Zwischen Revolution und Resignation - Iran vor der Wahl

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Wie tickt das Land nach vier Jahren Amtszeit des Reformers Hassan Rohani und zwei Jahren seit Unterzeichnung des Atomabkommens?

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.05.2018, 22:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland , Iran 2017

Wie tickt das Land nach vier Jahren Amtszeit des Reformers Hassan Rohani und zwei Jahren seit Unterzeichnung des Atomabkommens?

Der Iran drängt nach Jahren der Isolation wieder auf die Weltbühne. Als Regionalmacht im Nahen Osten und als Wirtschaftsmacht für westliche Investoren.

Doch offenbar bewirkt die Öffnung nach Abschluss des Atomabkommens kaum Änderungen der Lebensverhältnisse in der Islamischen Republik. "Gar nichts hat sich verändert. Vieles ist schlimmer geworden, nichts aber besser. Wir leben in Armut, die Arbeitslosigkeit ist hoch, wir haben Drogenprobleme und finanzielle Sorgen." Auf dem Basar von Teheran beklagen sich Händler und Kunden über den Zustand des Landes.

Antje Pieper reist kurz vor der Präsidentschaftswahl für ein "auslandsjournal spezial" durch das Land. Dabei begegnet sie Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten: armen Taxifahrern, reichen Geschäftsfrauen, strengen Ayatollahs, rebellischen Skaterinnen und unzufriedenen Basarverkäufern.

Dass vieles im Land unverändert geblieben ist, lässt Masoumeh Ebtekar, Vizepräsidentin und Gesundheitsministerin, im Interview ganz klar erkennen:
"Wir haben verschiedene Arten von Erwartungen, Einstellungen und Denkweisen in unserer Gesellschaft. Wichtig ist, dass der Iran eine islamische Gesellschaft ist. Individuelle Rechte und unser soziales Konstrukt werden im Rahmen der islamischen Lehre definiert."


Alle Kandidaten, die am 19. Mai zur Wahl stehen, wurden vom Wächterrat der Islamischen Republik ausgesucht und unterscheiden sich, vom Reformer Rohani bis zum Hardliner Raisi, lediglich durch ihre Position im Spektrum des Gottesstaates. Das Konzept der Islamischen Republik selbst stellt aber keiner von ihnen in Frage.

Ayatollah Hadavi Tehrani, eine religiöse Instanz aus Ghom, dem geistigen Zentrum des Iran, erklärt dies so:
"Wir leben eine praktisch angewandte Mischung zweier Sphären - aus Sicht der westlichen Kultur ist das seltsam: Staat und Religion gehören für uns zusammen. Die Menschen leben in einem Rechtsstaat und gleichzeitig in einem Gottesstaat."

Folter, grausame Strafen wie Peitschenhiebe und Exekutionen, aber auch die Diskriminierung von Frauen gehören nach wie vor zu diesem System. Viele junge, westlich orientierte Iraner sind in die USA oder nach Europa ausgewandert, weil sie unter diesen Bedingungen keine Zukunft mehr für sich im Land sehen. Andere, die im Land geblieben sind, trauen keinem der Kandidaten einen Wandel zu mehr Freiheit zu. Sie leben, wie fast alle Iraner, ein schizophrenes Leben, rebellieren im Privaten.

Padideh Azin, eine Innenarchitektin, die im reichen Norden von Teheran lebt, beschreibt es so: "Es war schon immer so, dass man hier zwei Leben lebt, ein privates und ein öffentliches. Das wird sich auch nicht ändern."

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