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Nach IOC-Beschluss: Kreml bleibt cool

Nachrichten | ZDF-Morgenmagazin - Nach IOC-Beschluss: Kreml bleibt cool

Das Urteil des IOC, auf einen kompletten Olympia-Bann für Russland zu verzichten und unbelastete Athleten starten zu lassen, stößt weitgehend auf Zustimmung. Der Kreml reagierte gelassen. Es gibt aber auch Empörung in Russland.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.12.2018, 05:30

Ob russische Wintersportler, die vom IOC im Zusammenhang mit den Manipulationen im Sotschi-Labor lebenslang gesperrt wurden, auf dem Klageweg wieder Zutritt zu den Spielen erhalten, wird sich noch zeigen: 22 Athleten haben Einspruch beim Internationale Sportgerichtshof CAS eingelegt. Die Athleten beantragten ein Urteil bis zum Beginn der Winterspiele in Pyeongchang am 9. Februar.

Russische Biathleten hoffen

Indes machen sich Russlands Biathleten Hoffnungen, zu den Auserwählten zu zählen, die bei Olympia unter neutraler Flagge und dem Länderkürzel OAR (Olympic Athlet of Russia) starten dürfen.

Das Team von Ricco Groß trainiert häufig in Ruhpolding und wird in einem Sonderprogramm oft auf Doping getestet. "Ich habe versucht, alles Menschenmögliche zu machen. Unsere Trainingslager im Sommer haben wir zu 80, 90 Prozent in Mitteleuropa abgehalten, um der Forderung der IBU, der WADA und des IOC nachzukommen", sagte der aus Thüringen stammende russische Nationaltrainer im ZDF.

Die russische Regierung sieht in einer ersten Reaktion auf das IOC-Urteil von einem Boykott der Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ab. Sie will - so scheint es - mit kühlem Kopf auf IOC-Entscheidung reagieren. "Die Situation ist ernst, sie erfordert eine tiefe Analyse. Es wäre falsch, hier den Emotionen nachzugeben", sagte Dimitri Peskow, Sprecher von Wladimir Putin.

Hörmann: "Ausgewogen"

Für Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist die IOC-Entscheidung ein "bitterer Befund" für die Integrität des Sports. "Das IOC hat systematisches russisches Doping während der Olympischen Winterspiele in Sotschi festgestellt", sagte der CDU-Politiker: "Ich begrüße das damit verbundene klare Signal an alle Staaten: Wer systematisch dopt, hat keinen Platz in der olympischen Familie."

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hält das IOC-Verdikt für "ausgewogen mit drastischen Strafen für alle Strippenzieher" aus Politik und Sport. So wurde Ex-Sportminister Witali Mutko als zentrale Figur des staatlichen Dopings ausgemacht und lebenslang für Olympia gesperrt.

"Im Grenzbereich"

"Aus meiner Sicht ist das IOC mit dieser Entscheidung in den Grenzbereich dessen vorgestoßen, was juristisch haltbar ist", sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes. Es werde damit klar, dass Betrüger im Sport "unbenommen der Größe oder Positionierung des jeweiligen Landes" konsequent zur Verantwortung gezogen würden.

Bei Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes, bleibt nach dem IOC-Spruch in Anbetracht des "schier unglaublichen Ausmaßes" trotz alledem "ein bitteres Gefühl". Was dieser Kompromiss am Schluss tatsächlich wert sei, hänge maßgeblich davon ab, wie die Maßnahmen und Vorgaben umgesetzt würden.

Der deutsche Eishockey-Präsident Franz Reindl ist froh, dass es keine Kollektivbestrafung gegeben hat. "Das ist das bestmögliche Urteil, aber es ist auch ein sehr hartes Urteil", befand Reindl. Zu den Auswirkungen auf das Turnier in Südkorea sagte Reindl nur: "Jetzt muss man erstmal abwarten, wie die Russen entscheiden."

KHL droht mit Absage

Die Teilnahme von russischen Männer- und Frauenteams unter neutraler Flagge gilt aktuell indes als unwahrscheinlich. Zudem droht die Olympia-Absage der russisch geprägten osteuropäischen Profiliga KHL.

Empört ist Ines Geipel über den Russland-Kompromiss. "Im Grunde ist nichts anderes als ein Bann bei diesen Dimensionen möglich gewesen", sagte die Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfe-Vereins im ZDF. "Die Beweise liegen auf dem Tisch. Doch im Grunde sagt die Entscheidung: Egal, welches Staatsdoping ihr auflegt in dieser Welt, wir nehmen euch auf in die olympische Familie." Die Dimension dessen, was in Russland passiert sei, werde durch das Urteil zugeschüttet.

Empörung in Russland

Während sich Russlands Präsident Wladimir Putin mit einer Reaktion auf die IOC-Entscheidung Zeit ließ, war die Empörung in Politik, Sport und bei den Bürgern seines Landes groß. "Kein Russland, keine Spiele!", twitterten verärgerte Russen. Das Land solle "aus der internationalen Sportwelt verdrängt werden", klagte das Außenministerium. Von einer "widerliche Entscheidung" schrieb Außenpolitiker Konstantin Kossatschow.

Für den Parlamentsvize Pjotr Tolstoi sei es "unannehmbar, dass eine russische Mannschaft ohne eigene Flagge und Hymne antritt". Dagegen keimt bei den Sportlern des Landes die Hoffnung, doch noch bei den Spielen in Südkorea dabei sein zu können. "Wer jetzt absagt, kneift", sagte Eishockey-Nationalstürmer Ilja Kowaltschuk.

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