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Familie, Kirche, Vaterland - Der Kreuzzug der Rechtspopulisten

Aus einem Kloster in den Bergen von Italien soll das Abendland gerettet werden. Rechtspopulisten verbünden sich mit ultrakonservativen Kirchenkreisen, um Europa zu verändern.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.05.2020

András und Gabriella Gável haben viel erreicht. Sieben Kinder hat das tiefreligiöse Ehepaar inzwischen und verkörpert somit das Ideal der ungarischen Familienpolitik. Kinder statt Migration – weil die Bevölkerung altert und schrumpft, will Ungarn die Geburtenrate steigern.

Und der Staat belohnt das kinderreiche Paar großzügig, die Großfamilie profitiert enorm von den Anreizen, mit denen Ministerpräsident Orbán ungarische Familien fördert. Die Regierung vergibt günstige Kredite an Ehepaare, ungarische Mütter werden ab dem vierten Kind lebenslang von der Steuer befreit. Unverheiratete und Alleinerziehende gehen leer aus, das ist die christliche Komponente von Orbáns Politik. András Gável stimmt ganz zu, Europa müsse gerettet werden, weil es seinen Glauben verloren hat. „In einem Europa ohne Glauben wirkt Viktor Orbán wie der Retter des Christentums. Aber nicht weil er das Christentum retten muss, sondern weil er die europäischen Menschen retten will.“

Dieses Konzept spricht nicht nur in Ungarn Nationalisten, Rechtsextreme und konservative Christen an. Immer erfolgreicher verbreiten ultrakonservative Gruppen in Europa ihre Positionen. Sie beschwören das traditionelle Familienbild von Mama, Papa, Bambini und verteufeln liberale Konzepte wie die Homo-Ehe, Scheidung und vor allem die Abtreibung.

Der Weltfamilienkongress in Verona

In Verona trafen sich Ende März Rechtspopulisten und ultrakonservative Kirchenvertreter zum Jahrestreffen des Weltfamilienkongresses. Die Teilnehmer: Etwa 3.000 Katholiken, Evangelikale, Orthodoxe und Ultrakonservative aus mehr als 100 Ländern. Darunter waren unter anderem Gloria von Thurn und Taxis, die ungarische Familienministerin Katalin Novák, Abgeordnete der AfD und des französischen Rassemblement National, sowie als Hauptredner und Star der italienische Vize-Premier Matteo Salvini.

Italiens Innenminister und Chef der rechtsnationalen Lega hat das Thema Familie für sich entdeckt. Auf dem Kongress sagt er: „Ich möchte am Ende meiner fünfjährigen Amtszeit daran gemessen werden, ob die Italiener wieder Sicherheit haben, Arbeit und wieder mehr Kinder in die Welt setzen. Denn ein Land ohne Kinder ist ein Land, das stirbt.“

Der italienische Faschismusforscher Andrea Mammone beobachtet das neue Bündnis von konservativen Kirchenkreisen und Rechtsextremen: „Es ist offensichtlich eine sehr starke und smarte Strategie von der Rechten, weil sie ihre Position normalisiert und sie sich als Beschützer einer christlichen Identität verkaufen.“ Es sei, so Mammone, Teil eines Versuchs, eine nationalistische Internationale zu gründen.

Das Kloster von Stephen Bannon

In dem abgelegenen italienischen Bergdorf Collepardo hat das Kloster Trisulti einen neuen Mieter gefunden: das ultrakonservative „Dignitatis Humanae Institute“. Stephen Bannon, ehemaliger Chefstratege von Donald Trump, und der Brite Benjamin Harnwell wollen das Kloster in eine Kaderschmiede für Rechtspopulisten verwandeln. Gerne führt Harnwell durch sein neues Kloster: „Unser großes Projekt ist die Akademie des jüdisch-christlichen Westens. Wir werden einen massiven Beitrag leisten und alle unterstützen, die die Prinzipien des jüdisch-christlichen Abendlandes verteidigen wollen.“

Gefahren sieht Harnwell überall. Sie reichen für ihn von Migration und Islamismus bis zum allgemeinen Glaubensverlust in Europa. Das Kloster sieht er als eine Art „Gladiatorenschule für die Verteidigung des christlichen Abendlandes“. Mit Stephen Bannon sucht er Geld und Kontakte in Europa. So vernetzen sich Rechtspopulisten in ganz Europa und bilden eine erzchristlich-nationalistische Allianz.

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