Kind als Karriere-Killer

Was eine Schwangerschaft für japanische Frauen bedeutet

Politik | auslandsjournal - Kind als Karriere-Killer

In Japan müssen sich Schwangere zwischen Karriere und Kind entscheiden. Oft werden sie diskriminiert, gar gekündigt. Dabei fehlt es im Land des Lächelns an Nachwuchs.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.08.2017, 13:55

Karriere oder Kind? Vor dieser Entscheidung stehen auch in Japan jedes Jahr tausende von Frauen. In einer von Männern dominierten Arbeitswelt aber haben es Mütter im Land des Lächelns besonders schwer. Ein Kind zu bekommen bedeutet für viele das Aus im Beruf. Ein Wiedereinstieg ist, auch wegen des traditionellen Rollenbildes der japanischen Gesellschaft, schwer. Auch Osakabe Sayaka ging es so.

Osakabe Sayaka hatte ihren Chef um eine Woche Auszeit gebeten. Es gab Probleme in der Schwangerschaft. Eine Woche frei für Arzttermine – das war ihre Bitte. Die Antwort ihres Chefs war: Entweder Sie kommen zur Arbeit oder Sie kündigen! Osakabe Sayanka ging zur Arbeit. Und hatte kurz darauf eine Fehlgeburt. Es war ihre zweite.

„Mutterschafts-Mobbing“ kein Einzelfall

Sayaka ist kein Einzelfall. Berufstätige Frauen müssen mit Anfeindungen rechnen, wenn sich herumspricht, dass sie schwanger sind. Oft wird gefordert, dass sie sich rechtfertigen, vor Vorgesetzten, vor Kollegen. Sogar Fälle, in denen das Unternehmen eine Abtreibung verlangt, sind bekannt. Beschimpfungen, Ausgrenzung, Kündigung – all das können Konsequenzen einer Schwangerschaft sein. Die alltägliche Benachteiligung spiegelt sich finanziell wider: Mütter verdienen in Japan bis zu 60 Prozent weniger als Männer in der gleichen Position.

Ein Phänomen, für das es inzwischen sogar einen Namen gibt: „maternity harassment“, kurz „Matahara“. Osakabe Sayaka will dagegen ankämpfen. Und hat mit Gleichgesinnten eine Organisation gegründet, die sich diesem Ziel verschrieben hat.

Neue Kinder braucht das Land

Der Mann macht Karriere, die Frau bekommt Kinder: So funktioniert Japans Gesellschaft. So tief ist dieses vermeintliche Idealbild in den Köpfen der Menschen verankert, dass es schwer fällt, daraus auszubrechen. Auf dem Gleichstellungsranking des Weltwirtschaftsforums rangiert Japan auf einem beschämenden 104ten Platz – hinter Bangladesch, Uganda und Tajikistan. Zum Vergleich: Deutschland liegt auf Platz 14.

Japanische Mutter mit Kind
Auch Japan kämpft gegen eine niedrige Geburtenrate.

Arbeitende Mütter, Frauen, die es schaffen, Karriere und Familie zu vereinen: genau das aber bräuchte Japan dringend. Die Bevölkerung altert und schrumpft, die Wirtschaft stagniert, wichtige Arbeitskräfte fehlen. Doch der Weg zur gleichberechtigten Gesellschaft ist weit: Die Regierung hat erste, zaghafte Schritte unternommen. Weitreichende Folgen haben die aber nicht. Denn Gesetzesentwürfe, die die Situation von Frauen verbesserten, werden regelmäßig vom Parlament abgelehnt. Ein grundsätzliches Umdenken scheint notwendig zu sein.

Einen Erfolg konnten Osakabe Sayaka und ihre Mitstreiterinnen im Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz aber bereits erzielen: Ihre Organisation „Matahara“ ist unlängst mit dem Courage Award des US-Außenministeriums ausgezeichnet worden.

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