Dänemarks "Frikadellenkrieg"

Wie Schweinefleisch die dänischen Werte retten soll

Politik | auslandsjournal - Dänemarks "Frikadellenkrieg"

Schweinefleisch ist ein nationales Gut, so sehen es große Teile der Dänen. Dass manche Schulen in Rücksicht auf muslimische Kinder keines mehr anbieten, schmeckt Konservativen und Rechten garnicht.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.01.2017, 22:50

Im Stadtrat der ostjütländischen Stadt Randers wurde beschlossen, dass in dänischen Kindertagesstätten und Schulen Schweinefleisch angeboten werden muss, das sei dänische Tradition. Der Beschluss führt zu einer landesweiten Debatte.

In Dänemark wird so viel Schweinefleisch gegessen wie in kaum einem anderen Land in Europa. Nachdem in mehreren Kindereinrichtungen im vergangenen Jahr Schweinefleisch wegen der vielen muslimischen Kinder in den Einrichtungen gestrichen wurde, kam es dort zu Protesten. Mitte Januar kam von dem Rechtspopulist Frank Nørgaard der Dansk Folkeparti ein Vorschlag zur Rettung der „dänischen Esskultur“: die Schweinefleisch-Pflicht in Kindertagesstätten und Schulen. Der sogenannte „Frikadellenkrieg“ entfachte. Pädagogen sprechen von einem „nicht vorhandenen Problem“ und über eine absurde Debatte. Doch der Stadtrat von Randers stimmte für das verpflichtende Angebot von Schweinefleisch in allen Einrichtungen für Kinder.


Flüchtlingskrise in Dänemark

Der „Frikadellenkrieg“ ist symptomatisch für die offizielle dänische Haltung der rechtsliberalen Regierung in der Flüchtlingskrise. Erst Anfang des Jahres kam es zu verstärkten Grenzkontrollen nach Schweden und Deutschland. Jetzt hat das Kopenhagener Parlament rund 20 neue verschärfte Reglungen bezüglich des Ausländerrechts beschlossen. So müssen Flüchtlinge unter anderem Geld und Wertsachen abgeben – ihnen bleibt nur ein Sockelbetrag von rund 1300 Euro. Die Familienzusammenführung wird dazu deutlich erschwert. Die Neureglungen haben international Proteste hervorgerufen. „Menschen, die extrem viel erleiden mussten und die Krieg und Konflikten entkommen sind (...), sollten mit Mitgefühl, Respekt und mit all ihren Rechten als Flüchtlinge behandelt werden.“ sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Maßnahme wie in Dänemark ergreifen jetzt auch deutsche Bundesländer. In Bayern und Baden-Württemberg müssen Flüchtlinge jetzt auch Geld und Wertgegenstände abgeben.

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