Euroland - Krise ohne Ende?

Chat mit Markus Ferber

Rettungspakete für Griechenland und Irland, doch die Euro-Krise zieht immer größere Kreise. Und der Umgangston zwischen den Mitgliedsstaaten wird rauer. Kann die Euro-Zone diese Herausforderung meistern? Stellen Sie Ihre Fragen an den Europaabgeordneten Markus Ferber.

Erst wurden die Griechen zum Ziel der Spekulanten und die Euro-Zone sah sich zum Handeln gezwungen. Nach anfänglichem Zögern bekundete auch die Kanzlerin ihre Unterstützung eines milliardenschweren Rettungsschirms für Griechenland. Die Hoffnung: Wenn die spekulierenden Finanzmärkte mit der geballten europäischen Geschlossenheit konfrontiert werden, lassen sie ab vom Euro. Weit gefehlt. Als nächstes strauchelte der ehemalige Musterschüler Irland. Und wieder entschied sich die Währungsunion zur Intervention.

Eine Nord- und eine Südgruppe?

Doch es scheint, als würde die Gemeinschaft nur ein Feuer löschen, um mitanzusehen, dass sich andernorts ein neues entzündet. Längst wird über die möglichen Auswirkungen spekuliert, wenn deutlich größere Mitgliedsländer, wie Spanien oder Italien, die ebenfalls hochverschuldet sind, zu straucheln drohen. Können die solideren Mitgliedsstaaten wie Frankreich, Österreich, die Benelux-Länder und allen voran Deutschland, als finanzstärkstes Mitgliedsland, auch diese Kaliber stemmen? Oder bürden sie sich nur milliardenschwere Lasten auf und geraten am Ende selbst in die Schuldenfalle?

Der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, hält von diesen Unterstützungsmaßnahmen nicht viel. Was ihm vorschwebt, könnte man mit den Worten zusammenfassen: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Er fordert, den Euro-Raum zur Bewältigung der Währungskrise in eine Nord- und eine Südgruppe zu unterteilen. Der nördliche Teil sei an Haushaltsdisziplin gewöhnt und wolle keine Inflation, der südliche erhalte seine Wettbewerbsfähigkeit lieber durch Währungsabwertung, erklärte er im ZDF. Sollte sich die Euro-Zone also teilen in einen starken und einen schwachen Euro? Derartigen Überlegungen erteilte die Bundesregierung eine klare Absage. "Deutschland steht voll und ganz zum Euro, dem einen Euro", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

"Uneuropäische Art"


Auf europäischer Bühne entstehen ganz andere Ideen, wie man der Krise begegnen sollte. Um dem gezielten Spekulieren auf die Schwäche eines einzelnen Mitgliedslandes den Riegel vorzuschieben, hat der Euro-Gruppen-Vorsitzende Jean-Claude Juncker gemeinsame Euro-Bonds als mögliche Stütz-Aktion für klamme Staaten ins Spiel gebracht. Euro-Länder, die wegen ihrer schlechten Haushaltslage deutlich höhere Zinsen für Kredite aufnehmen müssten, könnten demnach, wie alle anderen Euro-Staaten, 40 Prozent des Kapitalbedarfs über eine derartige Anleihe decken, für die alle 16 Euro-Staaten bürgen würden. Die restliche Summe könnten dann die Länder unabhängig voneinander aufnehmen.

Deutschland lehnt dieses Instrument jedoch ab, was zu ungewöhnlich deutlicher Kritik Junckers führte. In der Wochenzeitung "Die Zeit" warf er der schwarz-gelben Koalition "eine uneuropäische Art, europäische Geschäfte zu erledigen" vor. "Deutschland denkt da ein bisschen simpel", so Luxemburgs Ministerpräsident.

Stellen Sie Ihre Fragen!

Ungewohnt scharfe Töne auf dem sonst auf Harmonie bedachten europäischen Parkett. Ein Zeichen der allgemeinen Verunsicherung angesichts des Ausmaßes der Krise? Muss Deutschland am Ende einlenken und wird zum Zahlmeister der Währungsunion? Was muss auf europäischer Ebene unternommen werden, um künftige Krisen abzuwehren? Stellen Sie Ihre Fragen an den CSU-Chef im Europaparlament, Markus Ferber, im "Berlin direkt"-Chat am Sonntag, dem 12. Dezember 2010, ab 19.30 Uhr.

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