Leid und Glück an der US-Grenze

Familientreffen im Niemandsland

Politik | auslandsjournal - Leid und Glück an der US-Grenze

Im „Park der Freundschaft“ an der amerikanischen Grenze zu Mexiko, spielen sich glückliche und zugleich tieftraurige Szenen ab: Getrennte Familien haben dort die Möglichkeit, einander nah zu sein.

Beitragslänge:
6 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.10.2017, 23:15

Im „Park der Freundschaft“ an der amerikanischen Grenze zu Mexiko, spielen sich glückliche und zugleich tieftraurige Szenen ab: Getrennte Familien haben dort die Möglichkeit, sich seit langer Zeit wieder zu sehen und durch den Zaun zu berühren.

Für Emma Sanchez ist es der Höhepunkt der Woche: Wie jeden Sonntag nimmt sie den langen Fußmarsch zur Grenze zwischen Amerika und Mexiko auf sich, um wenigstens für einen kurzen Moment in der Woche ihre Familie zu sehen. Ein besonderer Moment, denn ein einfaches Wiedersehen ist nicht möglich: Als illegale Einwanderin kam die Mexikanerin einst in die USA und gründete eine Familie. Als sie Jahre später einen legalen Aufenthaltsstatus beantragte, flog sie auf und wurde abgeschoben – ihre Familie blieb zurück.

Der einzige Ort der Begegnung, der ihnen bleibt, ist der „Friendship park“ – der „Park der Freundschaft“. In diesem 15 Meter schmalen Abschnitt, entlang der 3.200 Kilometer langen Grenze zwischen den USA und Mexiko, im Niemandsland zwischen San Diego und Tijuana, können getrennte Familien wieder zueinanderfinden: Pünktlich jeden Samstag und Sonntag, um 10 Uhr, öffnen sich die Tore des Parks für wenige Stunden. Unter den strengen Augen der Grenzschützer sind sich die Familienangehörigen dann für wenige Augenblicke sehr nah. Sie können miteinander reden und durch die wenigen kleinen Löcher im engen Netz des Metallzauns ihre Fingerkuppen berühren – ein schöner und tieftrauriger Moment zugleich.

 „Ich hoffe der Zaun wird hier nicht zu lange stehen“

Familientreffen im Niemandsland - Leid und Glück an der US-Grenze
Leid und Glück liegen im "Park der Freundschaft" nah beieinander. Quelle: ap

Der „Park der Freundschaft“ wurde 1971 von Pat Nixon, der Ehefrau des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon, eingeweiht. Sie hoffe, dass es den Zaun - und damit auch den Park - nicht allzu lange geben werde, hatte sie damals erklärt. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat: Statt schnell wieder abgebaut zu werden und eine Lösung für die Einwanderungspolitik zu finden, wurde die Grenzanlage und damit auch der Park zu einer militärischen Festung ausgebaut. Der offizielle Grund: Drogenhandel und illegale Einwanderung zu verhindern.

Ein zentrales Thema, das auch den aktuellen US-Wahlkampf prägt: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump fordert, die Grenze weiter auszubauen. Hillary Clinton strebt hingegen eine umfassende Reform des Einwanderungssystems an und will die Einbürgerung und Integration fördern – ein Vorhaben, an dem schon Barack Obama in seiner Amtszeit gescheitert ist.

Die einzige Möglichkeit, die Familie wiederzusehen

Solange sich an der Einwanderungspolitik nichts ändert, ist der „Park der Freundschaft“ für die derzeit elf Millionen illegalen Einwanderer aus Mexiko somit in naher Zukunft die einzige Möglichkeit, ihre Liebsten wenigstens für einen Moment wieder zu sehen – so auch für Emma und ihre Familie.

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