„Occupy“ auf Französisch

Die „Nuit Debout“ Proteste in Paris

Politik | auslandsjournal - „Occupy“ auf Französisch

"Occupy" auf Französisch

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.05.2017, 23:15

Seit Ende März treffen sich jeden Abend auf der „Place de la République“ in Paris junge Leute, um die Nacht zum Tag zu machen. Sie diskutieren, musizieren und protestieren. „Nuit debout – Nacht der Aufrechten“ nennt sich die Bewegung, die aus Protest gegen Präsident Hollandes umstrittene Arbeitsmarktreform entstanden ist. Doch mittlerweile geht es um weit mehr.

„Es geht um den Gegensatz zwischen den ganz normalen Leuten und denen, die Millionen verdienen. Es wird einfach nicht mehr auf die Sorgen der Bürger gehört“, sagt Flora. Wie die meisten, die sich hier Nacht für Nacht treffen, hat gehört sie zur Gruppe der gebildeten urbanen Jugendlichen. Genau der Gruppe also, die sich von Präsident Hollande besonders im Stich gelassen fühl. Denn viele junge Franzosen finden nach dem Studium keinen Job mehr, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 25%.

"Nuit Debout" Protest
Protestteilnehmer mit Plakat: "Leute, lehnt euch auf!" Quelle: ap


Kein Vertrauen mehr in Hollande
Auslöser der Proteste ist ein Reformvorhaben der Regierung: Um den Arbeitsmarkt anzukurbeln will die Regierung von Präsident Hollande das Arbeitsrecht verändern. Konkret heißt das: Weg von der einst unantastbaren 35-Stunden Woche und gelockerter Kündigungsschutz. Auch – so sagt die Regierung – um die Nöte der Jugendlichen Arbeitslosen zu mindern. Doch gerade von denen erfährt der Präsident die größte Gegenwehr, obwohl viele von ihnen bei der letzten Wahl für Hollande gestimmt haben.
Doch das Vertrauen in den Präsidenten ist zerstört. Umfragen zufolge ist Hollande der unbeliebteste Präsident in Frankreichs Geschichte. Die Wirtschaft der „Grande Nation“ liegt seit Jahren am Boden, wächst nur sehr schwach. Der aktuellen Regierung traut kaum noch jemand zu, die Lage zu retten. Dass gerade Hollande als sozialistischer Präsident nun Arbeitnehmerrechte aufweichen möchte, hat das Fass zum Überlaufen gebracht.
Jede Nacht herrscht organisiertes Chaos
Dabei ist der Protest der „Nuit Debout“ eher chaotisch: Auf klare Positionen verzichtet die Bewegung ebenso wie auf eine Führungsriege. Gemeinsamer Nenner der Protestierenden ist lediglich, dass die Arbeitsrechtsreform von allen abgelehnt wird. Ansonsten wird allabendlich munter über die verschiedensten Themen, wie zum Beispiel Globalisierung, Frauenrechte oder Umweltschutz diskutiert. Einige Sympathisanten der Protestbewegung suchen den Schulterschluss mit Frankreichs mächtigen Gewerkschaften, andere lehnen dies ab. Bisher scheint „Nuit Debout“ lediglich eine Ansammlung von Idealisten, Enttäuschten und Träumern zu sein, unter die sich zuletzt auch einige Krawallmacher gemischt hatten. Ob aus den „Aufrechten der Nacht“ eine ernstzunehmende politische Bewegung wird, das wird vor allem davon abhängen, ob die Bewegung es schafft, sich von solchen Krawallmachern zu distanzieren und so die breite Masse anzusprechen. Arbeiter sieht man bei den Protesten gegen die Veränderung des Arbeitsrechts bisher nämlich eher selten.

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