Sie sind hier:

Notruf und keiner kommt?

Rettungssanitäter Luis Teichmann und Gesundheitswesenexperte Prof. Thomas Krafft sprechen bei ZDFheute live über die Überlastung der Notfallrettung. Bricht das System zusammen?

Videolänge:
35 min
Datum:
30.12.2022
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.12.2023

Notruf und keiner kommt – Was passiert bei ZDFheute live?

Der Rettungsdienst in Deutschland ist vielerorts am Limit – Bei einem "Weiter so" könnte es bald zur Regel werden, dass trotz Notruf kein Rettungswagen kommt – so die eindringliche Warnung von Gewerkschaften und Verbänden. Schon lange könne die eigentliche Hilfsfrist von wenigen Minuten nicht mehr eingehalten werden. Und selbst wenn Hilfe kommt: Auch viele Notaufnahmen seien überlastet, vor und in vielen Krankenhäusern herrsche regelrecht Stau.  

Es braucht eine grundlegende Reform, fordert der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst. Fehler im System gibt es demnach viele: Akuter Personalmangel seit Jahren, explodierende Fallzahlen, veraltete Strukturen und eine fehlende Vernetzung. Hinzu kommen immer mehr Bagatellfälle. Laut dem "Bündnis pro Rettungsdienst" ist die Hemmschwelle gesunken, Rettungsdienste zu alarmieren. Welche Nummer die richtige ist, 112 oder 116 117, wisse auch kaum noch jemand.

Wie sieht der Alltag im Rettungsdienst heute aus? Was muss sich ändern, welche Lösungsansätze gibt es? Und: Ist die Notfallrettung in Deutschland überhaupt noch zu retten? Darüber spricht ZDFheute live mit Luis Teichmann, Rettungssanitäter aus Köln und Prof. Thomas Krafft, Experte für Gesundheitswesen.

Personalmangel und Berufsflucht

Laut der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) gaben in einer Umfrage rund 99 Prozent der 362 befragten Notfallkliniken an, unter Personalmangel zu leiden. Viele Stellen seien nicht besetzt oder das Personal sei krank. Mitte Dezember äußerte sich der Vorstandsvertreter des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst Flake in der Augsburger Allgemeinen zur Situation der Notfallrettung in Deutschland.  

Aus Befragungen der Rettungskräfte ist bekannt, dass sich 90 Prozent nicht vorstellen können, bis zu ihrer Rente im Beruf zu bleiben. Und rund 40 Prozent überlegen, den Beruf zu wechseln, den sie eigentlich lieben
Frank Flake, Vorstandsvertreter des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst

Mit dem immer gravierender werdenden Personalmangel steigt auch die Belastung für diejenigen, die im Job Verbleibenden. Die Einsatzzahlen nähmen bundesweit zu, so Flake. Grund dafür seien oft Bagatell-Fälle, für die eigentlich kein Rettungseinsatz nötig sei.

Überfüllte Stationen und "Exit-Blocks"

Überfüllte Stationen in Krankenhäusern gehören mittlerweile fast schon zum Alltag. Die Folgen sind sogenannte "Exit-Blocks". Weil die Stationen keine Kapazitäten haben, neue Patienten aufzunehmen, können die  aus der Notaufnahme nicht weiterverlegt werden. Dort stauen sich dann die neuen Patienten – mit gefährlichen Folgen. Die ganze Situation lässt sich mit einer Badewanne vergleichen, die einen verstopften Abfluss hat. Wenn die Wanne voll ist und das Wasser nicht ablaufen kann, läuft sie irgendwann über.

Der Handlungsdruck ist groß, das System bricht zusammen
Frank Flake, Vorstandsvertreter des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst

Annähernd 40 Prozent der Kliniken hatten am Tag der Umfrage angegeben, Patienten wegen Bettenmangels an ein anderes Krankenhaus verlegen zu müssen.

Quellen: dpa und KNA

Kommentare

0 Kommentare

  • Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Artikel.

Mehr aus ZDFheute live

Albrecht von Lucke

Panzerlieferung an Ukraine - "Diplomatie mit Intervention denken" 

Nur durch militärische Ertüchtigung der Ukraine könne es zu Friedensverhandlungen kommen, sagt Politikwissenschaftler von Lucke. Der Krieg werde jedoch noch länger dauern.

25.01.2023
Videolänge
Olaf Scholz im Bundestag

Scholz zu Panzerlieferung - "Haben uns nicht treiben lassen" 

Vor dem Bundestag betont der Bundeskanzler die Notwendigkeit, bei aller Unterstützung für die Ukraine eine Eskalation zwischen Russland und der Nato zu verhindern.

25.01.2023
Videolänge
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen bei ZDFheute live.

Lieferung von Abrams-Panzern - "USA sind offenbar bereit" 

Wahrscheinlich werde morgen eine Entscheidung über die Lieferung der Abrams-Panzer verkündet, sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen. Es gäbe eine Vereinbarung mit Deutschland.

24.01.2023
Videolänge
Kampfpanzer Leopard-2. Münster, Deutschland.

Schnell, beweglich und zielgenau - Was der Kampfpanzer Leopard-2 kann 

Der aktuellste Leopard-2-Panzer wiegt 60 Tonnen, kann 5.000 Meter weit schießen und ist mit 70 Kilometern pro Stunde besonders schnell. Diese Werte erreicht kein russischer Panzer.

24.01.2023
von Josua Schwarz
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du bist dabei, den Kinderbereich zu verlassen. Möchtest du das wirklich?

Wenn du den Kinderbereich verlässt, bewegst du dich mit dem Profil deiner Eltern in der ZDFmediathek.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.