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Wer hat Lust auf diese WM?

Boykottieren oder Zuschauen: Bei ZDFheute live diskutieren Alena Buyx vom Deutschen Ethikrat, Dario Minden vom Bündnis "Unsere Kurve" und Fußball-Youtuber Felix Casalino.

Videolänge:
45 min
Datum:
18.11.2022
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.11.2023

Die WM boykottieren oder anschauen? – Was passiert bei ZDFheute live?

Ab Sonntag rollt der Ball in Katar, aber noch nie war eine Weltmeisterschaft so umstritten. Von WM-Fieber noch kaum eine Spur, stattdessen gibt es immer mehr Aufrufe die Weltmeisterschaft zu boykottieren. Viele Kneipenbesitzer werden die Spiele nicht zeigen – wegen der Menschenrechtslage und Homophobie im Wüstenstaat. Laut ZDF-Politbarometer halten es 53 Prozent für nicht richtig, dass Deutschland an der WM teilnimmt. Aber werden die Fans die WM wirklich boykottieren, wenn sie einmal begonnen hat? Und müssen sie das Signal setzen, zu dem die FIFA, Politik und Wirtschaft nicht in der Lage waren?

ZDFheute live diskutiert darüber mit Alena Buyx vom Deutschen Ethikrat, Felix Casalino vom größten deutschen Fußball-YouTube-Kanal Freekickerz und mit Dario Minden vom Bündnis "Unsere Kurve", der mit seinem eindringlichen Statement gegen Schwulenfeindlichkeit in Katar für Furore gesorgt hat. Werden sie die Spiele schauen und wenn ja, mit welchen Einschränkungen? Außerdem berichtet ZDF-Korrespondentin Golineh Atai aus dem Wüstenstaat über Fake Fans und Restriktionen für die Arbeit von Journalisten.

Menschenrechtslage in Katar – Warum ist das wichtig?

Die Freude vieler Fußball-Fans wird überschattet von Berichten über Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierung. Viele rufen zum kompletten Boykott auf. Fan-Vertreter Dario Minden vom Verbund "Unsere Kurve" kündigte bereits an, sich das Turnier nicht anzuschauen: 

Ich will kein Spiel, keine Minute davon sehen. Das ist einfach nicht der Fußball, in den ich mich so verliebt habe.
Dario Minden, Bündnis "Unsere Kurve"

Besonders die Berichte über die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die WM sorgen für Diskussionen. Das katarische Organisationskomitee und FIFA sprechen von drei Gastarbeitern, die auf den offiziellen WM-Baustellen ums Leben gekommen sind. Amnesty International berichtet von mehr als 15.000 und beruft sich dabei auf katarische Statistiken zur Zahl der Toten ohne katarische Staatsangehörigkeit, im Zeitraum von der WM-Vergabe 2010 bis zum Jahr 2020. Wie viele davon tatsächlich im Zusammenhang mit der WM stehen, ist unklar. Human Rights Watch kritisiert, dass in Katar der politische Wille fehle, alle Todesfälle zu untersuchen.

Ein weiterer Punkt auf der langen Liste von Kritikern: die Menschenrechtslage. In Katar sind Frauen nicht gleichberechtigt, öffentliche Meinung und Pressefreiheit sind eingeschränkt und Homosexualität ist illegal. In der ZDF-Dokumentation "Geheimsache Katar" hat der WM-Botschafter Khalid Salman Homosexualität als "geistigen Schaden" bezeichnet – eine Aussage, die nicht nur in Deutschland für Empörung sorgte.

Viele wollen das Turnier deshalb nicht anschauen und kritisieren, dass die WM überhaupt an Katar vergeben wurde. Allerdings gibt es auch andere Stimmen. Friedrich Merz sieht eine potenziell positive Wirkung durch die öffentliche Aufmerksamkeit:

Durch den Sport hat man auch in schwierigen Ländern die Möglichkeit, auf Missstände im Bereich der Menschenrechte hinzuweisen und Veränderungen anzustoßen.
Friedrich Merz, CDU

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehnt einen Boykott ab: "Die Spiele nicht anzuschauen, das würde dem Team von Hansi Flick nicht gerecht. Die deutsche Nationalmannschaft hat nicht daran mitgewirkt, wo die WM stattfindet." Trotzdem sagen im ZDF-Politbarometer 53 Prozent der Befragten, dass die Teilnahme Deutschlands an der WM nicht richtig sei. Nur 39 Prozent sind für die Teilnahme.

Mit Material von dpa und AFP

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