Ehre oder Verletzung des Grundgesetzes?

Ein Pro/Kontra-Chat mit Norbert Geis und Volker Beck

Den einen ist die Bundestagsrede des Papstes am 22. September willkommen, den anderen ein Dorn im Auge. Sollte ein Kirchenoberhaupt im Parlament sprechen? Chatten Sie dazu mit den Bundestagsabgeordneten Norbert Geis (CSU) und Volker Beck (Grüne).

Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI. Quelle: dpa

Bereits 2006 hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) Papst Benedikt XVI. eingeladen, eine Rede vor dem deutschen Parlament zu halten. Am 22. September 2011 ist es nun soweit - der Papst spricht zum Auftakt seiner Deutschlandreise vor dem Bundestag. Doch dort gibt es Widerstand.

"Grundgesetz wird verletzt"

Volker Beck
Volker Beck Quelle: Angelika Kohlmeier

"Die geplante Rede des Papstes vor dem Bundestag lehnen wir als ein Zeichen der weiteren Verkirchlichung der Politik und des politischen Diskurses ab. Die Bundesrepublik verpflichtet sich im Grundgesetz zu weltanschaulicher Neutralität, diese wird mit dem Auftritt eklatant verletzt" - mit diesen Worten beginnt eine Erklärung der Laizistischen Sozialdemokraten, deren Sprecher, der Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz, zu einem Boykott der Rede aufgerufen hat und den Papst als "letzten absoluten Monarchen Europas" bezeichnet.

Fernbleiben wolle er zwar nicht, jedoch sieht auch Volker Beck eine Rede Benedikts im Bundestag äußerst kritisch. Der Papst sei in erster Linie ein Religionsführer, sagte er der "Berliner Zeitung". "Die religiöse und weltanschauliche Neutralität des Staates und des Bundestages wirft die Frage auf, wen wir dann als nächstes einladen", so der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. Er habe kein grundsätzliches Problem mit Religionsgemeinschaften, "aber durchaus mit der aktuellen Ausrichtung der katholischen Kirche, an der Herr Ratzinger als Vorsitzender der Glaubenskongregation und nun als Papst Benedikt XVI. maßgeblich mitgewirkt hat".

"Empörende Feindseligkeit"

Norbert Geis
Norbert Geis Quelle: ZDF

Bei der Union stößt die Debatte auf heftige Kritik. Die ablehnende Haltung der Laizisten zeuge von einer "empörenden Feindseligkeit gegenüber religiösen Überzeugungen", erklärt Hermann Gröhe gegenüber der Katholischen Nachrichten Agentur. "Wer in der öffentlichen Wirksamkeit religiöser Überzeugungen eine Bedrohung der Demokratie sieht und Religion zur reinen Privatsache erklärt, hat vom Grundrecht der Religionsfreiheit nichts begriffen", so der CDU-Generalsekretär.

Damit spricht er wahrscheinlich auch vielen Christsozialen aus dem Herzen. Norbert Geis ist CSU-Bundestagsabgeordneter und erhielt 2008 den päpstlichen Gregorius-Orden, unter anderem als Würdigung seines Einsatzes für die Wahrung christlicher Werte in der Gesetzgebung. Ende letzten Jahres sagte er der "Bild", es wäre "eine riesige Ehre für das Parlament, wenn der Papst im Bundestag sprechen sollte". Wenige Monate später wurde er mit sieben anderen CSU-Bundestagsabgeordneten zu einer Privataudienz beim Papst eingeladen.

Stellen Sie Ihre Fragen!

Sollte der Papst als Religionsführer vor dem Bundestag sprechen? Wenn man dem katholischen Kirchenoberhaupt diese Plattform gibt, müssten dann auch andere diese Möglichkeit bekommen? Wieviel Distanz muss die Politik gegenüber der Religion halten? Stellen Sie Ihre Fragen an die Bundestagsabgeordneten Norbert Geis und Volker Beck und diskutieren Sie mit im "Berlin direkt"-Chat am Sonntag, dem 11. September, ab 19.30 Uhr.

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