Italiens Wutbürger

Populisten-Partei auf dem Vormarsch

Politik | auslandsjournal - Italiens Wutbürger

Sie sind laut, sie haben Wähler sowohl links als auch rechts der Mitte - und sie sind sehr erfolgreich. Italiens Populisten der Fünf-Sterne-Bewegung sind die zweitstärkste Kraft im Parlament.

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5 min
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Video verfügbar bis 12.10.2017, 23:00

Italiens Fünf-Sterne-Bewegung mischt das Land auf. Als Protestplattform gegründet, stellt sie inzwischen die zweitstärkste Kraft im Parlament und regiert in den Großstädten Rom und Turin. Wer sind die Wutbürger um Komiker Beppe Grillo?

„Wir hier unten gegen die da oben“, das einfache Volk gegen eine abgehobene Elite. Viele populistische Bewegungen versuchen diesen Gegensatz für ihre Agenda zu nutzen und auch in Italien hat der Protest politischer Scharfmacher großen Erfolg: ob Berlusconi, die rechtsradikale Lega Nord oder aktuell die Fünf-Sterne-Bewegung um Komiker Beppe Grillo. Umfragen zufolge ist sie inzwischen die beliebteste Partei in Italien und stellt mittlerweile die Bürgermeister von Rom und Turin.

Vom Blog zur Bewegung

Zentrale Figur und Sprachrohr der Bewegung ist der 1948 in Genua geborene „Beppe“ Grillo.
1977 durch ein glückliches Vorsprechen ins italienische Fernsehen gekommen, gewinnt er als TV-Entertainer schnell an Popularität. Nach und nach bedient er sich der politischen Satire, um auf Missstände aufmerksam zu machen und unliebsame Politiker aggressiv zu attackieren.

Den Schritt zum Politiker macht Grillo 2005 mit dem Start seines Internet-Blogs – damals eine Neuheit. Er erkennt als Erster in Italien, welch mächtiger Faktor das Internet in der Politik ist und so wächst der Blog zu den weltweit erfolgreichsten überhaupt. Über das Internet organisiert Grillo Protestaktionen wie den Vaffanculo-Day („Haut-ab,-ihr-Ärsche-Tag“), der zehntausende Menschen auf die Straße bringt. Daraus geht 2009 die Fünf-Sterne-Bewegung hervor.

Von der Bewegung zur Partei

Beppe Grillo spricht eher von einer Bürgerbewegung denn von einer Partei. Die Fünf Sterne wollen eine Alternative zu den etablierten Parteien und Einrichtungen sein. Der Name leitet sich aus den fünf Grundsätzen des Programms ab: Wasser, Umwelt, Transport, Internet, Entwicklung. Auf einer Reihe von Online-Plattformen sollen die Mitglieder die politische Ausrichtung diskutieren. Das Internet als Allheillösung soll das bestehende System aufbrechen und eine direkte Demokratie mit umfassender Volksbeteiligung verwirklichen.

Das Parteiprogramm ist gemischt: Da finden sich eher linke Positionen, wie das bedingungslose Grundeinkommen und der Einsatz für die Energiewende, sowie eine eher rechte Anti-Europa-Haltung und nationalistische Parolen gegen Flüchtlinge. Bei der Parlamentswahl 2013 wird die Partei auf Anhieb zweitstärkste Kraft. Egal, ob links oder rechts: Hauptsache Anti-Establishment.

Quo vadis Italien?

Die Gründe für Italiens Anfälligkeit für Populismus sind vielfältig. Zum einen stagniert die Wirtschaft seit Jahren. Jeder Dritte unter 35 Jahren hat keinen Job, 4,6 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Zum anderen ist die Politikverdrossenheit durch jahrelange Korruption innerhalb der politischen Riege groß.

Das fehlende Vertrauen der Bevölkerung in das bestehende System begünstigt den Aufstieg der Demagogen. Ende des Jahres steht in Italien ein Referendum über fundamentale Verfassungsänderungen an. Indirekt wird es als Abstimmung über die Politik des aktuellen Ministerpräsidenten Matteo Renzi gewertet und Konsequenterweise gehören die Politiker der Fünf Sterne zu den Gegnern der Reform. Denn sollte Renzi verlieren, könnten vorgezogene Parlamentswahlen die Macht der Populisten in Italien weiter steigen.

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