Umstrittene Volksheldin Sawtschenko

Aus der Gefangenschaft in die Politik

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Die als Volksheldin verehrte Kampfpilotin Nadjia Sawtschenko ging nach ihrer Freilassung aus russischer Gefangenschaft in die Politik. Viele sehen sie schon als nächste Präsidentin.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.07.2017, 23:15

Aus russischer Gefangenschaft ins ukrainische Parlament: Die in der Ukraine als Volksheldin verehrte Kampfpilotin Nadjia Sawtschenko ging nach ihrer Freilassung in die Politik und ist dabei nicht unumstritten.

„Ukrainer, wenn ihr es für nötig haltet, dass ich Präsidentin werde, gut, dann werde ich eben Präsidentin.“ – Selbstbewusst, standhaft und oft unkonventionell - so präsentiert sich Nadija Sawtschenko. Die ehemalige ukrainische Kampfpilotin wurde während ihrer russischen Gefangenschaft in der Ukraine zu einer Volksheldin und in Abwesenheit zur Parlamentarierin gewählt. Nach ihrer Freilassung betrat sie die politische Bühne und sitzt seitdem als Abgeordnete der „Vaterlandspartei“ im ukrainischen Parlament. Dort macht sie mit kritischen Äußerungen und Vorschlägen von sich reden.

Nadija Sawtschenko
Die Ukrainerin Nadija Sawtschenko vor Gericht. Quelle: ap

Aufgeben war nie eine Option

Bevor Nadija Sawtschenko Politikerin wurde, war sie Soldatin: Sie durchlief als erste ukrainische Frau eine Ausbildung zur Hubschrauberpilotin, kämpfte im Irak und unterstützte freiwillige Kämpfer bei Gefechten in der Ostukraine. Bei diesen Auseinandersetzungen wurde sie im Juni 2014 von pro-russischen Separatisten gefangengenommen.

Die russische Justiz beschuldigte die Ukrainerin, für den Mord an zwei Journalistinnen verantwortlich zu sein. Sie habe deren Position an die ukrainische Armee verraten. Obwohl Sawtschenko stets ihre Unschuld beteuerte, verurteilte das Gericht die Kämpferin wegen Kriegsverbrechen zu 22 Jahren Haft. Eine zuvor angebotene Begnadigung gegen ein Schuldeingeständnis lehnte sie ab. Sawtschenko blieb standhaft. Sie trat in den Hungerstreik, zeigte den Richtern den Mittelfinger und trug ein T-Shirt mit dem ukrainischen Dreizack – einem elementaren Teil des Wappens der Ukraine. Nach 709-tägiger Gefangenschaft wurde sie überraschend gegen zwei russische Soldaten ausgetauscht und kam frei.

Sawtschenko will eigene Akzene setzen.
Die unbequeme Heldin will eigene Akzente setzen. Quelle: reuters

Aus der Heldin wurde eine Politikerin

Zurück in ihrem Heimatland feierten die Menschen Nadija Sawtschenko für ihren Widerstand in russischer Haft als Volksheldin. Doch sie selbst will mehr als nur ihrer Partei und dem amtierenden Präsidenten Petro Poroschenko zu neuem Aufwind zu verhelfen - sie will gestalten und eigene Akzente setzen: Sie fordert einen Untersuchungsausschuss, um die weit verbreitete Korruption unter Politikern aufzudecken. Sie will direkte Gespräche mit den russischen Separatisten in der Ostukraine beginnen, statt auf die Minsker-Friedensverhandlungen zu hoffen. Dieser umstrittene Vorschlag handelte ihr jüngst den Vorwurf ein, eine russische Spionin zu sein.


Trotz allem Gegenwind will sich Nadija Sawtschenko nicht vereinnahmen lassen. Sie ist beliebt unter den Menschen und ist überzeugt davon, dass die Zeit der alten männlichen Politikergarde allmählich abläuft – auch die des Präsidenten Petro Poroschenko.

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