Der hohe Preis des harten Spiels

Hirnverletzungen im US-Football

Politik | auslandsjournal - Der hohe Preis des harten Spiels

Der hohe Preis des harten Spiels

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.04.2017, 00:15

Brachial, taktisch und uramerikanisch – Football ist für viele Amerikaner nicht nur Sport, sondern elementarer Bestandteil ihrer Identität und ist auch deshalb ein Millionengeschäft. Doch seit einigen Jahren hat der Sport ein Problem: Forscher diagnostizieren immer öfter Hirnschäden bei ehemaligen Profis, die unter anderem Demenz, Depressionen und Nervenerkrankungen auslösen können.

Der „Quarterback“ schreit Kommandos, plötzlich wird der Ball ins Spiel gebracht. Beide Teams rennen aufeinander los. Das Ziel: Dem Gegner bloß keinen Raum überlassen – auch wenn das oft wehtut. Eine typische Szene aus einem Footballspiel, wie sie sich in den USA täglich tausendfach abspielt – in Schulen, Universitäten und Vereinen, quer durch alle Altersklassen. Football ist ein taktisches Spiel, wird oft als „Schach auf Rasen“ bezeichnet, aber eben auch Vollkontaktsport: Um den Gegner zu stoppen ist beinahe alles erlaubt, egal ob ziehen, klammern, schubsen oder rammen. Für viele liegt in dieser Kombination von taktischer Finesse und roher Kraft der Reiz des Spiels.


Krankheit endete oft in Selbstmord
Doch gerade in dieser Körperlichkeit liegt ein großes Risiko: Seit 15 Jahren betreiben Mediziner und Hirnforscher Studien über die Langzeitfolgen einer Football-Karriere. Zuvor waren viele ehemalige Footballer an Hirn- und Nervenleiden erkrankt, sind früh verstorben oder litten an Wesensveränderungen wie Depressionen, die bei einigen Erkrankten sogar im Selbstmord endeten. Im September 2002 wurde der Pathologe Bennet Omalu beauftragt, die Leiche des Ex-Footballspielers Mike Webster zu obduzieren. Als er das Gehirn des mit gerade einmal 50 Jahren an einem Herzinfarkt verstorbenen Spielers untersuchte, sah er Erschütterndes: Das Gehirn war in einem Zustand, wie ihn der Pathologe bisher nur bei schwer Demenzkranken gesehen hatte. In der Folge wurden auch bei anderen früheren Footballern solche Anomalien festgestellt.

Footballhelme
Trotz der Schutzhelme kommt es beim Football oft zu Hirnverletzungen Quelle: reuters

Die Liga: Erst leugnen, dann verändern
Die Nordamerikanische Footballliga (NFL) war damals wenig erfreut über die Ergebnisse, bedeuteten diese doch eine essenzielle Bedrohung für ihren Sport, mit dem sie riesige Summen erwirtschaftet. Allein das Finale der Liga, der sogenannte „Super Bowl“, gilt als größtes Einzelsportereignis der Welt, mit über 110 Millionen US-Fernsehzuschauern. Als Reaktion auf die Ergebnisse der Forscher ließ die NFL ihrerseits anderslautende Studien erstellen und gab sich wenig einsichtig. Von Seiten der Liga hieß es damals, man tue alles um die Gesundheit der Athleten zu schützen. In der Folgezeit bestätigten immer mehr Studien den Zusammenhang von Football und Hirnschäden. Die NFL geriet immer mehr in Bedrängnis, wurde sogar öffentlich mit der Tabakindustrie verglichen.


Die Liga lenkte ein, verkündete Regeländerungen um den Kopf besser zu schützen. So wurden Attacken bei denen der Gegner mit dem Kopf getroffen werden soll – sogenannte „Speerangriffe“ – verboten. Außerdem hat die Liga die Anzahl der Vollkontakt-Trainings beschränkt. Doch auch diese Maßnahmen können das Risiko bestenfalls minimieren.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet