

Nun im April summt es im Bau. Unsere Bienen haben den ersten Dreh hinter sich, bei dem wir ihnen ziemlich auf die Waben rückten. Kein einziger Stich - sehr umgängliche Mitbewohner im ZDF.

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