Russlands rollendes Krankenhaus

Medizinversorgung auf Schienen

Politik | auslandsjournal - Russlands rollendes Krankenhaus

In vielen entlegenen Dörfern Sibiriens ist die medizinische Versorgung oftmals schlecht und der nächste Arzt 200 Kilometer entfernt. Aus diesem Grund betreibt Russland drei Medizinzüge und bringt somit die Medizin zu den Menschen.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.01.2018, 22:25

Sibirien ist kalt, sehr kalt. Mancherorts liegen die Tiefstwerte bei minus 41 Grad Celsius. Die medizinische Versorgung in vielen entlegenen Dörfern Sibiriens ist schlecht. Wer einen Arzt braucht, muss oft bis zu 200 Kilometer in den nächsten Ort fahren – über buckelige Straßen, durch die Wildnis, durch die Einsamkeit. Deshalb kommt die Medizin zu den Menschen. In Form von drei Medizinzügen, betrieben von der russischen Regierung.

Unsere Korrespondentin Katrin Eigendorf durfte die Ärzte im Zug auf ihrer Reise begleiten. Sie trifft die junge Mutter Jekaterina  Davydova aus dem kleinen Dorf Malaja Ket mit ihrer Tochter Svetlana. Das Dorf wirkt trostlos. Keine Kirche, keine Arztpraxis. Das nächste Krankenhaus ist 200 Kilometer entfernt, im Winter nicht erreichbar. „Jeder, der alt genug ist und die Schule hinter sich hat, geht weg, um eine Ausbildung in der Stadt zu machen“, sagt Jekaterina.

Die Züge sind rollende Kliniken mit Laboren, Untersuchungsräumen und einem  Dutzend Ärzte. Die Technik kommt aus dem Westen und aus Japan. Ein Versuch der Regierung, die medizinische Grundversorgung im ländlichen Sibirien zu verbessern. Einer dieser Züge trägt den Namen „Heiliger Lukas“. Benannt nach einem Priester und Arzt, der im Zweiten Weltkrieg das lokale Krankenhaus in Krasnojarsk leitete. Der „Heilige Lukas“ gehört zur Eisenbahnverwaltung von Krasnojarsk, ein staatlich finanziertes Projekt, um die die entlegenen Dörfer der Region ärztlich zu versorgen.

Stationäre Ärzte sind gefragt – und teuer

Bis zu 200 Patienten behandeln die 17 Ärzte im Zug im Durchschnitt pro Tag. Sie stellen vor allem Diagnosen. Im Labor können sie Blut und Urin analysieren, EKGs und EEGs durchführen. Es gibt ein Ultraschall- und Röntgengerät. Sie stellen ihre Patienten auf neue Medikamente ein und schicken sie notfalls ins nächste Krankenhaus. Die Untersuchungen finden meistens direkt im Zug statt. Bei schwer verletzen oder gelähmten Patienten machen die Ärzte aus der rollenden Klinik auch Hausbesuche.

14 Tage sind die Ärzte unterwegs, einmal im Jahr, im Januar. Dann fahren sie  von Dorf zu Dorf. In jedem Dorf hält der Zug einen Tag, manchmal auch zwei. Und fährt dann wieder weiter über die Gleise zwischen Krasnojarsk und Malaja Ket. Eine Region, die mehr als sechsmal so groß ist wie Deutschland.

Russlands Bevölkerung schrumpft – auch weil die Medizin fehlt

Als sich die Sowjetunion 1991 auflöste, verschwanden die Mittel für den äußersten Osten Russlands. Nirgendwo sonst im Land haben Krebspatienten schlechtere Überlebenschancen. Laut einem Bericht der Regionalregierung ist die Zahl der Neuerkrankungen seit Mitte der Neunziger um ein Drittel gestiegen. Die Sterblichkeit stieg um 14 Prozent. Zwei von drei Patienten in der Region bekommen keine Bestrahlung. Der Grund: Es fehlen schlicht die Geräte. Überhaupt schrumpft die Bevölkerung im Osten Russlands. Alkohol ist dabei ein großes Problem. Auch Verkehrsunfälle, Kriminalität und Selbstmorde. Und vor allem: die mangelnde medizinische Versorgung.

In der Nacht fährt der „Heilige Lukas“ weiter Richtung Norden, ins nächste Dorf.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.