50 Kilometer vor Rakka

Ein Deutscher im Kampf gegen den IS

Politik | auslandsjournal - 50 Kilometer vor Rakka

In Nordsyrien kämpfen kurdische und arabische Truppen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Mit den Kurden kämpfen auch Menschen aus anderen Ländern - einer von ihnen: Cihan, 26, aus Deutschland.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.03.2017, 23:15

Seit mehr als fünf Jahren herrscht in Syrien Krieg. Auf dem Schlachtfeld stehen sich nicht nur Regierungstruppen, Rebellen und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ gegenüber. Auch Freiwillige aus dem Ausland sind unter den Kämpfern - darunter laut Schätzungen eine dreistellige Zahl aus Deutschland. Cihan Kendal, 26, ist einer von ihnen.

Wie wird aus einem jungen Mann mit Job und einem „geregelten Leben“ ein beinharter Soldat an der Front in Syrien? Diese Frage kann Cihan Kendal beantworten, eine einfache Antwort aber darauf gibt es nicht.

Mark, so heißt der junge Mann, der sein Studium abgebrochen und eine AK-47 in die Hand genommen hat, mit richtigem Namen, war schon immer ein politischer Mensch. Als Jugendlicher und junger Erwachsener engagiert er sich gegen Rechtsextremismus, in seiner saarländischen Heimat gehört er zur sogenannten „antifaschistischen Szene“. Vielleicht waren es Schlüsselerlebnisse in dieser Zeit, vielleicht aber auch der Kontakt zu vielen Kurden, die Mark zu seiner Entscheidung brachte, nach Syrien zu gehen.

Vielleicht waren es aber auch die Ideen des umstrittenen Kurdenführers Abdullah Öcalan, der in der Türkei inhaftiert ist. Ihn bezeichnet Mark als sein „großes Vorbild“. Öcalans Idee, seine Weltsicht, der Traum von einer „Weltrevolution“, hätten ihn - Mark - überzeugt. Aus dieser Überzeugung wurde ein Waffengang.

Karriere im Krieg

42916146
Jüngster Erfolg im Kampf gegen den IS: Die antike Stadt Palmyra ist befreit

Ein Interview mit Cihan mutet merkwürdig an: Da steht er vor einem, in Kampfmontur, mit schweren Stiefeln, mitten im blutigsten aller Konflikte der arabischen Welt. Um ihn herum entschlossen dreinblickende YPG-Kämpfer. Cihan spricht über Politik. Er nennt die autonomen kurdischen Gebieten, „Kurdistan“. Er weiß, dass es dieses „Kurdistan“ nicht gibt. Den Traum eines eigenen kurdischen Staates aber träumt er mit, scheint es.

Inzwischen hat er Karriere gemacht, im Krieg. Cihan leitet eine kleine Truppe von Kämpfern kurz vor Rakka. Wie er haben sich, so vorsichtige Schätzungen, rund 120 weitere Frauen und Männer aus Deutschland dem Kampf der Kurden angeschlossen.

Kein Ende des Konfliktes in Sicht

Das Tauziehen um eine Lösung des syrischen Konfliktes dauert an. Erst vor kurzem hatten sich zwar die russischen Truppen aus den Kampfhandlungen zurückgezogen und erst vor kurzem gab es auch eine neue Runde der Friedengespräche in Genf, die unter UN-Aufsicht stehen. Nach wie vor aber gibt es keine großen Schritte in Richtung Frieden zu vermelden.

Solange gekämpft werde, sagt Cihan Kendal, der junge Mann aus Deutschland, werde auch er in Syrien bleiben. Er sei bereit, hier zu sterben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet