Peter Twiehaus schaut in die Kochtöpfe der Schweiz

Mein kulinarisches Tagebuch

Das Schöne am Reisen sind die neuen Anregungen für die Sinne. Der Blick in die fremde Küche trägt mit zum sinnlichen Erlebnis bei: Gewürze und Kräuter riechen, andere Zubereitung und Verarbeitung erfahren - die Landschaft mit dem Gaumen ertasten. Peter Twiehaus ist zu einer Sommerreise in den Süden aufgebrochen und hat bei uns und in den Nachbarländer typische Rezepte erkundet. Wunderschöne Landschaften hat er erlebt und durfte köstliche Gerichte probieren. Für das Morgenmagazin hat er ein Reisetagebuch geführt und die Rezepte mitgebracht. Diesmal: St. Gallen in der Schweiz.

Mit dem "Naturkoch" Thuri Maag durch den Wald zu streifen, ist ein Erlebnis. Dank seines Spürsinns findet er immer und überall essbare Pilze mit wundersamen Namen: rötender Wulstling, Hexenröhrling, knopfstieliger Büschelrübling (hat der die sich alle ausgedacht?). Ich bin ja schon froh, wenn ich einen Steinpilz oder einen Fliegenpilz erkenne, aber die finden wir heute nicht. Thuri Maag hat ein hübsches, etwas angestaubtes Haus im Kanton St. Gallen direkt am Ortseingang von Lömmenschwil (so einen Ortsnamen gibt's auch nur in der Schweiz). In diesem Haus ist sein Restaurant "Thuris Blumenau", und hier wohnt er auch.

Blumenau Quelle: ZDF

Experimente mit Blüttenblättern

Er hat sich in vielen Jahren einen Namen als exquisiter Kochmeister gemacht, der gerne mit Produkten direkt aus der Natur experimentiert: Blütenblätter, Brennnessel oder eben Waldpilze. Daraus kocht er ganz geschwind und ohne Aufwand ein Pilzfrikassee, das das Drehteam in Verzückung bringt. Nur Pilze, Wein, Sahne, Salz und Pfeffer - und das Ganze hat ein Aroma zum niederknien.



Aber Thuri (der Name hat übrigens nichts mit Tourist zu tun, sondern ist die Koseform von Arthur) ist nicht nur ein guter Koch, der einem viele Kniffe in der Küche verrät. Er ist auch ein lustiger Typ. Als junger Mann war er mal Schweizer Meister im Skateboardfahren, bei einem feucht-fröhlichen Gelage zu seinem 30. Geburtstag entdeckte er seinen Spaß an Waldpilzen. Aus Zürich ist er vor mehr als 15 Jahren nach Lömmenschwil gezogen. Er hatte von der Hektik der Stadt genug.

All das erzählt er mir, während wir im Wald spazieren. Als wir Brennnesseln für die Quiche schneiden, kommentiert er das ironisch mit "jede Kuh freut sich über etwas Grünes". Aus den Nesseln macht er übrigens eines vorzügliche Quiche. Bekannt ist Thuri aber für seine Experimentierfreude in Sachen Blumen. Ein einfacher Kräutersalat wird mit Stockrosen und Gemeiner Nachtkerze zur Augenweide. Am Abend ist das Restaurant voll - und die Gäste staunen, schlemmen und sind begeistert. Hier passt das Sprichwort "das Auge isst mit".

Magerer Fang im reinen See

Seinen Fisch bekommt Thuri von den Bodeseefischern, zum Beispiel Carl Souviron. Er ist einer von etwa 150 Fischern, die mit ihren kleinen Motorbooten jeden Morgen rausfahren, um die Netze einzuholen. Wir treffen uns um 5 Uhr morgens, Carl ist hellwach, wir spüren noch eine gewisse Bettschwere. Als erstes lerne ich, dass der Bodensee ein viel zu sauberer See sei. Die Fische finden zu wenig zu essen, seit der See Trinkwasserqualität hat, sagt Carl. Und wie zum Beweis ist der Fang an diesem Morgen recht mager: zwei Handvoll Felchen (der klassische Bodensee-Fisch) und eine Forelle.

Bootsfahrt Quelle: ZDF

Carl ist schlecht gelaunt, dafür hatten wir einen traumhaften Sonnenaufgang auf dem schönen Bodensee. Als Abstecher lohnt sich übrigens St. Gallen sehr! Ein nettes, kleines Städtchen mit prunkvollen Erkern und einem imposanten Barockkloster im Herzen. Die Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Und auch hier kann man sehr gut essen! Na denn guten Appetit und schöne Reise!

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