Buchtipp

Langsam werden die Tage im Freien grau, trüb und ungemütlich. Was gibt es da besseres als im Warmen ein gutes Buch zu lesen? Peter Twiehaus weiß, welche Neuerscheinungen sich lohnen.

David Nicholls: Drei auf Reisen

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Kein & Aber. Gbunden. 480 Seiten. Preis: 22,90 €

Mit „Zwei an einem Tag“ hat David Nicholls einen Millionen-Seller geschrieben und eine bezaubernde Liebesgeschichte. Dem Thema Liebe bleibt er in seinem vierten Roman treu: Drei auf Reisen.

Douglas und Connie sind ein wohlsituiertes Ehepaar in London. Er, der stets korrekte Wissenschaftler, Spezialgebiet: die Fruchtfliege. Sie: die temperamentvolle Kunstpädagogin. 20 Jahre sind sie verheiratet. Da sagt sie eines Nachts zu ihm:

Ich habe das Gefühl, unsere Ehe ist am Ende, Douglas, ich glaube, ich will dich verlassen.

Noch steht aber eine letzte gemeinsame Reise mit dem Sohn an durch die Kulturstätten Europas. Für Douglas ist klar: er will auf dieser Reise seine Ehe retten – mit diesen selbst aufgestellten Benimm-Regeln:

1. Elan, Elan, Elan. Sei nie „zu müde“ oder „nicht in Stimmung“.
2. Sei offen für Neues, wie seltsame Gerichte aus unhygienischen Küchen.
3. Kümmere dich um Connie. Hör ihr zu.

Erste Station: Paris. Im Louvre saugt Connie die Kunst in sich auf, Douglas steht dagegen ratlos vor den Gemälden und erinnert sich an den Beginn ihrer Liebe: das Kennenlernen, die erste Wohnung, die Geburt ihres Sohns.

Drei auf Reisen erzählt von einer überraschenden Kulturreise und einer langen Liebe, von der womöglich nicht mehr übrig bleibt, als der nostalgische Blick zurück.

Drei auf Reisen ist nie bitter oder klischeehaft, das ist der Verdienst von David Nicholls Erzähltalent, seiner Herzenswärme für die Figuren und dem großartigen Sprachwitz. Ein wundervolles Buch!

Nic Pizzolatto: Galveston

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Walde&Graf. Gebunden. 253 Seiten. Preis: 20 €

True Detective mit Matthew McConaughey bricht in den USA Rekorde. Erfunden hat die TV-Serie Nic Pizzolatto.

Dessen erster Roman Galveston ist nun auf Deutsch erschienen. Der lakonische Krimi liest sich fast wie die Vorgeschichte zu True Detective.

New Orleans, 80er Jahre. Roy kommt gerade vom Arzt, Diagnose: Lungenkrebs, unheilbar.

Als ich das Sprechzimmer verließ, waren die Leute froh, dass sie nicht ich waren. Gewisse Dinge lassen sich im Gesicht ablesen.

Doch damit nicht genug: sein Boss, eine lokale Gangstergröße will ihn umbringen lassen. Eine Frauengeschichte. Roy flieht nach Texas, im Schlepptau die junge Prostituierte Rocky. Das hübsche Mädchen versucht mit Roy zu flirten, doch der todkranke Killer zeigt sich immun. Einmal im Leben will er etwas richtig machen und das gefallene Mädchen retten. Aber das Geld wird knapp, und die Häscher sind den beiden auf der Spur.
Nic Pizzolattos schreibt lakonisch, in Momenten fast poetisch. Bei ihm stehen die Zerrissenheit des gebrochenen Helden und die bleierne Atmosphäre des Südens mehr im Fokus als eine aktionreiche Handlung. Spannend ist Galveston dennoch – und wie.
Galveston – ein stilistisch eindrucksvoller Krimi Noir von einem der derzeit besten Schreiber der USA.

Thomas Melle: 3000 Euro

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Rowohlt Berlin. Gebunden. 208 Seiten. Preis: 18,95 €

In wenigen Tagen startet die Frankfurter Buchmesse. Dort wird ja der Deutsche Buchpreis vergeben. Unter den sechs Kandidaten ist Thomas Melle mit „3000 Euro“.

3000 Euro – das ist der Durchschnittsverdienst in Deutschland – ein Verdienst, von dem Denise an der Supermarktkasse nur träumen kann. Ihr Geld reicht gerade mal für sie und ihre kleine Tochter. In ihren Raucherpausen träumt sie von New York.

Ein New York mit Wolkenkratzern, in denen sich zehn Sonnen spiegeln und mit Taxis, aus denen cremefarbene Models steigen, von denen Denise eines hätte sein können.

3000 Euro wären auch für Anton die Rettung. Fast täglich steht er bei Denise an der Kasse und löst die Flaschen ein, die er gesammelt hat. Der verkrachte Jurastudent, ein labiler Kerl, ist auf dem besten Weg in die Obdachlosigkeit ist. Warum – das erzählt dieser genau beobachtete und eindringliche Roman aus der deutschen Unterschicht – zusammen mit einer zart-bitteren Liebesgeschichte.
Thomas Melle schreibt keinen Sozialkitsch, sondern einfühlsam über Existenzen, an denen die meisten einfach nur vorbeigehen.

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