Obamacare krankt erheblich

Noch immer 28 Millionen US-Bürger ohne Versicherung

Politik | auslandsjournal - Obamacare krankt erheblich

Nachdem das US-Gesundheitssystem reformiert wurde, gab es große Hoffnung auf eine bezahlbare Versorgung für Alle. Doch wie sieht das System nun aus? Anja Roth im "außendienst" in Amerika.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.10.2017, 23:15

Als Barack Obama in seinem ersten Amtsjahr eine grundlegende Reform des US-Gesundheitssystems anschob, waren die Erwartungen groß: Endlich bezahlbare medizinische Versorgung für alle. Doch von den Versprechungen und Hoffnungen ist nicht viel geblieben. Obamacare ist bisher kein Erfolg – auch wegen des massiven politischen Widerstands der Republikaner.

Es hätte alles so schön sein können: Das Wahlkampfversprechen Obamas, jedem US-Amerikaner Zugang zu medizinischer Grundversorgung zu ermöglichen, schien schon im ersten Amtsjahr Realität zu werden. Obamacare versprach nicht weniger als eine Revolution im Gesundheitswesen der USA: Jeder US-Amerikaner sollte eine bezahlbare Krankenversicherung erhalten - und die, die sich keine leisten können, sollten vom Staat unterstützt werden.

ap
Bessere Zeiten: Obama unterzeichnet im März 2010 den Care Act.

Wenige Jahre, nachdem 2010 der Care Act ratifiziert und 2012 das Gesetz in Kraft getreten ist, zeigt sich jedoch: In der Realität profitieren nur wenige von Obamacare. Das Hauptproblem: Zu wenige US-Amerikaner beteiligen sich an der Reform. Bisher haben lediglich zwölf Millionen Menschen eine Versicherung abgeschlossen – zudem meist Ältere, die mehr Behandlungen brauchen und für die Versicherungen teuer sind. Zwar ist der Abschluss einer Krankenversicherung durch Obamacare für jeden US-Bürger verpflichtend geworden, allerdings zahlen vor allem jüngere Menschen lieber die milden Strafen, als sich für mehr Geld zu versichern – und dann trotzdem keine umfassende Versorgung zu erhalten.

Denn: Viele Ärzte behandeln Obamacare-Versicherte inzwischen nur noch sehr ungern. Da die Versicherungen jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar Minus machen mit den Policen, boykottieren sie Therapien und halten mitunter Zahlungen zurück. Alles, was an Medikamenten und Behandlungen nicht absolut notwendig ist, wird von den Versicherungen blockiert. Gerade für die ärmeren Versicherten ist das ein Desaster. Vor allem in ländlichen Gebieten sind sie auf Hilfsorganisationen angewiesen, die kostenlos Behandlungen anbieten.

Krankenversicherung? Kommunismus!

Verschärft wird das Problem noch durch den anhaltenden politischen Kampf um Obamacare. Die Republikaner laufen seit Jahren Sturm gegen die Reform und torpedieren sie, wo sie nur können. Sie halten das Gesetz für einen tiefen Eingriff in die persönliche Freiheit der US-Bürger und beschwören immer wieder Bilder von Staatsbevormundung und Sozialismus. Die republikanisch regierten Staaten verweigern den Zuschuss zur Versicherung für die Geringverdiener und die republikanische Mehrheit im Kongress blockiert seit Jahren alle Subventionszahlungen an die Versicherungen, die das Gesetz eigentlich vorsieht.

dpa
Eher gehasst als geliebt. Nur Wenige profitieren bislang von Obamacare.

So haben 2016 immer noch etwa 28 Millionen US-Amerikaner keine Krankenversicherung. Das ist zwar der niedrigste Stand seit 50 Jahren, insgesamt ist das Projekt Obamacare jedoch - gemessen an seinen Ansprüchen - gescheitert, zumindest vorerst. Offen ist, wie es mit der heiß umstrittenen Reform nach Obama weitergehen wird. Donald Trump will sie sofort abschaffen, Hillary Clinton das System ausweiten und verbessern. So oder so: In Sachen Krankenversicherung bleibt die Supermacht USA bis auf Weiteres Entwicklungsland.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet