Kunstrebellion in Preußen

Edouard Manets "Im Wintergarten"

In der Zeit, als die Alte Nationalgalerie noch ein junges Museum war, herrschte in Preußen ein eher militärischer Kunstgeschmack: Der Kaiser liebte heroische Schlachtenbilder und Paraden. Ganz gegen diesen Geschmack schaffte es ein couragierter Direktor, ein impressionistisches Meisterwerk anzukaufen: "Im Wintergarten" von Edouard Manet. Heute ist das Bild Millionen wert.

Eine Alltagssituation, fast nebensächlich: ein Mann und eine Frau auf einer Bank. Ihre Blicke gehen aneinander vorbei. 1896, als der "Wintergarten" zum ersten Mal gezeigt wurde, war das eine kleine Sensation in Berlin - so eine Art von Malerei kannte man hier nicht, denn die Nationalgalerie sammelte patriotische Kunst.


Der neue Direktor des Hauses, Hugo von Tschudi, hatte das Bild des Franzosen Edouard Manet auf einer Parisreise angekauft - ohne Genehmigung seines Dienstherrn, des Kaisers. Laut Angelika Wesenberg von der Alten Nationalgalerie eine sehr mutige, wenn nicht tollkühne Entscheidung - denn sie bediente den preußischen Kunstgeschmack nicht und brachte auch noch die Kunst des "Erbfeindes" ins Haus.

"Schwüle Atmosphäre"

Mit einem Trick hatte der aufmüpfige Tschudi die Ankaufprozedur umgangen: Er ließ sich von wohlhabenden privaten Stiftern Geld geben und jubelte dann dem Kaiser das Bild als Schenkung unter. Manet hing nun in der Hauptetage. Die Konservativen waren empört: ausländische Kunst, dazu noch anzüglich und unsittlich! Die schwüle Atmosphäre im Wintergarten, ein Paar, das vielleicht gar kein Ehepaar war - damals Erotik pur, heute ein Meilenstein.


Mit diesem Bild begann sich die Nationalgalerie auf den Weg in die Moderne zu begeben, meint Angelika Wesenberg. Doch erst mal verbannte der Hobbymaler Wilhelm II. das Werk in die obere Etage, außerdem mussten ab diesem Zeitpunkt auch alle Schenkungen von ihm persönlich genehmigt werden. Doch die Nationalgalerie hatte als erstes Museum überhaupt - ein Meisterwerk von Manet!

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet