Bayerischer Vereiniger

Gewerkschafter, Ex-Sozialdemokrat, Linken-Chef - die politische Karriere von Klaus Ernst velief nicht auf geraden Bahnen. In der Gewerkschaft IG-Metall machte er sich schon in den 80er Jahren einen Namen, bevor er 1995 die Zweigstelle Schweinfurt mit 20.000 Gewerkschaftsmitgliedern übernahm. Seine gewerkschaftliche Sozialisation bestimmte fortan seinen politischen Werdegang.

"Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit"

1974 war Ernst in die SPD eingetreten, doch erst 30 Jahre später betrat er die bundespolitische Bühne, als er sich 2004 der Protestbewegung gegen Gerhard Schröders "Agenda"-Politik anschloss und bald darauf mit einigen anderen von der Partei ausgeschlossen wurde. Für viele hatte sich die SPD mit den Sozialreformen zu weit von ihren einstigen Idealen entfernt und Ernst war überzeugt, die Menschen sehnten sich nach einer "politischen Alternative", wie er damals im ZDF sagte. Gemeinsam mit ein paar Mitstreitern initiierte er die Gründung einer neuen linken Partei und die "Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit" wurde geboren.

Anfangs von vielen belächelt, erzielte sie bereits bei der NRW-Landtagswahl im Mai 2005 mit 2,2 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg, bevor sie bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst 2005 mit 8,7 Prozent ihren ersten großen Erfolg auf Bundesebene erzielte. Als Zugpferd für die neue linke Kraft konnte Ernst den in Ungnade gefallenen ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine gewinnen und zurück in die Politik holen. Gemeinsam mit dem ehemaligen PDS-Vorsitzenden Gregor Gysi machten sie sich daran, die Linken in Ost und West einander näher zu bringen, was mit der Überwindung zahlreicher "kultureller Differenzen" verbunden war, wie Ernst damals im ZDF sagte.

"Projekt hat sich stabilisiert"

Nachdem sich WASG und PDS im Juni 2007 nach schwierigen Verhandlungen in Berlin auf den Zusammenschluss zur Partei "Die Linke" einigten und Ernst zu einem von vier Stellvertretern gewählt wurde, sollte ein Schwerpunkt die Verankerung der neuen Kraft vor allem in Westdeutschland werden. Im Osten in vielen Teilen längst Volkspartei, gelang ihr der Durchbruch im Westen, als sie im Januar 2008 in Hessen und Niedersachsen in den Landtag einzog. Das Projekt der Linken habe sich damit "stabilisiert", so Ernst, und fortan müsse man überall mit seiner Partei rechnen, "auch im Westen".Best of Klaus Ernst

Eine mittelfristige Zusammenarbeit mit der SPD wollte er nach der für die Linkspartei mit 11,9 Prozent erfolgreichen Bundestagswahl im Herbst 2009 nicht ausschließen. Doch müsse diese vorher unter anderem ihre Sozial- und Sicherheitspolitik ändern. Würde die SPD wieder "sozialdemokratische Politik" machen, könne sie "vielleicht auch in ein Bündnis" mit der Linken gehen. Im Mai 2010 wurde der "bajuwarische Volkstribun", wie ihn die "taz" einst nannte, gemeinsam mit Gesine Lötzsch zum neuen Parteivorsitzenden gewählt, nachdem die bisherigen Amtsinhaber Oskar Lafontaine und Lothar Bisky ihren Rückzug angekündigt hatten.

"Mit Stasi nichts am Hut"

Bei der Bundespräsidentenwahl im Juni gab es für etwaige rot-rot-grüne Zukunftspläne jedoch einen Dämpfer, weil die Linke sich nicht dazu durchringen konnte, den gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, mitzuwählen und stattdessen eine eigene Kandidatin in Rennen schickte. Kritiker glaubten, die Partei habe Gauck seine ehemalige Rolle als oberster "Stasi-Jäger" nicht verziehen und somit bewiesen, dass ihr Verhältnis zu ihrer eigenen und zur DDR-Vergangenheit noch immer gestört sei.

Dass er persönlich mit der Stasi "nichts am Hut habe", könne man schon ein seinem Dialekt hören, entgegnete Ernst auf kritische Fragen. Aber auch grundsätzlich sehe er eine Stasi-Vergangenheit potentieller Mandatsträger nicht als Problem, nur müssten die Kandidaten "ihre Geschichte, ihre Biografie offenlegen", damit am Ende der Wähler entscheiden könne, inwiefern das seine Wahl beeinträchtigt. Obwohl er an "seine alte Partei" SPD appeliert, an ihre Wurzeln zurückzukehren, werden sich wohl auch Klaus Ernst und seine Linke noch auf einigen Feldern bewegen müssen, bevor eine wie auf immer geartete rot-rote Perspektive auf Bundesebene möglich wird. Für die Linke scheint das jedoch die einzige Option, ihren bisherigen Erfolg fortzusetzen.

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