Peter Twiehaus schaut in die Kochtöpfe des Elsass

Mein kulinarisches Tagebuch

Das Schöne am Reisen sind die neuen Anregungen für die Sinne. Der Blick in die fremde Küche trägt mit zum sinnlichen Erlebnis bei: Gewürze und Kräuter riechen, andere Zubereitung und Verarbeitung erfahren - die Landschaft mit dem Gaumen ertasten. Peter Twiehaus ist zu einer Sommerreise in den Süden aufgebrochen und hat bei uns und in den Nachbarländern typische Rezepte erkundet. Wunderschöne Landschaften hat er erlebt und durfte köstliche Gerichte probieren. Für das Morgenmagazin hat er ein Reisetagebuch geführt und die Rezepte mitgebracht. Heute: Das Elsass.

Elsass - da denkt man an pittoreske, kleine Dörfer wie aus dem Mittelalter, an eine liebliche Landschaft mit ausgedehnten Weinbergen - und natürlich an deftiges Essen mit Sauerkraut und viel Schweinefleisch. Klingt verdächtig nach Klischees - aber so sieht das Elsass wirklich aus. Auf unserem Weg nach Niedermorschwihr fahren wir durch ein Dutzend Dörfer, eins ist hübscher als das andere, mit kleinem Kirchturm und umgeben von wunderschönen Weinhängen.

Niedermorschwihr liegt zwar an der berühmten Weinstraße, vom großem Touristenrummel (den gibt es zur Genüge im Elsass) ist der beschauliche 300-Seelen-Ort bislang verschont geblieben. Unser erstes Rendezvous haben wir mit Monsieur Guidat. Ein netter französischer Wirt aus dem Bilderbuch. Ihm gehört das Restaurant "Caveau Morakopf", seit mehr als 30 Jahren eine klassisch-urige "Winstub".

Niedermorschwihr Quelle: ,ZDF

Köstlich und üppig

Hier wird typisch elsässisch gekocht - von einer Frau: Chantal. Interessanterweise die einzige Küchenchefin, die wir auf unserer Reise getroffen haben. Chantal ist eine ungemein energetische Frau. Mit kräftigen Armen und in einem unglaublichen Tempo kocht sie für uns drei Köstlichkeiten der Region. Zarte Versuche des Kameramanns, ihr Tempo zu drosseln stoßen auf taube Ohren. Also muss er sich ihrer Geschwindigkeit anpassen.

Im Elsass ist "Viel" besser - und so wird auch gekocht. In die Münsterquiche kommen anderthalb große Münsterkäse, drei Eier und ein halber Liter Sahne. Da werde ich schon beim Zuschauen satt. Aber als der Kuchen aus Blätterteig goldbraun aus dem Ofen kommt, dann schlage ich doch zu. Wie es schmeckt? Mit einem Wort: "formidable". Wenn auch stark sättigend.

Zart und deftig

Fürs nächste Gericht stemmt Chantal 25 (!) Entenschenkel in den Ofen (wenn schon, denn schon, sagt sie, im Elsass kocht man immer große Portionen). Die werden danach eine Stunde in reinem Entenfett gekocht. Aber auch hier ist das Resultat überzeugend, denn so ein zartes Fleisch habe ich selten gegessen. Wie das Dessert gemacht wird, erspare ich Ihnen. Resumee: die elsässische Küche ist noch deftiger, als ich mir das je hätte träumen lassen.

Direkt gegenüber vom Caveau Morakopf lebt der Traditionswinzer Jean-Bernard Weinzorn. Gemeinsam mit Sohn Ludovik kümmert er sich um seine Parzellen. Die beiden arbeiten traditionell, das Meiste geschieht in Handarbeit. Wir spazieren über ihre Parzellen, und in jeder Geschichte, die sie mir vom Wein erzählen, spüre ich die Verbundenheit zu ihrem Fleck Erde. Das hat mich sehr beeindruckt. Die Weinzorns sind seit 400 Jahren Winzer, der Keller aus dem 17. Jahrhundert mit seinen uralten Fässern ist nur ein Beweis dafür.

Weinberg Twiehaus Quelle: ZDF

Marmelade in alle Welt

Zum Schluss besuchen wir noch Christine Ferber, die ungekrönte Königin der Marmeladen. Ihre Konfitüren sind landesweit bekannt, sie hat mit Kerner gekocht und selbst ins ferne Taiwan liefert sie ihre Ware. Ihr kleiner Laden sieht aber noch immer so aus wie früher. Überhaupt Niedermorschwihr ist eine Idylle wie aus anderen Zeiten.
Na denn, guten Appetit und schöne Reise!

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet