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Zahlen des RKI sind "nichts wert"

Gemeinsam mit anderen Experten fordert Matthias Schrappe ein Umdenken in der Corona-Strategie. Der Infektiologe kritisiert die RKI-Kennzahlen und geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

2 min
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23.11.2020
23.11.2020
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.11.2021

In einem Gespräch mit ZDFheute live hat der Kölner Medizinprofessor Matthias Schrappe deutliche Kritik am Robert-Koch-Institut geübt. In teils sehr überspitzten Aussagen äußerte der frühere Vize-Vorsitzende des Sachverständigenrates Gesundheit vor allem zwei Vorwürfe.

Schrappe nennt das RKI "politisch gesteuert" und hält dessen Infektionszahlen für unzureichend. Sie hätten "keine Basis" und seien "das Papier nicht wert", auf dem sie geschrieben seien.

RKI ist als Behörde Gesundheitsministerium unterstellt

Was Schrappe mit dem Begriff "gesteuert" genau meint, erklärt er nicht. Klar ist aber: Das RKI ist dem Gesundheitsministerium unterstellt. Ein Großteil der Mitglieder in den verschiedenen Kommissionen des RKI wird vom Bundesgesundheitsministerium auf begrenzte Zeit berufen.

Auch die Finanzierung der Bundesbehörde erfolgt größtenteils über den Bundeshaushalt. Wenn Sie mehr über das RKI, seine Arbeit und die Kritik an der Behörde lesen wollen: Unser Text "Wie arbeitet das Robert-Koch-Institut?" beantwortet wichtige Fragen:

Eingang am Sitz des Robert-Koch-Instituts

Die wichtigsten Fragen zum RKI - Wie arbeitet das Robert-Koch-Institut? 

Das Robert-Koch-Institut soll Deutschland durch die Corona-Krise führen. Aber wie arbeitet es eigentlich, wer finanziert es, und welche Kritik gibt es an seinem Vorgehen?

von Nils Metzger

Kritik an Kennzahlen des RKI und Verweis auf Dunkelziffer

Die Zahlen des RKI kritisiert Schrappe vor allem deshalb, weil sie aufgrund einer unbekannten Dunkelziffer nicht das gesamte Infektionsgeschehen in Deutschland erfassen würden. Die Kennzahlen, auf die sich die Politik aktuell berufen würde, seien unzuverlässig, weil sie die Dunkelziffer außer Acht lassen würden, sagt Schrappe.

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach hält die vom RKI veröffentlichten Infektionszahlen dagegen für "zuverlässig, denn sie berücksichtigen immer die Anzahl der Tests bei der Interpretation. Diese handfesten Zahlen können durch Kohortenstudien höchstens ergänzt, nicht aber in Frage gestellt oder ersetzt werden."

Bundesweite RKI-Studie zu Dunkelziffer in Deutschland

Eine Autorengruppe um Schrappe hatte in einem Thesenpapier solche zufällig ausgewählten Bevölkerungsstichproben gefordert. "Das wäre die Aufgabe für ein Robert-Koch-Institut gewesen", sagt Schrappe.

Fakt ist: In einer Studie mit 34.000 Menschen geht das RKI aktuell bundesweit der Frage nach, wie viele Menschen bereits eine Infektion mit Sars-CoV-2 durchgemacht haben und wie hoch die Dunkelziffer ist. Dazu werden nicht nur Antikörpertest durchgeführt, die dazu dienen, eine vergangenen Corona-Infektion nachzuweisen, sondern auch Tests, die eine aktuell bestehende Infektion nachweisen.

Lauterbach widerspricht Schrappes Kritik

In einem aktuellen, sechsten Thesenpapier der Forschergruppe um Schrappe heißt es: "Einfache Modellrechnungen zeigen, dass die 'Dunkelziffer' der Infektion in der nicht-getesteten Population um ein Vielfaches über der Zahl der bekannten, neu gemeldeten Infektionen (Melderate) liegt“. Lauterbach hält dem entgegen, dass es die angenommene hohe Dunkelziffer in Deutschland nicht gebe, weil mehr getestet werde als in anderen Ländern.

Für einen Wechsel der Corona-Strategie, den die Autorengruppe zusammen mit einem stärkeren Schutz verletzlicher Bevölkerungsgruppen fordert, sieht Lauterbach ebenfalls keinen Grund. "Die Strategie, die wir bisher verwenden, hat gewirkt." Eine Abschottung von Risikopatienten sei in Deutschland "nicht praktikabel". Es gelte, jetzt mit Kontaktbeschränkungen und anderen Maßnahmen durchzuhalten, bis eine Impfung verfügbar sei.

Das oben gezeigte Video ist nur ein kurzer Ausschnitt, der vor dem Hintergrund des gesamten, 37-minütigen Gesprächs mit Schrappe betrachtet werden sollte. Sehen Sie hier die Gesamtsendung von ZDFheute live:

Mehr Schutz für Risikogruppen - Forscher wollen Corona-Strategiewechsel 

Wissenschaftler um den Medizinprofessor Schrappe fordern einen Kurswechsel in der Corona-Pandemie. Sie kritisieren die aktuelle Strategie und wollen mehr Schutz für Risikogruppen.

Videolänge
37 min
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