Der Staat, mein Feind

Rechte Bürgermilizen in den USA

Politik | auslandsjournal - Der Staat, mein Feind

Sie lieben ihr Land, aber sie hassen den Staat und seine Gesetze. Notfalls kämpfen die "Sovereign Citizens" dagegen auch mit Waffengewalt. Mit Donald Trump können sich manche jedoch anfreunden.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.07.2017, 23:25

Die Sovereign Citizens, zu deutsch souveräne Bürger, sind eine Gruppe rechter Milizen, die die USA als Staat nicht anerkennen. Sie wollen lediglich ihre Freiheit verteidigen, sagen sie – notfalls mit Waffengewalt.

Sie schreiben nur in roten Großbuchstaben, zahlen keine Steuern und drucken sich ihre Passdokumente selbst. Sie sind der Meinung, der Staat nehme ihnen durch Gesetze ihre Freiheiten und Rechte. Die Folge: Hass auf die Regierung und ihre Organe und eine fast paranoide Angst vor der angeblichen Unterdrückung und Überwachung des Staates.

Hauptsache weg vom Staat

Sovereign Citizens nennt sich die lose Gruppierung, die sich gegen die amerikanische Regierung und ihre Gesetze stellt. Ihre Anhänger beanspruchen vollständige Unabhängigkeit vom Staat. Trotzdem sehen sie sich nicht als vogelfrei. Vielmehr halten sie sich für die eigentlichen, die wahren US-Bürger und erkennen damit die im vierzehnten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung festgelegten Definition von US-Bürgern nicht an.

Diese Staatsskepsis ist nicht neu. Schon mehrere Jahrzehnte gibt es die Sovereign Citizens und ähnliche Gruppierungen wie etwa die „Freemen on the Land“. Sie zählen sich zu einer „patriotischen Bewegung“, die sowohl konservative Republikaner als auch Rechtsradikale vereint. Aktuell wird die Zahl der Anhänger auf etwa 300.000 geschätzt – auch in Kanada, Großbritannien und Irland wächst die Bewegung. Sie alle eint der Hass auf den Staat – und - wie sie sagen - die Entschlossenheit, ihre Vorstellungen mit allen Mitteln durchzusetzen.

Zur Not mit Gewalt

44461638
Timothy McVeigh bombardierte den Sitz mehrerer Bundesbehörden - 168 Tote.

Während der Großteil der Sovereign Citizens als ungefährlich gilt, sind Anhänger immer wieder mit Anschlägen in Verbindung gebracht worden. Attentäter Timothy McVeigh zum Beispiel hatte Beziehungen zu den Sovereign Citizens. Auch deshalb stuft das FBI die Gruppierung als terroristische Vereinigung ein.

Letzter Ausbruch der Gewalt: Die Besetzung des Malheur National Wildlife Refuge in Oregon im Januar 2016. Eine Gruppe von bewaffneten Männern stürmte das Verwaltungsgebäude des Naturschutzgebietes, das der amerikanischen Regierung gehört. Über einen Monat hielt sie das Gebäude besetzt, um gegen die Besitznahme von Land durch den Bund zu protestieren. Widerholt kam es zu Schusswechseln mit den Gesetzeshütern, ein Okkupant kam ums Leben. Am Ende gaben die Besetzer auf. Vorerst.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet