Retter in der Hölle

Weißhelme im Einsatz in Aleppo

Politik | auslandsjournal - Retter in der Hölle

Sie sind die Ersten die ankommen, wenn die Bomben gefallen sind – und die Letzten, auf die die Menschen in Syrien noch hoffen können: die Männer und Frauen des Zivilschutzes in Syrien, die Weißhelme.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.09.2017, 00:15

Sie sind die Ersten die ankommen, wenn die Bomben gefallen sind – und die Letzten, auf die die Menschen in Syrien noch hoffen können: die Männer und Frauen des Zivilschutzes in Syrien, die Weißhelme. Nach den zerstörerischen Luftangriffen suchen sie in den Trümmern nach Überlebenden -  ein gefährlicher Einsatz, für den sie nun mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurden.

Wenn die Bomben vom Himmel regnen, lassen die Männer und Frauen des syrischen Zivilschutzes alles stehen und liegen. Für sie zählt jede Sekunde: Mit einem weißen Helm, einer Schaufel und den wenigen Medikamenten, die sie besitzen, fahren sie in Richtung Einschlagsstelle. Sie sind die Ersten, die in den Trümmern nach Menschen suchen und die Schwerverletzten bergen. Und das in einem Konflikt, der sich seit seinem Beginn vor fünf Jahren immer weiter zuspitzt: Aleppo erlebte in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen im gesamtem syrischen Bürgerkrieg. Mehr als 230 Zivilisten starben bei den jüngsten Angriffen, mehr als zwei Millionen Menschen sollen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten sein. Die verbliebenen 250.000 Menschen im belagerten Ostteil der Stadt erleben eine humanitäre Katastrophe – die letzte Hoffnung für sie: die Weißhelme.

Retter in der Hölle - Weißhelme im Einsatz in Aleppo
Seit 2013 bergen die Weißhelme Verletzte aus den Trümmern. Quelle: ap

 
Zivile Helfer trotzen dem Bürgerkrieg
Gegründet wurde die zivile Hilfsorganisation im Jahr 2013, zwei Jahre nach dem Beginn des Bürgerkrieges. Der Syrer Raed al-Saleh lernte bei einem Bergungstraining in der Türkei die notwendigen Techniken, um Menschen nach einem Bombenangriff aus Trümmern zu befreien und setzte die Idee in Syrien um. Waren es anfangs noch 20 zivile Helfer, stieg die Zahl bis heute auf über 3.000 Mitglieder, die überall dort in Syrien aktiv sind, wo das Regime nicht herrscht.

Sie suchen nach Überlebenden in den Trümmern, bringen verwundete Menschen in Sicherheit und kümmern sich - soweit es möglich ist – um die Versorgung. Dabei begeben sich die international unterstützten Helfer selbst in große Gefahr. So fielen bisher 141 der zivilen Helfer dem Bombenregen zum Opfer. Doch die Gefahr hält die Mitglieder der Weißhelme, die vor dem Krieg Bäcker, Taxifahrer oder Lehrer waren, nicht ab. So konnten sie seit ihrer Gründung - nach eigenen Angaben - über 60.000 Menschen, egal welcher Partei, retten.

Retter in der Hölle- Weißhelme im Einsatz in Aleppo
Laut Schätzungen starben bisher 290.000 Menschen in dem Bürgerkrieg. Quelle: reuters

 
Ausgezeichnet mit dem Alternativen Nobelpreis
Für ihren unerschütterlichen Einsatz an einem der gefährlichsten Orte der Welt wurden die Weißhelme nun mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Der Preis ehrt sie für ihren außergewöhnlichen Mut und ihr humanitäres Engagement. Eine besondere Auszeichnung in einem scheinbar ausweglosen Konflikt, in dem laut Schätzungen bisher rund 290.000 Menschen starben und Millionen flüchten mussten.


Aufgeben kommt für die Weißhelme aber nicht in Frage: Solange die internationale Gemeinschaft sich nicht auf eine Lösung einigen kann und die Bomben weiter auf Aleppo fallen, setzen sich die zivilen Helfer ihre weißen Helme auf und fahren los – alles, um einen letzten Funken Hoffnung zu verbreiten, in einer Situation, in der es so aussieht, als ob es keine Hoffnung mehr gäbe.

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