Der bajuwarische Zankhahn

Horst Seehofer im Portrait

Nicht nur auf Bundesebene, nein auch in der eigenen Partei gilt er als Rebell, als Einzelkämpfer, als Nörgler und als Stänkerer. Vor allem das Thema Kopfpauschale verbindet man mit dem Ministerpräsidenten des "schönsten Bundeslandes" im Süden und seinem Parteichef Horst Seehofer. Und zugegeben: An Ahnung fehlt es ihm nicht beim Thema Gesundheit.

Horst Seehofer
Horst Seehofer Quelle: dpa

Nach seinem Einzug in den deutschen Bundestag über ein Direktmandat des Wahlkreises Ingolstadt 1980 konnte er sich von Anfang an als sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe profilieren und wurde 1989 dann unter Ressortchef Blüm Parlamentarischer Staatsekretär im Arbeitsministerium, wo er als Sozialexperte maßgeblich am Entwurf der Sozialreform im Gesundheitswesen beteiligt war.

Reforminitiator und Rebell

Horst Seehofer, CSU
Horst Seehofer, CSU Quelle: dpa

1992 dann folgte ein weiterer großer Sprung die Karriereleiter hinauf: Im Kabinett Kohl erfolgte im selben Jahr eine ungeplante und überraschende Kabinettssumbildung, an deren Ende der bayrische Gesundheitsexperte von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth zum Gesundheitsminister ernannt wurde. Als eben jener erarbeitete er sich bis zum Regierungswechsel 1998 den Ruf eines Reforminitiators - das Beitragsentlastungsgesetz von 1996 und die GKV-Neuordnungsgesetze von 1997 gehen als Reforminitiativen auf Seehofer zurück.

Aufstieg in den blau-weißen Olymp

Nach dem Regierungswechsel 1998 folgen Posten als stellvertretender CSU-Landesvorsitzender und stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender im Bundestag. Im Jahr 2002 dann beruft ihn Edmund Stoiber in sein "Kompetenzteam" - er wird Mitglied in der von der Regierung einberufenen "Kommission für soziale Sicherheit". Nach Vorlage des Abschlussberichts der Kommission aber wird deutlich: Man kommt auf keinen grünen Zweig - Seehofer nimmt entschieden Abstand von der vorgeschlagenen Kopfpauschale, die er wegen der "fehlenden sozialen Balance" und der "Nichtfinanzierbarkeit" scharf kritisierte. Am Ende geriet er so sehr unter Druck, dass Stoiber ihn fallen ließ. Am Ende wurde Seehofer von politischen Beobachtern gar für politisch tot erklärt.

Doch im Jahr 2005 erfolgt das große Comeback: Auf einem Hoch der Popularitätswerte dahinsegelnd wird er 2005 zum Stellvertreter Stoibers gewählt. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl desselben Jahres wird er dann innerhalb der Großen Koaltion zum Minister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft ernannt. Hier sind seine großen Themen vorallem die Vogelgrippe, das Gammelfleisch und der Nichtraucherschutz.

Westerwelle, Merkel und Seehofer
Westerwelle, Merkel und Seehofer Quelle: ap

Nach dem politischen Rückzug Stoibers und der historischen CSU-Wahlschlappe unter dem Führungsduo Beckstein und Huber aus dem Jahr 2008 gelingt Seehofer der Aufstieg in den weiß-blauen Olymp: Im Herbst 2008 wird ihm in der Stunde der Not die gesamte politische Verantwortung übertragen und er wird sowohl zum bayrischen Ministerpräsidenten als auch zum neuen Parteichef erkoren.

Einzelkämpfer mit Steherqualitäten

Seitdem versucht Seehofer den schweren Spagat zwischen Landesfürst und Bundespolitiker - schon mehr als einmal hat er seiner Chefin Angela Merkel durch sein ständiges Granteln in Richtung Berlin Bauchschmerzen bereitet. Und das Thema Kopfpauschale ist ihm auch heute noch ein Dorn im Auge - der gelbe Koalitionspartner FDP und vorallem der heutige Gesundheitsminister Rösler müssen darunter leiden. Immerhin: Als profilierter (Landes-) Politiker lässt er sich nicht so leicht vom Kurs abbringen. Und schon gar nicht von den Liberalen.

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