Immer mehr Schuldner

Rekordzahlen bei Privatinsolvenzen

So viele Menschen wie nie zuvor haben kein Geld mehr. Sie ersticken in Schulden. Die Krise ist zwar vorbei, die Wirtschaft boomt, Unternehmen stellen wieder ein. Doch gewohnt zeitverzögert kommt nun ans Licht, wie viele Menschen trotzdem unter der Krise gelitten haben.

Rekordzahlen bei Privatinsolvenzen "Geld hat man zu haben" lautet einer der Grundsätze in deutschen Gesetzesbüchern. Heißt: Wer einen Kaufvertrag abschließt, muss zahlen - egal, ob er Geld hat, oder nicht. Die Taschen der Schuldner füllt der Gesetzesgrundsatz aber dennoch nicht.

Rund 3,5 Millionen Haushalte gelten in Deutschland als überschuldet. Jobverlust und Scheidung sind häufige Ursachen, aber auch das Leben auf Pump mit Ratenzahlungen, die hohe Zinsen fordern. Wer den Überblick über Darlehen und Kredite verliert, gerät in die Abwärtsspirale.

130.000 Privatinsolvenzen

An deren Ende steht oft nur noch die Privatinsolvenz. Sechs Jahre dauert das Verfahren in Deutschland. Die Schuldner müssen in dieser ¿Wohlverhaltensphase' jeden Euro abgeben, den sie über einen Pfändungsfreibetrag, dessen Höhe von der Familiensituation abhängt, hinaus verdienen. Für Schuldner ohne Unterhaltsverpflichtung liegt dieser derzeit bei rund 1000 Euro.

Über 130.000 Insolvenzverfahren gab es 2009 bundesweit. 2010 wird die Zahl sogar einen neuen Höchststand erreichen und vermutlich noch einmal um mehr als zehn Prozent höher liegen, als 2009. "Man gönnt sich ja sonst nichts", denken viele - bevor sie erkennen, dass die Schuldenfalle längst zugeschnappt ist.

Junge Schuldner werden mehr

Betroffen sind nach einer Studie der Bürgel Wirtschaftsauskunftei immer mehr junge Menschen. In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen hat sich die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdoppelt. Flachbildfernseher, teure Handyrechnungen, ein neues Auto - einzuschätzen, in welchem Verhältnis Einkommen und Ausgaben stehen, fällt vielen in diesem Alter schwer.

Doch auch diejenigen, die ihre Finanzlage stets im Blick haben, sind nicht gefeit. Selbst Krankheit, ein Unfall oder die Veränderung der familiären Situation können Auslöser für Überschuldung sein. Im nächsten Monat zu bezahlen geht irgendwann nicht mehr - der Zeitraum für die Rückzahlung rückt in scheinbar unerreichbare Ferne. Hilfe bieten in so einer Situation Rechtsanwälte oder landesrechtlich anerkannte Schuldnerberatungsstellen.

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