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Klimawandel und Pandemie treffen Spitzbergen

von Henner Hebestreit

Das "Ewige Eis" verschwindet: Forschern zufolge wird die Arktis bis 2050 in vielen Sommern eisfrei sein - selbst dann, wenn ehrgeizige Klimaschutzziele umgesetzt werden. Dazu kommt das Corona-Virus - was bedeutet das für die Menschen auf Spitzbergen?

13 min
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17.09.2020
17.09.2020

Bei eisigem Wind geht es durch das Nordpolarmeer. Ein Buckelwal begleitet das Schiff ein paar Minuten – bevor er wieder in die Tiefen der See abtaucht. Dann schlägt die Stunde der Selfie-Fotografen vor dem Nordenskjöldbreen-Gletscher: Sie machen Fotos von dem Eis, das künftige Generationen vielleicht nicht mehr sehen werden. Im Juli stiegen die Temperaturen hier auf knapp 22 Grad – Plus. So warm war es noch nie in diesem Teil der Arktis – die Folgen sind auch am Gletscher zu sehen. „Na klar, man kann schon deutlich sehen, dass da immer mehr Eis abbricht.“ Sagt Marte Emilie Engebretsen, eine Urlauberin aus Norwegen. Der Klimawandel sei hier keine Theorie, wie oft zu Hause.

ZDF-Korrespondent Henner Hebestreit trifft Professor Kim Holmén, Leiter des norwegischen Polar-Instituts auf Spitzbergen. Er beobachtet seit Jahrzehnten, wie sich die Verhältnisse in der Arktis verändern - der Lebensraum der hier heimischen Tiere kleiner wird und das vermeintlich ewige Eis der Gletscher binnen 90 Jahren schwindet – die Arktis als Zukunftslabor der Menschheit.

Doch nicht nur der Klimawandel macht den Menschen dort zu schaffen: In Spitzbergen hängen sie am Tropf der Reisebranche.

Die Schlittenhunde ziehen viel öfter Kutschen mit Fracht, als Besucher aus der Fremde. Denn der Lockdown im März hat die Tourismus-Industrie hart getroffen. Die Pandemie bremst den Strukturwandel. Eigentlich will man weg vom Bergbau, hin zum Tourismus. Ronny Brunvoll, Tourismusdirektor in Spitzbergen sagt: „Tourismus sollte die Jobs aus dem Bergbau ersetzen – und das ist uns in den letzten Jahren auch ganz gut gelungen – aber jetzt trifft uns die Krise doppelt – der Tourismus wackelt und auch die letzte Kohlezeche hat Probleme.“ In der Arktis türmen sich die Kohlehalden.

Die Menschen hier haben den weltweit größten CO2-Ausstoß pro Kopf. Deshalb suchen sie nach umweltfreundlichen Alternativen. Jovna Dunfjell, Regionalpolitiker in Spitzbergen sagt: „Wir müssen eine Lösung finden, die besser mit der arktischen Natur harmoniert. Das können Wind-  oder Wellenkraftwerke sein – auf jeden Fall müssen wir dafür sorgen, dass die Natur nicht weiter blutet.“

Es geht nicht nur um die zukünftige Stromversorgung, sondern auch um die sinnvolle Nutzung der Altlasten. Eine nachhaltige Idee hatte man schon vor 30 Jahren. Alte stillgelegte Kohlezechen wurden der Lagerort für Norwegens Saatgut-Bank. Hier wird das wertvolle Genmaterial von über einer Millionen Pflanzenarten aus aller Welt gelagert. Damit soll die künftige Versorgung der Menschheit mit Nahrungsmitteln gesichert werden. Und Åsmund Asdal bringt immer neue Lieferungen in den erweiterten Saatgut-Bunker. Der Klimawandel und das schmelzende Eis haben auch für den Bunker folgen. Um das Saatgut vor eindringendem Schmelzwasser zu schützen, musste Norwegen kürzlich umgerechnet 20 Millionen Euro investieren.

Wie wichtig das werden kann, sieht man am Beispiel von Syrien:  Syriens Saatgutbank ging in den Wirren des dortigen Bürgerkriegs verloren. Åsmund Asdal, Direktor Svalbad Global Seed Vault, erzählt: „Glücklicherweise hatten die Syrer Kopien ihrer Samen hier eingelagert – und als sie die brauchten, waren sie hier in Sicherheit. Mit den Samen aus der Arktis konnten die Syrer*innen neue Saatgutbanken aufbauen.“

Und die Nachzüchtungen lagern bereits wieder im Bunker auf Spitzbergen. Der sie tief unter Tage vor dem Klimawandel schützt.

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