Zum Erfolg verdammt

Der Aufstieg des Guido Westerwelle

Lange Zeit war Guido Westerwelle der Garant für das "liberale" Leben auf der Überholspur - 14,6 Prozent für die FDP bei der Bundestagswahl waren der Höhepunkt. Doch die Partei befindet sich seit ihrem Regierungsantritt im Sinkflug. Und die Kritik am Ober-Liberalen wird lauter.

1998 kam die Wende - Helmut Kohls schwarz-gelbe Koalition wurde abgewählt und für die FDP folgte die längste Oppositionsphase ihrer Geschichte. Eine junge Generation strebte nach oben, wollte weg vom Image eines Wurmfortsatzes der Union und forderte ein stärkeres eigenes Profil. Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff, die großen liberalen Führungspersönlichkeiten, traten in die zweite Reihe.

"...und das bin ich!"

Jürgen W. Möllemann
Jürgen W. Möllemann Quelle: imago


Westerwelles innerparteilicher Aufstieg scheint rückblickend beinahe unvermeidlich, doch war er keinesfalls gradlinig. Sein wohl schärfster Konkurrent war Jürgen W. Möllemann, langjähriger Chef des mächtigen nordrhein-westfälischen Landesverbandes. Erst auf dem Bundesparteitag 2001 konnte er seinem Anspruch auf alleinige Führung endgültig Geltung verschaffen. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt... und das bin ich", so der frisch gekührte Parteivorsitzende.

Unter seiner Führung versuchten die Liberalen im darauffolgenden Wahlkampf durch einen Imagewechsel den Traum von 18 Prozent ("Projekt 18") bei der anstehenden Bundestagswahl zu verwirklichen. Das quer durch Deutschland fahrende "Guido-Mobil" war ebenso Element dieser Kampagne wie Westerwelles Auftritt im "Big-Brother"-Container. Ausgezahlt hat sich dieser Kurs am Ende jedoch nicht und die FDP erhielt lediglich 7,4 Prozent. Dies läutete das Ende der "Spaßpartei" ein.

Keine Ampel unter Schröder

2005 hätte Westerwelle seine Partei zurück an die Macht führen können, als ihm ein strauchelnder Kanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Ampelkoalition zusammen mit den Grünen anbot. Doch der FDP-Chef wollte Prinzipientreue demonstrieren und lehnte ab. "Die Freien Demokraten sind angetreten, um Rot-Grün abzulösen und wir werden jetzt nicht nach der Wahl einen Beitrag dazu leisten, dass Rot-Grün doch noch im Amt bleibt", sagte Westerwelle noch am Wahlabend in der Berliner Runde. Doch es kam bekanntlich anders, Union und SPD einigten sich und die FDP landete für weitere vier Jahre in der Opposition.

2008 sollte dann der Knoten platzen. Die Liberalen eilten von Sieg zu Sieg, fuhren in mehreren Landtagswahlen gute Ergebnisse ein und wurden in Bayern gar Koalitionspartner der CSU. Im Mai 2009 erreichten sie bei der Europawahl sehr gute elf Prozent und Westerwelle frohlockte vor der versammelten Presse mit den Worten "Freude schöner Götterfunken". Bei der Bundestagswahl im September hat es dann gereicht - Union und FDP gingen im dritten Anlauf eine Koalition ein und Westerwelle wurde Bundesaußenminister und Vizekanzler, während er gleichzeitig seinen Parteivorsitz beibehielt.

"Ein notwendiger Schritt"

Seehofer, Westerwelle und Merkel
Seehofer, Westerwelle und Merkel Quelle: ap


Doch nach dem Höhenflug folgte schnell die Ernüchterung. Die "Wunschkoalitionäre" von einst machten monatelang Schlagzeilen über Querelen untereinander, vor allem die beiden kleinen, FDP und CSU lagen scheinbar öfter über Kreuz, als dass sie sich einig waren. Der Eindruck der Zerstrittenheit schlug sich auch in der öffentlichen Meinung nieder. Im ZDF-Politbarometer vom 17. Juli lag die FDP nur noch bei fünf Prozent. Der Erfolg gab Westerwelle lange recht und brachte Kritiker zum Schweigen. Doch angesichts dieses rapiden Niedergangs fordern nun die ersten Parteifreunde, der Außenminister solle sein Amt als Parteichef abgeben. "Ich bin der festen Überzeugung, dass dies ein notwendiger Schritt ist", sagte etwa der Generalsekretär der Saar-FDP, Rüdiger Linsler, gegenüber der "Saabrücker Zeitung".

Andere FDP-Landespolitiker, wie Christoph Meyer, formulieren verhaltener, stoßen aber in dieselbe Kerbe. "Sollte ein Jahr nach Start der Bundesregierung keine messbare Stimmungswende eintreten, müssen wir über eine Neustrukturierung der Aufgabenverteilung sprechen", so der Berliner Landes- und Fraktionschef im "Handelsblatt". Vor den im März anstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt eine bedrohliche Ausgangslage. Bleibt der Erfolg nun aus und kommt die FDP nicht aus ihrem Umfrageloch, könnte der Garant von einst zur Belastung für die Liberalen werden.

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