Von den Germanen bis zur Gegenwart

Dauerausstellung: 2000 Jahre deutsche Geschichte

Von der Varus-Schlacht im Jahre neun nach Christus bis in die aktuelle Gegenwart: Ab 2. Juni zeigt das Deutsche Historische Museum in seiner Ausstellung "Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen" 8000 beeindruckende Exponate. Masken, Waffen und Uniformen, aber auch der mannshohe Globus aus Hitlers Reichskanzlei oder ein Modell des Krematoriums II in Birkenau, sollen Geschichte anschaulich machen.

Napoleon hat Deutschland geprägt

Es ist der Zweispitz von Napoleon - das Original, ziemlich groß für so einen kleinen Mann. Getragen hat er diesen Hut in der Schlacht von Waterloo, seiner letzten Schlacht. Am 18. Juni 1815 wurde der französische Kaiser vernichtend geschlagen. Die Preußen haben den Hut als Kriegsbeute mitgenommen.


In der Ausstellung ist das Kapitel Napoleon besonders umfangreich, denn dieser Franzose hat Deutschland geprägt, weiß Hans Ottomeyer, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums: "Napoleon brachte das alte Reich zu seinem Ende und ersetzte es durch ein Gefüge neuer Staaten, moderner Reformstaaten. Er brachte bürgerliche Freiheiten, die Bestimmung des Menschen über sich selbst, als eine neue Grundlage nach Deutschland."

Die Schau ist gigantisch und erzählt die deutsche Geschichte anhand von 8000 Objekten, fast alles Originale. Die Maske des Varus, aus der Schlacht im Jahre neun nach Christus, in der die Germanen die Römer besiegten: Im Museum ist das die Geburtsstunde unserer Kultur. Zu den Exponaten zählt auch ein Türkenzelt von 1683. Es dient als Sinnbild der mörderischen Belagerung von Wien, Rettung vor den Osmanen, aber auch Ausdruck für den regen Kulturaustausch zwischen Orient und Okzident. Ebenfalls ausgestellt ist die Erstausgabe von Goethes Werther, ein Beleg für die bedeutende Geistesgeschichte Deutschlands.

Hitlers Globus mit Einschussloch

Aber auch Zeugnisse der schwärzesten Seite der deutschen Nation findet man in der Geschichtsschau. 1. Mai 1945 - Berlin wird von der russischen Armee eingenommen. In Hitlers Arbeitszimmer in der Reichskanzlei findet man einen Globus, Symbol für Hitlers Weltmachtwahn. Zerkratzt und mit einem Einschussloch an der Stelle, wo sich Deutschland befand, wurde er später gefunden - Hitlers Deutschland ausgelöscht.


Eine Fülle faszinierender Objekte - erzählen sie von deutscher Geschichte als einer Folge von Highlights? Keineswegs, betont Museumsdirektor Ottomeyer: "Deutschland lag häufig mit sich selbst im Hadern. Immer wieder sind verschiedene Überzeugungen aufeinandergeprallt, verursacht durch unterschiedliche Konfessionen oder politische Überzeugungen. Aus diesen Konflikten heraus hat Deutschland häufig ein großes Aggressionspotential nach außen getragen. Die Ausstellung unterrichtet vor allem, wie die Deutschen mit sich auskamen, welche Strategien zum Krieg führten und dann aber auch, wie man sich wieder vertrug."

Beeindruckende Ausstellung

Die Sicht ist also auch durchaus selbstkritisch. Die Ambivalenz der deutschen Geschichte wird ausgehalten. Beide Gesichter von Germania kommen vor, das zerstörerische von 1914, aber auch das nachdenkliche, um die Reichsgründung entstandene.

Nicht auf alles Antworten geben

Erste Reaktionen zeigen, dass die Ausstellung durchaus Eindruck macht. So auch auf Lucy Gmelch: "Hier unten ist ja der Bereich Zweiter Weltkrieg. Wenn man an so einer Original-Uniform vorbeikommt, dann geht mir das schon nahe. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie es damals aussah." Eines der erschütterndsten Objekte ist ein Modell des Krematoriums II in Birkenau.


Die Ausstellung "Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen" versucht nicht, auf alles Antworten zu geben, gibt nicht vor, die letzte Wahrheit zu wissen. Schließlich wird jeder Besucher selbst entscheiden müssen, was für ihn das Entscheidende an der deutschen Geschichte ist.

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