Cornwall und der Brexit

Politik | auslandsjournal - Cornwall und der Brexit

Moderatorin Antje Pieper reist durch Cornwall, das in den vergangenen Jahren sehr von EU-Fördermitteln profitiert hat und trifft den Historiker Christopher Clark zum Interview in Cambridge.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.06.2017, 19:29

Strände, Steilküste und verschlafene Städtchen. Cornwall ist romantisch schön und wohl deshalb ein beliebtes Ziel für Touristen. Doch die Region im äusserten Westen Englands ist wirtschaftlich schwach. Fisch-Industrie, ein bisschen Landwirtschaft und eben Tourismus – mehr gibt es nicht.

Die Wirtschaftskraft liegt deutlich unterm Landesdurchschnitt. Die Menschen hier sind eigen und pflegen ihre Eigenheiten. Keltische Traditionen werden aufrechterhalten, es gibt eigene Sprachkurse für „Cornish“, die alte Landessprache, man ist stolz auf die cornische Küche und viele fühlen sich unabhängig. London und Brüssel sind weit weg.

Leichte Vorteile für das Brexit-Lager

Die Umfragen in Cornwall sehen für das Brexit-Lager leichte Vorteile. Viele wollen raus aus der EU und träumen von Unabhängigkeit und eigener Größe. Vor allem die Fischer sind sauer auf die EU. Gefangen im Netz von Quoten und Fangzonen können sie nicht mehr selbst bestimmen was und wieviel sie fischen. Vor den Küsten Cornwalls dürfen auch Franzosen fangen, dafür die britischen Fischer woanders mehr. Verkauft wird der Fisch nach ganz Europa.


Sonja Andrews ist Fischhändlerin in Newlyn und will für „out“ stimmen. „Die Leute, die die Gesetze machen, wissen nicht wie das hier funktioniert. Die bestimmen einfach wie viel Fisch da draussen ist und wann wir was zu fangen haben. Die sollen mal vorbei kommen und sich das hier ansehen.“

Großbritannien vor dem Brexit-Referendum
Dir Briten entscheiden am 23. Juni über den Verbleib in der EU. Quelle: reuters

Hohe EU-Subventionen für Cornwall

Dabei hat die EU die Region in den letzten Jahren besonders subventioniert. Allein von 2000 bis 2014 flossen über 1, 1 Milliarden Euro aus Brüssel, bis 2020 sind weitere 600 Millionen Euro geplant.

Auch John Carley profitiert von den EU-Subventionen. Seine Firma Carley's Organic produziert Biolebensmittel, die er nach ganz Europa exportiert. Für neue Investitionen erhielt er von der EU knapp 385.000 Euro. Damit konnte er expandieren und 6 weitere Mitarbeiter einstellen. „Ich glaube nicht an dieses Bild von dem Bürokratie-Monster EU, das immer wieder gemalt wird.

Wenn wir Sachen aus nicht-europäischen Ländern importieren wie z.B. der Türkei, ist der Papierkram enorm. Während wenn ich Zutaten aus Ländern der EU kaufe – wie Sonnenblumenöl aus Deutschland oder Sesamöl aus Frankreich – bestellen wir es einfach und es kommt auf den LKW. Wer glaubt, die Bürokratie würde ohne die EU weniger, der irrt.“

Der unbedingte Wille in Cornwall

Trotzdem – die EU ist nicht sehr beliebt in Cornwall – es gibt bei vielen „Cornish“ einen unbedingten Willen zu Souveränität und Selbständigkeit.

Caroline Cox von der Entwicklungsfirma „Robotmother“ ist gebürtige Cornish – sie erklärt die Mentalität ihrer Landsleute historisch: „Die Cornish waren immer unabhängig – auch als sie hier noch als Minenarbeiter für die Erz- und Zinn-Minen gearbeitet haben. Da waren sie bei niemandem angestellt, sondern haben für sich selbst gewirtschaftet. Das hat sie freiheitsliebend und vielleicht auch etwas stur gemacht. Wie ein trotziger Teenager.“

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