Schweizer Senioren-TÜV

Ab 70 muss die Fahrtüchtigkeit bescheinigt werden

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Autofahrer über 70 müssen in der Schweiz alle zwei Jahre zum Gesundheitscheck - und das bereits seit 1976. Das soll Unfällen vorbeugen. So alt, wie die Regelung ist, ist auch der Unmut der Senioren.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.01.2017, 23:15

Schweizer AutofahrerInnen über 70 müssen alle zwei Jahre zum Gesundheitscheck, um ihre Eignung im Straßenverkehr unter Beweis zu stellen. Ein Versuch, die Straßen der Schweiz sicherer zu machen? Oder unnötige Einmischung des Staates?

„Wenn ich längere Strecken fahre, muss ich alle 2 bis 3 Stunden eine Pause einlegen, ein kurzes Nickerchen machen. Die Konzentration lässt nach, ja. Aber ich fühle mich schon noch sicher“, sagt der Schweizer Kurt Häfliger (70). Ob er tatsächlich noch so fit ist wie es sich fühlt wird in der Schweiz ab dem 70. Lebensjahr alle zwei Jahre von einem Arzt überprüft: Wie in vielen Ländern Europas ist auch in der Schweiz ein Gesundheitscheck für ältere AutofahrerInnen vorgeschrieben. Dieses Gesetz ist in der Schweiz schon seit 1976 in Kraft und steht genauso lange in der Kritik.


Stellen ältere FahrerInnen ein Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr dar? Kritiker sind anderer Meinung und halten den Gesundheitscheck für übertriebene staatliche Einmischung. „Ausgerechnet, wenn es ums Autofahren geht, müssen wir obligatorisch zum Doktor gehen. Da sind wir unmündig. Da müssen wir machen, was uns der Staat befiehlt“, erklärt Maximilian Reimann, Ältester im Nationalrat der Schweiz, mit einigem Unverständnis. Reimann versucht die Grenze des Gesundheitschecks auf 75 Jahre anzuheben. Er selbst fühle sich ja auch noch jung. Außerdem hätten alleine im Jahr 2015 fast 1400 SchweizerInnen freiwillig – ohne Gesundheitscheck - ihren Führerschein abgegeben.

Demographischer Wandel auf der Straße

Aufgrund des demographischen Wandels werden in naher Zukunft mehr als ein Drittel der Autofahrer über 60 Jahre alt sein. Bedeutet das, dass sich die Jüngeren um die Verkehrssicherheit und die Senioren sich um ihre Mobilität und Selbstbestimmung sorgen müssen? Studien belegen, dass mit dem 75. Lebensjahr die Unfallwahrscheinlichkeit ansteigt. Gerade Altersgebrechen wie Sehbeschwerden, Verlust der Konzentrationsfähigkeit, Demenz und Hörbeschwerden beeinträchtigen die Verkehrssicherheit extrem.


Wie auch in anderen europäischen Ländern gilt der Führerschein nicht automatisch auf Lebenszeit: In Ländern wie Estland, Lettland und Schweden gibt es eine Begrenzung des Führerscheines auf 10 Jahre. In Spanien, Griechenland, Ungarn und vielen anderen europäischen Ländern sind, ähnlich wie in der Schweiz, ärztliche Untersuchungen ab dem 70. Lebensjahr Pflicht. In Deutschland jedoch gilt der Führerschein immer noch unbefristet.

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