"Ich erwarte Vertragstreue"

Für den 2008 gewählten Grünen-Paretichef, der mit Parteikollegin Claudia Roth die Parteispitze im Doppelpack besetzt, ist das ZDF-Sommerinterview eine Premiere. Als Kulisse für das politische Gespräch mit Bettina Schausten hat sich der "anatolische Schwabe" seine Geburts - und Heimatstadt Bad Urach ausgesucht.

Schwarz-grüne Probleme in Hamburg

Der Parteichef gibt sich selbstbewusst. Mit Sorge allerdings verfolgt Cem Özdemir die Diskussion um die schwarz-grüne Regierung in Hamburg. Auch wenn Ole von Beust als Bürgermeister zurücktreten sollte, erwartet Özdemir Vertragstreue von der CDU in der Hansestadt: "Die Koalition in Hamburg ist nicht an Personen geknüpft, sondern an Inhalte. Eine gemeinsame Politik, die bis zum Ende der Legislaturperiode halten soll. Da sind viele Dinge dabei, die für uns Grüne richtig waren. Auch schwierige Dinge, denken Sie an die Energiepolitik."

Forderungen der Linken nach einer Belohnung für die Unterstützung bei der Ministerpräsidentenwahl in NRW lehnt Özdemir kategorisch ab. Er meint: "Ich kann Herrn Ernst und der Linkspartei nur raten, schnell in der Realität dieses Landes anzukommen. Sie hatten eine gute Gelegenheit dazu: die Wahl des Bundespräsidenten. Mit Herrn Gauck gab es einen Kandidaten der Herzen für die Mehrheit der Deutschen. Es gibt viele in der Linkspartei, die etwas anderes wollen, aber sie müssen sich auch durchsetzen. Wir können die Kämpfe für die Linkspartei nicht führen."

Neue Lücke für die Grünen

Von der deutschen Wirtschaft verlangt Özdemir, sich ökologischer aufzustellen: "Wir haben schon mal ein Auto verpennt: den Hybrid. Jetzt verpennen wir gerade den nächsten technologischen Fortschritt: die Elektroautos. Ich will, dass Arbeitsplätze in Deutschland bleiben, aber es müssen grüne, nachhaltige Arbeitsplätze werden." Ganz offen beansprucht Özdemir die bisherige Rolle der FDP im deutschen Parteiensystem für die Grünen. Liberal und bürgerlich sind für ihn keine Schimpfworte mehr. Die Grünen seien in eine Lücke gestoßen, die die Liberalen hinterlassen hätten.

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